Geschichten von Lisbeth und Willibald

Gabriele Hennicke

Von Gabriele Hennicke

Do, 07. Dezember 2017

Staufen

BZ-SERIE: Bert Kohl aus Staufen zeichnet Karikaturen – und trägt auch passende Lieder dazu vor.

STAUFEN. Seine Vorbilder sind die Zeichner des Simplicissimus, der ersten deutschen satirischen Wochenzeitschrift, die Ende des 19. Jahrhunderts erstmals erschien, sowie der bekannte elsässische Grafiker und Zeichner Tomi Ungerer. Der Staufener Bert Kohl zeichnet regelmäßig für die Badische Zeitung und andere Medien Karikaturen und Cartoons.

Gerade ist sein neues alemannisches Cartoon-Buch "Lisbeth und Willibald 2 – Viehmäßig luschtig" erschienen. "S isch eifach scheen, wenn sich zwei so gern hänn, die sind bestimmt verhirotet", sagt Kuh Lisbeth zu ihrem Freund Willibald angesichts eines sich heftig küssenden Paares. "Jo, bigott, er in Friburg und sie in Lörrach", stellt Wildschwein Willibald ganz cool fest. Mit dem nun zweiten Band mit der gutmütigen Kuh Lisbeth und ihrem borstigen Freund Willibald ist Kohl derzeit in der Region unterwegs.

Immer mit dabei ist seine Gitarre, denn der Karikaturist zeigt nicht nur seine Zeichnungen, sondern hat die dazu passenden Lieder auf Lager, beispielsweise den Song "Only Kuh" zur Melodie von "Only you", wie er schmunzelnd verrät.

Kuh und Wildschwein sind nur zwei der Figuren, die Bert Kohl kreiert hat, einen großen Teil seiner Schaffenskraft widmet er Portraitkarikaturen. Dabei zeichnete er nicht nur bekannte Politiker und Fußballer wie die des SC Freiburg und des FC Bayern München, sondern unter dem Namen "Kohlköpfe" auch lokale Größen aus seiner Heimat Staufen und Umgebung. "Mich interessiert besonders die Nähe der Menschen zum Tier, zum Animalischen. Aus Tieren werden Menschen, der Weg ist nicht besonders weit", sagt er und zeigt Portraitkarikaturen von Winfried Kretschmann als Pudel, Sigmar Gabriel als Nilpferd und den Fußballer Thomas Müller als Kuh.

Aufgrund der aktuellen Jamaika- und Groko-Verhandlungen gefragt, wie er FDP-Politiker Christian Lindner zeichnen würde, sagt er, "als Tier würde für mich die Schlange passen, aber von der Physiognomie her, gibt er wenig her, sein Gesicht ist zu regelmäßig", meint Kohl. Cem Özdemir von den Grünen sei da ein anderer Fall und stehe deshalb als nächstes auf seiner inneren Liste von Politikern, die er zeichnen möchte. Und wie würde er die versiebten Jamaika-Verhandlungen als Karikatur zeichnen? "Da fallen mir spontan zwei Möglichkeiten ein: Entweder als Motorrad mit Beiwagen, bei dem Merkel, Seehofer und Özdemir auf dem Motorrad sitzen, und Lindner im Beiwagen, der sich selbständig macht. Oder ich würde das vielbenutzte Passagier-von-Bord-Motiv nutzen", sagt der Karikaturist.

Bevor er mit einer Portraitkarikatur beginnt, sucht sich Kohl ein gutes Foto der betreffenden Person mit plastischer Wirkung und verändert dieses anschließend nach und nach. Die Umrisse zeichnet er mit Filzstiften, die er mit Aquarellfarben grundiert, teilweise nutzt er auch Acrylfarben. Bert Kohl zeichnet, so lange er denken kann. Als Schüler versuchte er sich an Stillleben, später an Portraits, doch die gelangen ihm nicht so gut, wie er rückblickend findet.

Nach dem Abitur studierte der heute 67-jährige Staufener Kunst und Französisch an der Pädagogischen Hochschule in Freiburg. Viele Jahre bis zu seiner Pensionierung arbeitete er als Lehrer an der Alemannen-Realschule in Müllheim. Seine Ideen für die Cartoons sind auch von der internationalen Cartoonszene beeinflusst, hier holt er sich immer wieder Anregungen. Oft spinnt er aber auch einfach Gespräche aus dem Alltag weiter und greift witzige Begegnungen auf. Der Stoff für neue Werke wird ihm also nicht so schnell ausgehen.

Das Buch "Lisbeth und Willibald 2 viehmäßig luschtig" ist in der Goethe-Buchhandlung in Staufen und der Buchhandlung Pfister in Bad Krozingen erhältlich und über seine Website http://www.rigoloweb.de zu bestellen.