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26. Februar 2011
Hilfe bei der Suche nach einem Job
Wie arbeitet eine Transfergesellschaft? Die Gedis GmbH vermittelte ehemalige IKA-Mitarbeiter in neue Arbeitsverhältnisse.
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Foto: Schwarz Pharma
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Bärbel Lang-Königsmann und Heribert Held haben als Projektleiter der Firma Gedis 70 frühere IKA-Mitarbeiter vor Ort in Staufen auf der Suche nach einer neuen Beschäftigung betreut – zum Beispiel im Produktionsbereich für Laborausstattung. Foto: SUSANNE MÜLLER/DPA
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Bärbel Lang-Königsmann und Heribert Held haben als Projektleiter der Firma Gedis 70 frühere IKA-Mitarbeiter vor Ort in Staufen auf der Suche nach einer neuen Beschäftigung betreut – zum Beispiel im Produktionsbereich für Laborausstattung. Foto: SUSANNE MÜLLER/DPA
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Foto: Schwarz Pharma
STAUFEN. Mehr als 100 Beschäftigte waren zum Ende eines verlustreichen Jahres 2009 vom Personalabbau bei den Staufener IKA-Werken betroffen. Seither begleiten Personalexperten der Münchner Gedis GmbH einen großen Teil der Betroffenen auf ihrem Weg in einen neuen Job. Hat es sich gelohnt?
"Unsere Vermittlungsquote ist überdurchschnittlich hoch", konstatieren die Gedis-Berater, und sie können zum baldigen Abschluss ihrer Arbeit Ende März durchaus zufrieden sein: "87 Prozent der von uns betreuten ehemaligen IKA-Mitarbeiter haben eine neue Stelle." Transfermaßnahme lautet das Stichwort, bei dem das Coachingteam aktiv wird. Maximal zwölf Monate lang können die Jobsucher Transferkurzarbeitergeld zuzüglich 85 Prozent des letzten Nettolohnes beanspruchen. Danach droht Hartz IV.Kurz vor der Verabschiedung des seinerzeit auf rund vier Millionen Euro bezifferten Sozialplanes der IKA-Werke in Staufen fiel die Wahl auf die Gesellschaft für Personalentwicklung und Personalservice mit Sitz an der Isar. "Wir waren auf diesem Segment zuvor schon in der Region erfolgreich, etwa bei der Firma Gardner Denver in Schopfheim", berichten die Gedis-Projektleiter Heribert Held und Bärbel Lang-Königsmann. Beide sind Badener, beide leben hier und kennen die Region. Dass ein auswärtiger Transferdienstleister das Rennen machte, führen sie aber auch auf die politische und wirtschaftliche "Unabhängigkeit" ihres seit 1997 tätigen Unternehmens zurück.
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Im Dezember vorigen Jahres ging es in Staufen los. Es musste schnell gehen, als die Transfergesellschaft startete. Gemeinsam mit zwei weiteren Beratern richteten Held und Lang-Königsmann in Grunern in einer von der IKA angemieteten Büroetage ein Jobcenter ein. Eine richtige kleine Firma mit PC-Arbeitsplätzen sowie Gruppen- und Einzelberatungsräumen. 70 ehemalige Mitarbeiter (30 Frauen, 40 Männer) meldete die IKA. 63 traten in die auf 12 Monate fixierte Transfergesellschaft ein – freiwillig. Alle Altersgruppen, von 26 bis 62 Jahren, und sämtliche Berufszweige, von der Produktion über die Verwaltung bis hin zum Sales Area Manager waren vertreten. Kaum einer, der weniger als zehn Jahre bei der IKA beschäftigt war. "Bis zu 40 Jahre Betriebszugehörigkeit", sagt Held, "und alle kamen zu uns in der Hoffnung, schnell wieder etwas zu finden".
Drei bis vier Tage pro Woche, von 9 bis 17 Uhr, waren die Experten für die Arbeitssuchenden da, begleiteten jeden persönlich, sondierten den Markt, fütterten die Online-Stellenbörse und knüpften eifrig Kontakte zu Unternehmen. "In der ersten Zeit konzentrierte sich alles auf die Bewerbung", schildert Land-Königsmann. Häufig stellte sich jedoch zunächst einmal eine Frustphase ein. "Wer lange in einer Firma gearbeitet hat, der muss erst einmal lernen, sich zu trennen", beschreibt Held die Stimmung, die es aufzufangen gilt. Meist drücken dann noch Absagen auf die Motivation. Dabei ist es für Held und Land-Königsmann, deren Tätigkeit aus dem Sozialplan finanziert wird, ganz normal, dass es nicht gleich klappt. "Das ist eher die Ausnahme".
Sämtlichen Klischees entgegen steht dafür die Erfahrung, die sie mit einem der dienstältesten Beschäftigten des Staufener Laborausstatters gemacht haben. "Normalerweise fällt ein langjähriger Mitarbeiter in ein Riesenloch, außerdem kennt er den Arbeitsmarkt nicht", so die Erfahrung. Doch ihr Schützling kam nach intensivem Profiling und Bewerbertraining, so wie die meisten seiner Kollegen, schon bald in ein Praktikum. Er hatte Glück, der neue Arbeitgeber bot ihm eine Anstellung. Zwei Monate später stieg der Mann aber zunächst wieder aus. Dass die Gedis sich kulant zeigte und ihn wieder aufnahm, zahlte sich letztlich aus: "Kurze Zeit später fand er seinen Traumjob, mehr noch, auch seine Traumfirma." Zwar ist so ein besonderer Erfolg eher eine Ausnahme, dafür Balsam für jeden Coach sowie Antrieb für die anderen Arbeitssuchenden.
Für die wenigsten geht der Arbeitsplatzwechsel "Plus-Minus-Null" auf, wissen die Berater. Bis zu zehn Prozent Einkommenseinbußen drohen, das liegt Held zufolge jedoch auch daran, dass sich der Markt verändert hat. Glück hat noch dazu, wer, wie der junge IKA-Manager, seinen Standort erhalten kann. "Es lief gut in Staufen, wir hatten ein gutes Team, permanenten Kontakt mit dem Beirat und qualifizierte Arbeitssuchende", bilanziert die Beratercrew.
Für ihre künftigen Aufgaben würden sie sich jedoch weniger Leiharbeit im gewerblichen Bereich wünschen – und, so ergänzt Bärbel Lang-Königsmann mit Blick auf "die junge Mutter um die 30", dass Firmen familienfreundlichere Strukturen schaffen.
Autor: Susanne Müller


