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04. Februar 2012

Jeder Markgräfler ein Genosse

Erste Infoveranstaltung zur Bürger-Energiegenossenschaft Südbaden / Gründungsversammlung am 28. Februar im Bürgerhaus.

  1. Stadtwerke-Geschäftsführer Jochen Fischer (rechts) und Ingo Braun informieren über die künftige Bürger-Energie Genossenschaft. Foto: Umiger

MÜLLHEIM. "Gemeinsam stark" ist das Motto der Bürger-Energiegenossenschaft Südbaden (Begs), die Ende Februar gegründet wird. Der Weg zum Vollzug sei geebnet, betonte Jochen Fischer, Geschäftsführer der Stadtwerke Müllheim-Staufen, am Donnerstag bei der Informationsveranstaltung im Müllheimer Bürgerhaus. Gemeinsam stark bedeutet, dass lokale Projekte zur Energieerzeugung Hand in Hand mit den Bürgern der Region realisiert werden.

"Wir wollen die Bürger mitnehmen auf die Reise in die lokale Energiewende", betonte Fischer vor etwa 40 Zuhörern. Die Stadtwerke seien angetreten, um ausschließlich regenerative Energie zu verkaufen, was momentan vor allem mit Wasserkraft erfüllt werde. Ziel sei aber, diese Energie auch in der Region zu erzeugen. Am Neumagen in Staufen werde gerade ein Wasserkraftwerk mit einer Jahresleistung von 1,5 Millionen Kilowattstunden gebaut, das in die künftige Genossenschaft überführt werden könne. Realisierbar seien "in ein bis zwei Jahren" auch kleinere Wasserkraftwerke am heimischen Klemmbach – mit dem Kapital der Bürger, sagte Jochen Fischer.

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Die Erfahrung in Schönau und Titisee-Neustadt zeigten, dass es nicht am Geld scheitere: "Das Geld folgt der guten Idee", sagte der ehemalige Notar Ingo Braun. Es gehe nicht um Spekulationen, sondern darum, Geld sinnvoll anzulegen. Mit einer Anfangsrendite von ein bis zwei Prozent sei kein Geld zu verdienen, sagte auch Fischer. Die Genossenschaft sei nicht zur Gewinnoptimierung da. Mit der Windkraft seien Renditen von bis zu acht Prozent möglich, aber die Genossenschaft entscheide, ob das Geld ausgeschüttet oder in neue Projekte investiert werde. Die Stadtwerke beteiligen sich an der Begs mit 25 000 Euro und verkaufen der Genossenschaft ihre sechs Photovoltaikanlagen auf Dächern der Gemeinden Schliengen und Staufen. Der Investitionswert liege bei 660 000 Euro und bringe bei einer Jahresleistung von 214 000 Kilowattstunden Umsätze von rund 75 000 Euro , informierte Fischer die Zuhörer.

Aktuelles Thema seien Windkraftanlagen am Hochblauen und in Höhenlagen im Bereich Staufen, Münstertal und Sulzburg. Da gebe es mit sechs Metern Wind je Sekunde Premiumstandorte und dementsprechend einen enormen Wettbewerb. Ein Großbetreiber sei bereits im Münstertal gemeinsam mit Landwirten ins Geschäft eingestiegen. "Wir müssen darauf achten, dass uns Konzerne nicht die Flächen für Standorte vor der Nase wegschnappen", mahnte Jochen Fischer. Es sei Aufgabe der Kommunen, bis September 2012 Standorte für Windräder im Flächennutzungsplan zu verankern. Daran werde mit Hochdruck gearbeitet, weil nach dem Stichtag der freie Wettbewerb beginne. Wenn die Standorte feststehen, müsse sich die Begs darum bewerben und die Projektplanung in Angriff nehmen. Gerade die Windkraft erschließe sehr intelligente Möglichkeiten zur Energiespeicherung, betonte Jochen Fischer.

Neben Wasser- und Windkraftwerken seien auch kleine Biomasse-Anlagen möglich, die in die Raumschaft passten und nur Abfälle verarbeiteten wie Essensreste aus der Helios-Klinik, Zuckerreste von Kalfany, kommunaler Grünschnitt und Trester, erklärte Jochen Fischer. Aber: "Das geht nur im Schulterschluss mit den Landwirten." Wichtig sei auch die Energieeffizienz, denn die Energiewende beginne beim Energiesparen. Viele Straßenlampen und Schulen arbeiteten heute "hoch verschwenderisch".

Die Zusammenarbeit der Stadtwerke mit der Begs erläuterte Ingo Braun. Die Genossenschaft sei der Geldgeber, die Stadtwerke träfen die technische Projektauswahl und führten die Verwaltung der Begs "treuhänderisch und kostenneutral". Die (mindestens zwei) Geschäftsführer der Genossenschaft sollen Profis sein, die ehrenamtlich arbeiten. "Wir suchen daher Überzeugungstäter", sagte Braun.

Selbstzweck der Stadtwerke Müllheim-Staufen sei, Gewinne in die Kommunen einzubringen zur Stärkung der Infrastruktur, beispielsweise von Schulen, Kindergärten oder Schwimmbädern, so der Geschäftsführer. Die Bürger-Energie Genossenschaft sei keine Betreibergesellschaft, sondern engagierter Investor in hoch professionelle Projekte für die lokale Energieerzeugung. "Jeder Markgräfler sollte Genosse werden", sagte Fischer.

Bürger-Energie Südbaden: Die Gründungsversammlung findet statt am Dienstag, 28. Februar, 19 Uhr, im Müllheimer Bürgerhaus. Genosse werden kann man schon in der Gründungsversammlung mit Anteilen von 500 bis 25 000 Euro . Jedes Mitglied – Bürger, Firmen, Institutionen, Kommunen – hat in der Hauptversammlung eine Stimme, egal wie hoch der eigene Anteil ist; jeder haftet im Falle einer Insolvenz nur für seine Einlage. Die Mitgliedschaft ist jederzeit ohne finanziellen Verlust kündbar.

Autor: Sigrid Umiger