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15. März 2011
Schülertheater
"Junges Theater am Faust" begeistert mit "Momo"
"Merkt ihr denn nicht, dass sich etwas verändert hat?" – "Junges Theater am Faust" begeistert mit "Wie alle Zeit der Welt".
STAUFEN. "Es gibt ein großes und doch ganz alltägliches Geheimnis", schreibt Michael Ende in seinem Roman "Momo". "Alle Menschen haben daran teil, jeder kennt es, aber die wenigsten denken je darüber nach". Diesem Geheimnis war Momo auch in der Eigenproduktion "Wie alle Zeit der Welt" des Ensembles "Junges Theater am Faust" auf der Spur.
Nur ein gellender Schrei kann Momo retten. Er erfüllt den voll besetzten Theatersaal und vertreibt die Gestalten, die einen Halbkreis um ihren Stuhl bilden und immer näher kommen. "Tick, Tack", haben sie anfangs leise, dann immer lauter geflüstert. Mit dieser eindrücklichen Szene beginnt das Stück "Wie alle Zeit der Welt", das vergangene Woche im Faustgymnasium aufgeführt wurde und sich thematisch an Michael Endes Buch anlehnt.
Bis auf das zentrale Motiv haben die Szenen der Eigenproduktion allerdings wenig mit der ursprünglichen Vorlage gemein. Sie sind innerhalb von etwa neun Monaten aus der Feder der Schüler selbst und auch aus Improvisationen entstanden. Die Charaktere sind selbst entwickelt worden, lediglich einige Namen wie Momo, Kassiopeia oder die Grauen Herren erinnern an den Roman.
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Ein Stehbistro mit Coffee-to-go in Pappbechern? Als Momo (Zora Achtnich) ihr Lieblingscafé "Bertas Kaffeeklatsch" betritt, traut sie ihren Augen nicht. Die liebevolle Deko ist verschwunden, und Berta (Leif Gerhard), eigentlich die Klatschtante in Person, hat gerade "wirklich keine Zeit" für ein Gespräch. Zeit ist schließlich Geld. Und das hat der exzentrische Cowboy Carly (Eli Riccardi), der mit amerikanischem Akzent und tollem Gesang auf sich aufmerksam macht, nie ins Café gebracht. Für so einen kann in einem Stehbistro nun wirklich kein Platz sein. Auch Jazzy (Hanna Mengel) mit seinem Saxofon hat Berta ein für alle Mal hinausgeschmissen. Und was ist mit Friederike (Celine Ilbertz) los? Zwischen Bernd (Marion Llopis) und ihr scheint es ordentlich zu kriseln. "Nie nimmst du dir Zeit für mich!" Aber woher denn auch? Der Terminkalender des Geschäftsmanns ist schließlich vollgestopft mit Meetings. Auch die Eheberatung beim Liebesengel (Anika Gutmann) hilft da nicht weiter. Und selbst der Träumer Monkey (Lea Ritter) hat seine Träume schon lange verloren. "Hört auf!", ruft Momo da in die Runde. "Merkt ihr denn nicht, dass sich etwas verändert hat?" Das kann niemand abstreiten. Aber was ist schuld daran?
Den entscheidenden Hinweis erhält Momo von Kassiopeia (Sarah Rominger), der alten Sekretärin des Bürgermeisters. "Alle Macht des Menschen besteht aus einer Mischung aus Zeit und Geld." Ist es die Zeit, die den Menschen fehlt? Sind sie dem Zeitsparen verfallen? Doch wo ist die eingesparte Zeit geblieben?
Momo hat einen Verdacht, und kurze Zeit später sitzt der Verdächtige auf der Anklagebank. Der Bürgermeister (Leander von Detten) persönlich muss sich vor Gericht für seine Zeitdiebstähle verantworten. In seinem Bestreben, die Stadt zu einer perfekten Stadt zu machen, um im "Wettbewerb zur besten Stadt" bestehen zu können, hat er den Bürgern ihre Zeit gestohlen.
Ausgerechnet jetzt tauchen die Preisrichter des Wettbewerbs auf und unterbrechen die Gerichtsverhandlung. "Harmonie sieht anders aus", stellen sie treffend fest und verkünden die Niederlage der Stadt. Auch für den Bürgermeister sieht es nicht gut aus: Er muss seine Diebstähle gestehen, gibt die Schuld aber an die Grauen Herren weiter. Diese Zeitdiebe haben ihn verleitet! Und überhaupt, wenn Momo nicht gewesen wäre, hätte niemand etwas bemerkt. Sie ist der wahre Störenfried!
Und plötzlich stehen sie alle wieder im Halbkreis um sie herum. "Tick, Tack", flüstern sie, und Momo schreit – schreit so laut sie kann, und dann klagt sie den Bürgermeister an: Er dürfe nicht den Grauen Herren, und damit seinen gut gemeinten Motiven die Schuld geben. Graue Herren hätten sie schließlich alle. Und mit einem Mal werden sie sichtbar: Sie stehen hinter den Menschen wie Marionettenspieler. Gründe, Zeit zu sparen, hat jeder Mensch genug. Aber stehlen lassen darf man sich ein solch großes und doch ganz alltägliches Geheimnis nicht. Denn, wie Momo am Schluss bemerkt: Zeit ist Leben. Und Leben ist jetzt.
Das "Junge Theater am Faust" (Leitung: Philipp Meyer-Krentler) begeisterte mit großartiger schauspielerischer Leistung der 16 Akteure der Klassenstufen 5, 7 und 8 sowie toller Musik (musikalische Leitung: Linus Eppinger) und wurde dafür am Ende zu Recht frenetisch bejubelt. Großes Lob gebührt auch Yvonne Eggers und Alina Weigert für Regie, Text und Dramaturgie.
Autor: Jan Wittenbrink
