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28. Januar 2012

Keine Angst vor Schiffsunglücken

Kreuzfahrten werden in Reisebüros in Bad Krozingen und Staufen nach wie vor gebucht – und auch Nordafrika ist wieder im Kommen.

  1. Kreuzfahrten sind bei Urlaubern weiter sehr gefragt. Foto: dpa

BAD KROZINGEN/STAUFEN. Das schmuddlige Winterwetter lässt Viele umso intensiver an den nächsten Urlaub denken. Und welche Wünsche bekommen die Urlaubsexperten in der Region zu hören? Kreuzfahrten erfreuen sich immer noch großer Beliebtheit bei den Kunden von Reisebüros in Bad Krozingen und Staufen. Daran konnte auch das Unglück der "Costa Concordia" nichts ändern. Da hat es das Urlaubsziel Griechenland schon schwerer – die Wirtschaftskrise in dem Land macht Urlauber skeptisch.

"Lediglich eine Kundin hat ihre Reservierung zurückgezogen", berichtet Susanne Will vom Bad Krozinger Reisebüro Will. Ansonsten habe es keine weiteren Auswirkungen gegeben. Immerhin machen Urlaube auf Kreuzfahrtschiffen zwischen fünf und zehn Prozent der Buchungen im Reisebüro Will aus. Skeptischer zeigen sich die Urlauber, was das Land der Hellenen anbelangt. Hier habe die Nachfrage nachgelassen, berichtet Will. Einer der Hauptgründe sei die Angst, dass das gebuchte Hotel in Griechenland Pleite machen könnte. Was letztendlich unbegründet sei, denn dieses Risiko werde ja durch den Sicherungsschein abgedeckt, erklärt die Reisefachfrau.

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Spanien hingegen kann sich nicht beklagen, Kanaren und Balearen sind sowieso die Dauerbrenner bei den Buchungen. "Im Kommen ist die Costa de la Luz", berichtet Susanne Will – hauptsächlich deshalb, weil’s an der südlichen Atlantik-Küste Spaniens noch etwas "spanischer" zugehe als in anderen touristischen Destinationen. Wer einmal in Ägypten war, fliege auch ungeachtet der Vorgänge auf dem Tahrir-Platz weiter dorthin, heißt es beim Reisebüro Will. Das Urlaubsland Tunesien hingegen habe eher unter den politischen Gegebenheiten zu leiden. Allerdings gebe es hier auch wieder erste Buchungen. Lieber häufiger und dafür kürzer in Urlaub gehen – diese Tendenz beim Buchungsverhalten haben Susanne Will und ihre Mitarbeiter festgestellt. Und viele warten mit der Buchung nicht bis kurz vor dem Urlaub. "Es gibt immer mehr Frühbucher, speziell bei Familienurlauben."

Obwohl Costa die Möglichkeit bietet, bis Anfang Februar von einer Kreuzfahrt zurückzutreten, habe bislang noch keiner der Kunden des Reisebüros Reiseland Rast in Bad Krozingen davon gebraucht gemacht, berichten die beiden Mitarbeiter Mona Abou-Chelleih und Wolfgang Ohlsen. Auch besorgte Anfragen habe es keine gegeben. Kreuzfahrten machen rund 15 Prozent der Buchungen beim Reiseland Rast aus.

Anders sieht auch hier die Sache mit Griechenland aus. Ausgesprochene Griechenland-Fans ließen sich von der Eurokrise nicht beeinflussen und würden auch weiterhin dort ihre Ferien verbringen. Allerdings habe es inzwischen doch die eine oder andere negative Aussage wegen Unfreundlichkeit oder nachlassendem Service gegeben. Schwieriger sei es derzeit, Griechenland neuen Gästen schmackhaft zu machen. "Die sind durch die Streiks doch verunsichert."

Der Renner im Winterhalbjahr: die Kanaren

Tunesien hingegen sei wieder stark im Kommen, beobachten die beiden Tourismusexperten. "Was nicht zuletzt an einem tollen Preis-Leistungs-Verhältnis liegt", sind sie überzeugt. Auch Badeaufenthalte in Ägypten werden nach wie vor gebucht. Nachgelassen hingegen habe die Nachfrage nach Nil-Kreuzfahrten oder Aufenthalten in der Hauptstadt Kairo. Wer nach Marokko geht, will hauptsächlich etwas sehen. Hier erfreuen sich Rund- oder Studienreisen großer Beliebtheit. Reine Badeurlaube sind eher die Ausnahme. Der Renner im Winterhalbjahr sind bei Reiseland Rast die Kanaren – "weil man die ohne Bedenken buchen kann." Ungebrochener Beliebtheit erfreut sich auch die Türkei – sowohl im Sommer als auch im Winter.

Der Süden Spaniens – das ist auch das Wunschziel vieler Kunden des Reisebüros Staufen, wie Inhaberin Manuela Jankowski bestätigt. Einen Grund dafür sieht sie in dem günstigen Preis-Leistungs-Verhältnis, das Hotels an der Costa del Sol oder Costa de la Luz bieten. Und auch viele ihrer Kunden schätzen das Ursprüngliche, das diese beiden Destinationen noch bieten. Auch in Portugal verbringen seit etwa zwei Jahren wieder mehr Reisende die schönste Zeit des Jahres – obwohl Portugal nicht gerade zu den günstigsten Urlaubsländern gehört. Offensichtlich scheinen die Kunden des Staufener Reisebüros lange Flugzeiten nicht zu scheuen: "Die Nachfrage nach Fernreisen hat sich erhöht." Asien liege voll im Trend, so sei beispielsweise Sri Lanka stark im Kommen. Während jüngere Urlauber das Land eher individuell erkunden, ziehen ältere Semester dann doch Rundreisen vor, so die Beobachtung von Manuela Jankowski.

Bereits gebuchte Kreuzfahrten wurden bei ihr ebenfalls nicht storniert. Lediglich einige wenige Kunden hätten sich erkundigt, wie es mit den Sicherheitsvorkehrungen auf den Schiffen aussehe.

Bereits gebuchte Kreuzfahrten wurden auch beim Reisebüro Holidayland in Bad Krozingen nicht storniert, berichtet Eckard Schmutz. Einige Kunden hätten sich lediglich über Reedereien oder Sicherheitsmaßnahmen an Bord informiert. Rund 20 Prozent der Buchungen entfallen in diesem Reisebüro auf diesen Sektor. Allerdings sei hier der Preisverfall spürbar. Galten Reisen zur See vor Jahren noch als absoluter Luxus, der auch entsprechend kostete, werden sie zwischenzeitlich immer günstiger angeboten.

Tunesien sieht Eckard Schmutz als Reiseland wieder im Kommen. Derzeit halten sich dort auch einige seiner Kunden als Langzeiturlauber auf. "Und die scheinen zufrieden zu sein, sonst hätten wir von ihnen gehört." Einfach nur an den Strand zu liegen und sich bräunen zu lassen, ist offensichtlich ab einem bestimmten Alter nicht mehr Jedermanns Sache, so die Beobachtung von Eckard Schmutz. Ab 50 Jahren aufwärts seien es mehr Rundreisen mit entsprechendem Service, die nachgefragt werden. Deshalb habe sich auch die Gruppenreise, die im November nach Namibia führt und vom Reisebüro veranstaltet und begleitet wird, als großer Renner erwiesen.

Autor: Ute Wehrle