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20. November 2010
Knackige Story um nackigen König
Theater AG des Faust-Gymnasiums begeistert mit farbenfrohem Spiel und vielen originellen Charakteren.
STAUFEN. Prinzessin Henriette ist eine hinreißende Braut. Und der König? Ja, der ist ein absoluter Tollpatsch und noch dazu splitterfasernackt. Iiiiiiiiiii! Doch da kann ihn die gute, edle, hochwohlgeborene Prinzessin (Marie Sophie Giesen) noch so kratzbürstig zum Teufel wünschen, diesen widerwärtigen dummen Esel – all das ficht den selbstverliebten Despoten (Tabea Wiese) nicht an. Keineswegs, er ist Feuer und Flamme, von Kopf bis Fuß verliebt in das schöne Biest, das ihm die Pest an den Hals wünscht. Und alles nur, damit der tyrannische Herrscher sie mit ihrem kratzbürstigen Liebreiz in die Wüste schickt, wo sie ihren süßen Schweinehirten (Felix Sprenger) heiraten kann. Doch der Plan geht schief.
Wie, das konnten die Besucher am Donnerstagabend im Faustgymnasium erleben. 33 Akteure der Theater AG stürmten die Bühne und die Herzen des Publikums beim Schauspiel vom "nackten König" – das die Gymnasiasten unter der Regie von Andrea Wiese und Andrea Prager nach dem 1934 uraufgeführten und dann postwendend verbotenen Stück des russischen Schriftstellers und Theaterdramaturgen Jewgeni Schwarz (1896-1958) inszenierten.
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Der Stoff, in dem der Autor Elemente aus drei Märchen des dänischen Dichters Hans Christian Andersens verpuppt, bietet eine Vielzahl an Charakteren, und die fanden bei der famosen Theatergruppe jede Menge talentierte und textsichere Darsteller: kreischende Hofdamen und schelmische Soldatinnen, französische Gouvernanten und militante Generäle, spitzbärtige Kammerherren und weltentrückte Hofgelehrte, Spitzenköche, fleißige Schneiderlein, Weber und beharrliche Stiefelputzer. Natürlich darf der Vater der Braut nicht fehlen, Georg XV., der Bärtige, eine Paraderolle mit zackigem Befehlston für Jana Hörschelmann. Auch Friederike Dörfflers blutrünstig-zombiger Kammerherr ist eine Wucht, wofür zurecht mehrfach Szenenapplaus aufbrandet in den Publikumsreihen. Den hat sich auch Charlotte Weinreich als "Ministerin für zarte Gefühle" verdient; und Benjamin Lewis als Bürgermeister, und Robert Rauschkolb als Erster Minister oder die Erste Hofdame Felicitas Wühler, oder Alina Weinert in der umjubelten Rolle des Hofnarren, außerdem, um nur einen noch exemplarisch zu nennen: Jacob Herring, als frecher Bauernbursche.
Immer wenn das Glockenspiel oder die konzertante Umrahmung der von Elisabeth Theisohn geführten Musiker der Klasse 7c verhallt, und der rote Vorhang sich öffnet, entfalten sich bis ins kleinste Detail durchkomponierte Kulissen und ein farbensprühender Kostümreigen aus Funduz-Bestand. Erster Schauplatz ist die Wiese vor dem Schloss, auf der Schweinehirte Felix die Prinzessin zu einem Kuss verführt und ihr ewige Liebe schwört. Versteht sich, dass der König nicht gerade erfreut ist über die amouröse Entgleisung und sein Töchterchen fix dem Nachbarkönig verspricht. An dessen Hofe wird eifrig intrigiert und genauso viel gekuscht vor dem gnadenlosen Despoten. Selbst den Trick mit dem unsichtbaren Stoff machen die um ihr Leben schleimenden Hofschranzen mit. Und so kommt es, dass der Möchtegernbräutigam vor versammeltem Hofstaat splitterfasernackt erscheint, na ja, bis auf das züchtige Efeublatt.
Wie das aussieht, und ob er es sich mit dieser Uniform weiter auf seinem goldenen Thron bequem machen kann, das wird hier nicht verraten – das können Theaterfreunde in einer weiteren Vorstellung am heutigen Samstagabend in der Aula des Faustgymnasiums in Staufen um 19.30 Uhr erfahren.
Autor: Susanne Müller


