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16. Februar 2011
Kresse, Müll und Spiele
Nachwuchs-Forscher am Faust-Gymnasium stellen im Rahmen von "Jugend forscht" Projekte vor.
STAUFEN. Als Bakterie möchte man eigentlich nur mit "Alleskönner" behandelt werden – wo dieses Putzmittel auf den Lappen kommt, fühlen sich Bakterien hinterher auf allen Oberflächen noch genauso wohl. Hingegen macht ein Spülmittel vom Discounter den kleinen Dingern rasch den Garaus. Nicht zur Vorbereitung auf ein späteres Hausfrauen-Dasein , sondern im Rahmen des Projekts "Schüler experimentieren" haben sich drei Schülerinnen des Staufener Faust-Gymnasiums mit den allgegenwärtigen Bazillen beschäftigt.
Die Putzkolonne der Schule wird es nicht gern hören, aber es ist fast unvermeidlich: Auch intensives Putzen vertreibt die mikroskopisch kleinen Krankheitserreger nicht, zum Beispiel vom Handlauf der Treppengeländer. Bis sich Britta Burgert, Silvia Ritzenthaler und Maria Steiert darüber hermachten. "Putzmittel gegen Bakterien" lautete der Name ihrer Projektarbeit, die sie vor kurzem in der Schule vorstellten. Welche Putzmittel helfen eigentlich gegen Bakterien? Das war die Ausgangsfrage, wobei die drei Forscherinnen im Experiment auch ein Wund-Desinfektionsmittel, Glasreiniger und eine Waschpaste einsetzten.Werbung
Dabei mussten sie viele Male die gleichen Arbeitsschritte wiederholen: Sie legten ihre Hände aufs Treppengeländer, machten Abdrücke in einer Petrischale mit Nährlösung, reinigten dann Handlauf und Hand mit acht verschiedenen Mitteln, drückten wieder die Hand drauf und setzten wieder Abdrücke in die Schalen. Dann warteten sie ab. "Beim Alleskönner blühte es am meisten auf", erklärte Maria Steiert, "sehr zufrieden dagegen waren wir mit dem Wund-Desinfektionsmittel." Aber das wird im Alltag kaum zur Anwendung kommen. Das Mittel Sterilium bringt mit die besten Erfolge, kaum hilfreich sind dagegen Sagrotan-Tücher, Waschpaste und Glasreiniger.
Nun werden die Drogerien nicht gleich die Versager aus den Regalen räumen – das ist auch nicht Absicht der Aktion. "Was wir hier machen, ist Motivationsförderung", sagt Urs Lautebach. Zusammen mit seiner Kollegin, der Biologielehrerin Jo Scheibert, und Schülern der Klassen 5 bis 11, hatte der Mathe- und Informatiklehrer eine Handvoll Experimente in der Aula des Faust-Gymnasiums aufgebaut. "Schüler experimentieren oder Jugend forscht – da denken viele Eltern, das ist nur was Elitäres für Kinder mit IQ 180", sagt Lautebach. "Wir zeigen hier, dass Naturwissenschaften etwas Greifbares sind – und schon die Jüngsten können mitmachen. Gefragt sind beharrliches Nachfragen, Kontinuität in der Arbeit und ein Tick Verbissenheit, zum Erfolg zu kommen." Alles Eigenschaften, die man auch in anderen Fächern gut einsetzen kann.
Zu den jungen hoch motivierten Forschern zählt Marc Ritzenthaler aus der Klasse 5b. Er hat über Wochen Kresse beim Wachsen zugeschaut und so erfahren, dass dunkle, kühle Räume das beste Wachstum hervorbringen. In der roten Wanne am Stand nebenan wächst nichts mehr – im Gegenteil: Hier verfaulen Sachen. "Wie schnell verrottet Biomüll?", war die Frage, die Celine Riesterer über sechs Wochen untersucht hat. Dabei hat sie den Verfallsprozess von Papier, Äpfeln, Tomaten, Zitronen und Bananen akribisch protokolliert. Vogelfutter gehörte auch noch zu den untersuchten Gegenständen – nur das wurde von Mäusen vor dem Verrotten gerettet.
Bei Lorenzo Toso liegen außer einem Computer nur bunte Würfel mit Zahlen auf dem Tisch. Der Schüler der 11. Klasse hat sich ein Modell ausgedacht, um große Zahlenmengen schnell zu ordnen. "Da hat er eine ganz eigene Lösung gefunden", sagt Mathelehrer Lautebach. "Und darauf kommt es uns an: nicht nur Wissen aufsaugen, sondern kreativ sein." Zu allen Projekten gehört, dass die Schüler eine 15-seitige Projektarbeit schreiben und das Experiment bei den Regionalwettbewerben "Schüler experimentieren"/"Jugend forscht" einer Jury vorstellen.
Die Fachleute werden dann auch sicher das Projekt von Janik Katzenmayer verstehen, vor dem der Laie kopfschüttelnd steht: Das zwölfjährige Mathe-Wunderkind aus der Klasse 7e hat "Schere-Stein-Papier" auf bis zu 30 Möglichkeiten ausgedehnt und die Gewinnchancen durchgerechnet. So wie Janik es präsentiert, sieht es nicht nach einem Kinderspiel aus, sondern eher nach einem Zeitvertreib für Nobelpreisträger.
Autor: Rainer Ruther
