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19. Januar 2012

Linien als Zeichen von Raum und Zeit

Die Freiburger Künstlerin Isabel Zuber zeigt ihre Ausstellung "Nada" in der Galerie Fluchtstab in Staufen.

  1. Die Künstlerin Isabel Zuber zeichnet beeinflusst von der Lehre des Zen Linienbilder. Foto: Dorothee Möller-Barbian

STAUFEN. Eine Ausstellung, die den Titel "Nada" (spanisch: Nichts) trägt, weckt Neugierde. Natürlich gibt es in der Galerie Fluchtstab etwas zu sehen und wie stets ist es ganz speziell: Linienzeichnungen von Isabel Zuber, deren Kunst Elmar Bernauer seit Bestehen der kleinen Galerie immer wieder einmal präsentiert.

Das Wissen, dass die Freiburger Künstlerin zugleich Zen-Lehrerin ist, erleichtert den Zugang zum Sinn der Titelgebung, ist doch die Leere – das Nichts, aus dem Schöpfungsakte hervorgehen – ein mit der Zen-Meditation eng verbundener Begriff. Zum anderen, so ließ Nikolaus Cybinski bei der Vernissage wissen, war es der spanische Mystiker Johannes vom Kreuz, für den der Weg zu Gott und zum eigenen Selbst im Nichts, in der "Dunklen Nacht der Seele" begann, der Isabel Zuber inspirierte.

Nicht ihre Kunstfertigkeit, vielmehr die geistige Qualität ihrer Arbeit stellt sie allem anderen voran und sieht es so: Kostbares entstehe im Einswerden von Geistigem und Körperlichen. Die ausnahmslos horizontal angelegten Linien bringt sie mit Graphit oder schwarzem Filzstift auf eine Folie als Zeichengrund – abwechselnd mit der rechten und der linken Hand. Gemäß der Lehre des Zen begibt sie sich dabei ganz ins Hier und Jetzt, macht sich von Gedanken leer, vollzieht jede Bewegung intuitiv und bleibt auf den Augenblick konzentriert. Nichts weist über den Augenblick hinaus, Künstlerin und Schaffensprozess werden eins.

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Linien als Zeichen von Raum und Zeit. Zeit, die beim Ausführen der Linienstrukturen, welche die ganze Bildfläche einnehmen, verrinnt. Bei Isabel Zuber mag dieser Prozess auch das niemals gleichförmige, sondern Veränderungen unterworfene Fließen des Lebensstroms symbolisieren. Zuweilen verliert der Strich an Kraft, um dann seinen Weg mit Nachdruck fortzusetzen. Oder er verläuft im rhythmischen Auf und Ab, zeigt markante Abweichungen von einer scheinbar vorgezeichneten Richtung, verdichtete Liniengefüge werden zu Schattenzonen.

Bildern mit durchgängigen Spuren eines energisch aufgesetzten Filzstiftes stehen Bleistiftzeichnungen gegenüber, deren zarte Linien sich fast zu verflüchtigen scheinen, so als sprächen sie von der Stille des Zen. In manchen Arbeiten verdankt die Linienführung ihre Lebendigkeit dem Untergrund einer unebenen Wand, an der die Folie während des Arbeitsprozesses befestigt war. Die 1962 in Karlsruhe geborene Künstlerin mit unbefristeter Professur an der Hochschule Pforzheim thematisiert in kleinformatigen Exponaten auch die Vergänglichkeit des Materials, indem sie die Fläche des auf Papier gelegten Blattgoldes durch Ritzungen mit dem Bleistift wieder zerstört.

Ihre Zeichnungen sieht sie in der Nähe der Minimal-Art, einer in den 1960er Jahren in den USA entstandenen Kunstrichtung angesiedelt, die sich auf Grundstrukturen beschränkt und auf Deutungselemente verzichtet.

"Da erstreckt sich ein weites, braches Feld, das uns fürs Erste orientierungslos macht", bemerkte Cybinski zu Isabel Zubers Bildern. Sie erzählen nichts, das Innere des Betrachters muss tätig werden, um das hinter den Lineaturen Verborgene intuitiv erfassen zu können.

Info: Die Ausstellung in der Galerie Fluchtstab dauert bis zum 4. März (Freitag und Sonntag 15-18 Uhr, Samstag 10-13 Uhr).

Autor: Dorothee Möller-Barbian