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27. Februar 2014

Lupenreine Intonation

Kammerchor Staufen bietet Werke von der Renaissance bis zur Neuzeit.

  1. Kerstin Bögner Kantaten Foto: Bianca Flier

STAUFEN. Mit einem glanzvoll dargebrachten A-capella-Konzert begeisterte der Kammerchor Staufen unter der Leitung von Kerstin Bögner das Publikum in der Pfarrkirche St. Martin. Das Programm umfasste geistliche Werke von der Renaissance bis zur Neuzeit. Passend zur verklärten Schönheit der geistlichen Chorsätze trug Kerstin Bögner Kompositionen des Barockkomponisten Jacob van Eyck auf der Sopran- und der Altblockflöte vor.

Einen stimmungsvolleren Rahmen für die sorgfältig ausgeloteten Darbietungen als der sakrale Raum der Kirche hätte das Ensemble nicht finden können, vor allem, da die Akustik die luziden Vorträge bis in den letzten Winkel trug. Nach dem chorischen Auftakt mit Mendelssohn-Bartholdys Vertonung des fünften Psalms ertönten aus dem "Off" des Chorraums die elegischen Klangbilder der "Pavane Lachrymae" von Jacob van Eyck. Kerstin Bögner beherrscht die Blockflöte virtuos. Kantilenen, Vokalisen, atemtechnisches Raffinement – da war alles einfach perfekt.

Wunderschöne Chorsätze, lupenreine Intonation, perfekt inszenierte Polyphonie, subtiles Einfühlungsvermögen in die unterschiedlichen Epochen – mit dieser Erfolgsrezeptur bestachen Dirigentin und Ensemble. Neben Psalmvertonungen für Chor von Mendelssohn-Bartholdy und Heinrich Schütz beeindruckten insbesondere auch die Liedvariationen: Drei Ave-Maria-Kompositionen bestachen durch die Betonung verschiedener Elemente, die in ihrer Gesamtheit zu einer bestechenden Harmonie führten: Die Anmut der Sequenzen bei Heitor Villa-Lobos, die betont neuzeitlichen Elemente von Harald Genzmer und die Anlehnung an die Orthodoxie russischer Liturgie-Musik bei Sergej Rachmaninow bildeten reizvolle Kontraste und gleichzeitig ein faszinierendes Gesamtbild des gesungenen Rosenkranzgebetes.

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Das Gottesdienstlied "Ein feste Burg ist unser Gott" mit dem Text von Martin Luther wurde in Satzformationen von drei Renaissancekomponisten geboten: Michael Prätorius, Johann Walter und Lukas Osiander haben diesen "Hit" unter den Gesangbuchliedern in ganz ähnlicher Weise vertont, doch blieb es dem Ohr des Hörers vorbehalten, den sorgsam ausgeleuchteten Differenzierungen im Detail nachzulauschen. Ein Highlight war der Vortrag von William Byrds Kyrie aus "Mass for five Voices", der durch die präzise Auslotung der polyphonen Verflechtungen bestach – die kleine Chorformation beeindruckte hier ebenso wie mit der Wiedergabe von Ernst F. Richters romantischer Vertonung des 22. Psalms. Nicht weniger gelungen: Brahms’ "Adoramus" – feinsinnig präsentiert vom Frauenensemble des Kammerchors. Die Blockflötenintermezzi mit den Psalmvertonungen von van Eyck schufen immer wieder meditative Momente zwischen den atemberaubenden Chordarbietungen.

Dass Kerstin Bögner dem Chor eine Vielzahl von Interpretationsfacetten zu entlocken vermag und dass ihre Vortragskonzepte stimmig sind, bewies sie in diesem Konzert auf vielfältige Weise. Last but not least auch mit den tänzerischen und fröhlichen Nuancen in der Darbietung von Monteverdis "Cantate Domino". Dirigentin und Chor bilden eine mitreißende Einheit. Der Applaus war begeistert und hielt lange an.

Autor: Bianca Flier