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18. Juni 2010
Mal sind es 100 Essen, mal nur 30
Das schwierige Geschäft der Schulverpflegung: Für das Faust-Gymnasium muss ein neuer Betreiber für die Mensa gefunden werden.
STAUFEN. Schüler halten sich heute immer mehr den ganzen Tag in der Schule auf. Also müssen sie auch dort essen. Aber die Schulverpflegung ist ein schwieriges Geschäft. Der Landkreis Breisgau-Hochschwarzwald muss jetzt fürs Faust-Gymnasium erneut einen Mensa-Betreiber finden, es ist der dritte in fünf Jahren.
Im Faust-Gymnasium haben die Abiturienten ihren Abi-Streich gespielt und den Unterricht blockiert. Jetzt sind viele der Schüler schon nicht mehr da. Helga Schmidt und Silvia Edel, die beiden Mitarbeiterinnen in der Mensa, haben davon nichts gewusst. Nun ist die Nachfrage nach Backwaren und Snacks entsprechend gering. Und wie viele Mittagessen verlangt werden, können die beiden auch nicht abschätzen.Heute gibt es Kartoffelauflauf, einen Salatteller und eine Grillwurst. Die zwei Frauen wissen, dass die Grillwurst der Renner sein wird. Sie kennen sich aus mit jugendlichem Essverhalten. "Jugendliche entscheiden sich spontan, wo und was sie essen", sagt Helga Schmidt. "Bei schönem Wetter gehen viele an die Imbissbude, ist es dagegen kalt und nass, kommen sie eher zu uns." Und Imbissbuden gibt es inzwischen zwei in Staufen. Erst vor wenigen Wochen hat ein Pizzastand keine hundert Meter vom Schulzentrum eröffnet.
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Das ist auch schon ein Teil des Problems und mit ein Grund, warum Roland Teufel aus Bad Krozingen, der die Mensa im Faust-Gymnasium seit 2005 gepachtet hat, spätestens zum Jahresende, lieber aber schon zum Schuljahresende aufhört. Manchmal seien es 100 Essen, die über die Theke gingen und am nächsten Tag nur 30. So könne er nicht kalkulieren. Falle Nachmittagsunterricht aus, werde er von der Schulleitung nicht informiert. Sie haben es eine Weile einmal mit Vorbestellungen versucht, aber nicht einmal die Lehrer hätten sich dran gehalten.
Roland Teufel wird im Kreisgymnasium Bad Krozingen, hier macht er weiter, künftig eine Abrechnungssoftware benutzen, über die das Essen online vorbestellt und bargeldlos bezahlt wird. Auch kurzfristige Stornierungen sind darüber möglich. Teufel macht am Bad Krozinger Kreisgymnasium weiter, weil sein Stammbetrieb, das Café Mohrenköpfle, am Ort ist und auch die Schülerzahlen nicht so hoch sind wie in Staufen. Teufels Mitarbeiterinnen müssen in der Staufener Schulkantine nicht nur kochen, sondern auch Backwaren verkaufen – und das auf kleinstem Raum. Es gibt zu wenig Arbeitsflächen zum Schneiden von Gemüse. Und zum Kochen stehen auch nur ein vierflammiger Gasherd und ein Dampfbackofen zur Verfügung.
Schulessen – sättigen soll es, den jugendlichen Geschmäckern angepasst sein, nicht zu teuer, gesund und möglichst auch aus der Region stammen. Die Anforderungen daran könnten kaum größer sein. Betriebswirtschaftlich ist das ein enges Konzept, in das Schulmensenbetreiber da eingezwängt sind, auch weil sich Eltern einmischen und der Landkreis eine Pacht verlangt.
Wie geht es in Staufen weiter? Der Landkreis hat den Betrieb neu ausgeschrieben und es gibt dem Schulreferatsleiter Wolfgang Lederle zufolge auch schon einige Bewerber. Roland Teufel denkt, dass sein Nachfolger bald die selben Probleme hat, die ihn zum Aufgeben bewogen haben. Teufel kann sich, um diese abzustellen, eine Kooperation zwischen Faust-Gymnasium und Thaddäus-Rinderle-Schule vorstellen – dass in der großzügigen Küche der Grundschule (siehe gesonderten Artikel) gekocht wird und im Gymnasium nur noch Backwaren verkauft werden. Helfen würde auch schon eine andere Mittagspausenregelung, um die große Rush-Hour um 13 Uhr abzustellen, glaubt der Pächter.
Autor: Hans Christof Wagner
