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26. Februar 2009
Musik wird zur universalen Sprache
Szenisches Konzert mit der Musikklasse des Faust-Gymnasiums und dem Ensemble für Alte Musik "L’Art du Bois".
STAUFEN. "Stöpsel raus! Hör einfach hin!" Wer möchte das nicht auch manchmal den Jugendlichen oder den eigenen Sprösslingen zurufen, die die meiste Zeit mit ihren MP3-Playern verstöpselt und von ihren Mitmenschen und ihrer Umwelt abgenabelt durchs Leben gehen?
Das szenische Konzert "Articulator oder Die Sprache der Musik", das als theatermusikalische Koproduktion des Ensembles für Alte Musik "L’Art du Bois" mit der Musikklasse des Faust-Gymnasiums entstanden ist, stand genau unter diesem Motto: "Stöpsel raus! Hör einfach hin." 33 Schüler und sieben Musiker riefen an zwei Konzertterminen ihrem Publikum und ihren Mitschülern diese Aufforderung entgegen und veranschaulichten eindrücklich, nur mit Instrumenten, Bewegungen und Stimmen, dass es sich lohnt hin-, zu- und aufeinander zu hören.
Für das Publikum hat sich das Zuhören dabei auf jeden Fall gelohnt. Denn das Konzert, das die Klasse 5 c unter der Leitung ihrer Lehrerin Elisabeth Theisohn zusammen mit den Musikern vom Ensemble "L’Art du Bois" in nur zehn Schulstunden und zwei Projekttagen auf die Beine stellte, entrollt nicht nur eine spannende, witzige und abwechslungsreiche Geschichte mit den Zügen eines modernen Märchens, sondern entfacht gleichzeitig ein mitreißendes und begeisterndes Spektakel aus Musik, Tanz und Pantomime.
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Die farbige Rhetorik der Alten Musik, von den Musikern des Ensembles mit atemberaubender Virtuosität und spielerischer Leichtigkeit in Szene gesetzt, kontrastierte dabei reizvoll mit den zeitgenössischen Kompositionen, die Agnes Dorwarth für das Ensemble geschrieben hat.
Die Professorin an der Musikhochschule Freiburg ist es auch, die in der theatermusikalischen Koproduktion die Rolle des Articulators spielt. Von einem fernen Planeten kommt er auf die Erde, um die Erdlinge, gespielt von den Schülern der Musikklasse, von der bis jetzt unheilbaren "Verstopfung des Gehörgangs" zu heilen. Mit Hilfe einer Art Fernbedienung gelingt es ihm, die verstöpselten Erdlinge zu steuern, sie zu Bewegungen und musikalischen Äußerungen zu animieren.
Als der Articulator nach dem Verlust der Fernbedienung wie tot am Boden liegt, zeigt sich, dass der Außerirdische tatsächlich eine Veränderung bei den Erdlingen bewirkt hat. Wieder der Empathie fähig, legen sie ihre Stöpsel ab, greifen registerweise zu ihren Instrumenten und versuchen ihn zum Leben zu erwecken. Doch erst als sie alle gemeinsam musizieren, gelingt es ihnen.
Und damit verschafft sich eine zweite Botschaft Gehör: Musik wird zur universalen Sprache, die die ganze Palette menschlicher Gefühle auszudrücken vermag, von allen verstanden wird, Menschen miteinander verbindet und zusammenbringen kann.
Ihren Schülern diese Erkenntnis nahe zu bringen, war Elisabeth Theisohn bei dem Gemeinschaftsprojekt wichtiger, als richtige Töne und eine perfekte Aufführung. Deshalb hat sie die Handlung des bestehenden Familienkonzerts des Ensembles "L’Art du Bois" so verändert und erweitert, dass die Schüler das Stück nicht nur als Zuschauer im Parkett erleben, sondern zusammen mit den Profis als Akteure auf der Bühne stehen. Zu der ursprünglichen Zielsetzung, junge Ohren für die Alte Musik zu öffnen, kam so die Begegnung und das Miteinander von Profis mit Schülern hinzu.
Wenn auch nicht alle Schüler der Musikklasse Gefallen an der Alten Musik fanden und sie mit Kommentaren wie, "das muss ich nicht jeden Tag hören" oder "das ist nun wirklich nicht meine Musik" abtaten, haben den meisten Schülern die gemeinsamen Proben und die Zusammenarbeit mit den professionellen Musikern doch Spaß gemacht oder sie, wie der zehnjährige Simon, gar als Ansporn für das eigene Üben empfunden.
Während die Kinder, wie das eben so ist, wahrscheinlich erst in vielen Jahren richtig ermessen können, wie sehr sie von solchen Projekten profitieren, wusste das Publikum zweifelsohne sofort um seinen Profit und bekundete mit euphorischem Applaus seine Begeisterung. Und auch Schulleiter Hans-Joachim Kraus lobte die "tolle Kooperation": Da war alles drin, was Musik und Theater ausmacht!"
Autor: Martina Faller
