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18. Juni 2009 14:12 Uhr
Ausgleichszahlung
Risse: Staufen fordert finanzielle Hilfe von der Bunrdesregierung
Die Schäden gehen mittlerweile in die Millionen – jetzt fordert Staufen wegen der Risse an zahlreichen Gebäuden finanzielle Hilfe von der Bundesregierung. "Für unsere Stadt ist das eine Katastrophe", sagt Bürgermeister Michael Benitz.
STAUFEN. Die Hebungen in der Staufener Altstadt halten weiter an. Bei einer Pressekonferenz war von 187 Häusern die Rede, die inzwischen geschädigt sind. Derweil hat die Erkundungsbohrung hinter dem Rathaus eine Tief von rund 80 Metern erreicht. Sie soll dem Geologischen Landesamt Hinweise auf die Ursache der Katastrophe geben. Schicht für Schicht wird das Bodenmaterial bis in eine Zieltiefe von 140 Metern analysiert. Wenn auch noch nicht zweifelsfrei bewiesen, so verdichten sich die Hinweise nun immer mehr, dass die Erdsondebohrungen hinter dem Rathaus für die Quellvorgänge im Untergrund verantwortlich sind. Die sieben Sonden sind offenbar ausgerechnet in ein Gelände gelegt worden, in dem noch quellfähiges Material, sogenanntes Anhydrit, vorhanden ist. Bei Zutritt von Grundwasser verwandelt sich diese Erdschicht in Gips. Bürgermeister Michael Benitz bereitet das Quellpotential große Sorgen. Es wird von den Geologen als so groß eingeschätzt, dass diese Schichten noch um mehrere Meter aufquellen könnten.
Inzwischen wurde nachgewiesen, dass die Sondenbohrungen nicht vertikal in die Tiefe reichen. Der Neigungswinkel zwischen Sondenkopf und -fuß beträgt bis zu 30 Grad. Die üblichen Toleranzen lägen bei zwei Grad. Für weitere Neigungsmessungen bis zum Ende aller Bohrungen müssten nun erst noch spezielle Meßgeräte entwickelt werden. Die Neigungsmessungen seien wichtig, um bei der zu erwartenden Sanierung des Sondenfeldes auf verlässliche Daten zurückgeifen zu können.
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Derweil hat Bürgermeister Benitz auch die Bundespolitik um Hilfe nachgesucht. Staatssekretärin Marion Caspers-Merk hat eine An frage an Bundesumweltminister Sigmar Gabriel gerichtet. Reaktionen liegen laut Benitz noch nicht vor, er habe jedoch Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble und den Vorsitzenden der Bundestagsfraktion, Volker Kauder, nach Staufen eingeladen, um über Hilfen des Bundes zu sprechen. Schon weiter zurück reichen auf der fachlichen Ebene die Kontakte zur Landesregierung.
Risse in Staufen – eine interaktive Karte
Weiter offen sind die Haftungsfragen im Zusammenhang mit den Hebungen. Die Schäden an den Häusern werden auf einen Betrag "im zweistelligen Millionenbereich" taxiert. Ein Statikbüro aus Karlsruhe ist mit der ständigen Überwachung der 42 am stärksten geschädigten Gebäude betraut. In ein Wohnhaus und in einer Bäckerei sollen in den nächsten Wochen Stützen eingezogen werden. Mit Ankern bereits gesichert sind die Wendeltreppe im Treppenturm und der Rundbogen im historischen Rathausgebäude. Schon vor Monaten sind acht andere Häuser und Scheunen statisch ertüchtigt worden. Bürgermeister Benitz wollte gestern nicht ausschließen, dass vor Beginn des Winters das hintere Rathaus mit dem Stadtbauamt vollständig geräumt werden muss. Ein Ersatzgebäude stünde bereits in Aussicht. Das Grundbuchamt ist vor wenigen Wochen nach Bad Krozingen verlegt worden.
- Fotostrecke: Risse in Staufen I
- Fotostrecke: Risse in Staufen II
- Fotostrecke: Risse in Staufen III
- Interaktive Karte: Staufener Gebäude mit Rissen
Autor: Markus Donner
