Vom Spital zur Tagespflege

Rainer Ruther

Von Rainer Ruther

Sa, 26. März 2016

Staufen

Umbau des 482 Jahre alten Gebäudes in Staufen hat begonnen.

STAUFEN. Da steht es, schwarz auf weiß: "Gemeinsam mit der Stadt Staufen als Eigentümer und Bauherr soll im Sommer 2017 im Alten Spital in Staufen eine Tagespflege entstehen." Optimismus spricht aus dem Satz auf der Internetseite der Sozialstation Südlicher Breisgau, die diesen Service anbieten wird. Beim Blick auf die Baustelle wird allerdings klar: Der Umbau ist eine Herausforderung. Wenn er geschafft ist, wird das Angebot der Sozialstation eine Rückkehr zu den Wurzeln des Hauses im 16. Jahrhundert bedeuten.

Ein Spital für ehrbare Leute
Das Datum ist erhalten, sogar der Wochentag ist bekannt: Am Freitag, 30. Oktober 1534, wurde mit Unterschrift und Siegel des Freiherrn Hans Ludwig von Staufen der Spitalfond ins Leben gerufen. Der größte Beitrag zur Gründung des Spitals kam damals aus den Nachlässen zweier Staufener Bürger, Martin Schwab und Pantlin Kaltenbach. Die Bruderschaft der Bäcker, Müller und Schuhmacher gab ein Darlehn von 100 Gulden, damit ihre alten "Knechte" ein Wohnrecht bekamen. Ins Spital sollten "Männer und Frauen, Knechte und Mägde aufgenommen werden, die wegen Krankheiten nicht betteln können und von ehrbarer Herkunft sind", heißt es in der Stiftungsurkunde.

Vor der Aufnahme kam die Beichte
Bedingung für die Aufnahme war, dass sie alles Hab und Gut dem Spital überließen und in einer Beichte genau aufführten, was sie hatten: "Wer nicht beichten möchte, soll man selbst dann nicht annehmen, wenn er hilflos am Weg liegt." Wanderer, Bettler und Pilger bekamen im Spital zu essen und ein Bett für die Nacht. Ehepaare ohne Kinder konnten sich als "Pfründner" in das Spital einkaufen, um im Alter versorgt zu sein – für sie gab es sogar Extra-Räume im Haus. Bereits 1546 waren das Spital und seine guten Werke in der weiteren Umgebung bekannt. Die Dörfer Ballrechten, Wettelbrunn und Grunern kauften sich mit 50 Gulden das Einweisungsrecht für Kranke aus ihren Gemeinden.

Erst abgerissen, dann abgebrannt
Aber kaum 50 Jahre alt, war das Gebäude 1587 schon marode und wurde durch einen Neubau ersetzt. Gut ein Jahrhundert erfüllte es dann seinen Zweck, bis die Franzosen am 24. Oktober 1690 das Haus niederbrannten. Vermutlich erst 1713 wurde es neu aufgebaut, es fehlte schon damals am Geld. Eine Wendung zum Besseren für Alte, Behinderte und Waisen kam erst 1861 – damals übernahmen die Barmherzigen Schwestern vom Orden des Heiligen Vinzenz von Paul das Regiment und leisteten genau 100 Jahre lang gute Dienste.

Die Stadt rettet das Haus
Anfang der 1960er-Jahre aber genügte das Spital nicht mehr den Anforderungen an die moderne Pflege. Das Haus schloss am 15. August 1960 – es litt an Altersgebrechen. Im November 1967 wurde es an die Stadt verkauft, die seither Eigentümerin ist. Der Staufener Ehrenbürger Max-Carl Müller erzählt gern die Anekdote, die er bei der Schließung des Spitals von der damaligen Oberin hörte. Sie selbst hoch in den Achtzigern, habe damals zu ihm gesagt: "Das Spital ist in weitaus schlimmerem Zustand als ich. Da müssen Sie was tun."

Müller gründete damals das Altenpflegeheim St. Margareten. Aber es dauerte weit über 50 Jahre, bis sich etwas im Alten Spital tat. Der Gemeinderat beschloss, das Haus zu retten. "Wir hätten es natürlich auch verkaufen können", sagte Bürgermeister Michael Benitz beim symbolischen Spatenstich zum Umbau am Mittwoch. "Unten ein Laden, oben ein paar Wohnungen – wäre ein gutes Geschäft gewesen. Aber wir wollten den Charakter des Hauses erhalten. Wir haben eine soziale Verpflichtung", so Benitz.

Umbau wird bezuschusst
Also suchte sich die Stadt finanzielle Unterstützung und tat zwei Quellen auf: das Landessanierungsprogramm und das Investitionsprogramm Pflege. In beide Programme wurde die Stadt aufgenommen und erhofft sich Zuschüsse von insgesamt mehr als einer Million Euro. Außerdem stehen schon jetzt Spenden in Höhe von 278 000 Euro in den Büchern. Der Architekt Helmut Bühler geht von Umbaukosten von 2,1 bis 2,2 Millionen Euro aus.

Ein Projekt voller Überraschungen
Wie lange die Arbeiten dauern werden, kann Bühler noch nicht genau sagen, denn täglich erreichen ihn neue Hiobsbotschaften. So hat er beispielsweise festgestellt, dass "die Fundamente nicht unter den tragenden Wänden" sind. Außerdem erreichen sie nicht die gut tragenden Erdschichten in 1,90 Meter Tiefe. Das Ergebnis: Das Haus ist schief. "Jede Generation hat umgebaut, draufgebaut, vorgebaut – ohne Plan." Die Suppe muss Bühler jetzt auslöffeln, die Auflagen des Denkmalschutzes sind sehr hoch. Wenigstens wurde ihm erlaubt, das Dach zu erneuern. "Das war zu über zwei Drittel kaputt, da war nichts mehr zu sanieren." Ein Blick in die Zimmer zeigt, wie hinter Schichten von Putz Strohdämmung, Glaswolle, Holzbalken oder nackte Ziegel versteckt wurden.

17 Tagespflegeplätze sind das Ziel
Nach dem Umbau will Sozialstationsleiterin Waltraud Kannen eine hochmoderne Tagespflegeeinrichtung mit 17 Plätzen anbieten. Von Montag bis Freitag werden dort Menschen mit Demenz und andere Pflegebedürftige betreut, um deren Angehörige von der schweren Aufgabe der Pflege zu Hause zu entlasten.