Wenn Sie sich diesen Artikel vorlesen lassen wollen benutzen Sie den Accesskey + v, zum beenden können Sie den Accesskey + z benutzen.
28. April 2010
Was Heranwachsende täglich so umtreibt
Schüler spielen sich selbst: Szenencollage "Kloriositäten – ein Stück Hamlet" von der Theater-AG am Faust-Gymnasium.
STAUFEN. Der Theater-AG am Faust-Gymnasium muss um talentierten Nachwuchs nicht bange sein. Was die Mitglieder des Jungen Theaters am Faust (Klassen 6 bis 8) mit ihrem herzerfrischenden Spiel jüngst präsentiert haben, lässt erwarten, dass sie später auch Rollen klassischer Theaterstücke mit Bravour meistern werden. Ein wenig klassisch ging es in der Szenencollage "Kloriositäten – ein Stück Hamlet" jetzt schon zu, wobei allerdings die Komik an die Stelle der Dramatik trat.
Kurios auch der Ort des zwei Ebenen miteinander verknüpfenden Geschehens: Das gewisse Örtchen einer Schule. Tobias Thatenhorst und Björn Gerdau verzichteten aber in ihrer lebendigen Inszenierung auf unappetitliche Details. Vor der Toiletten-Kulisse wurde mit viel Witz demonstriert, was Heranwachsende tagtäglich so umtreibt. Hier durften die Mitwirkenden (19 Schülerinnen und ein Schüler) sich selbst spielen und nicht zuletzt deshalb agierten sie auch so unverkrampft. Den beiden Regisseuren ist es gelungen, während intensiver Proben, die auch während eines Aufenthaltes in Bad Rotenfels stattfanden, die Begeisterung des jungen Ensembles so zu entfachen, dass schließlich auch die Zuschauer ihr helles Vergnügen an den drei Aufführungen hatten.
Werbung
Die Szenencollage basiert auf Theaterstücken von Eckard Lück ("Hinter verschlossenen Türen") und Friedrich Karl Waechter ("Prinz Hamlet"). Hinzu kamen vom Jungen Theater selbst entwickelte Charaktere und Szenen. Thema ist durchgängig das Erwachsenwerden. Da wandern gleich zu Beginn in symbolischer Handlung etliche Stofftiere in die Kloschüsseln : "Jetzt beginnt unser neues Leben." Meterweise Klopapier wird zum Trocknen der aus Liebeskummer vergossenen Tränen verbraucht oder es gibt Ratschläge von Freundin zu Freundin, wie ranzukommen ist an die Jungs, vor allem, wie man richtig küsst: Mund auf, Lippen anfeuchten, näher kommen, Augen zu, Zunge raus. Ein Lacherfolg sind auch die Mädchen, die immer wieder zum Spiegel eilen, um ihr Make-up aufzufrischen. Der Spiegel, das sind die Zuschauer. Auch John, der Macho, schaut hinein: "Mann, seh’ ich cool aus." Gerade hatte ihm Felix geraten "Hey Alter, hau rein". Dann aber von der Streberin dabei ertappt, wie er sein Stofftier streichelt, zeigt er seine verletzliche Seite und klagt, dass seine Eltern nie für ihn da waren.
Unbeeindruckt von all den Nöten Pubertierender machen sich immer wieder Putzfrauen an dem unwirtlichen Ort zu schaffen, was schließlich in einen wirbelnden Tanz mündet. Schließlich fallen sie noch als schreiendes Geschwader in den Zuschauerraum ein. Ob diese Aktion, eine Talk-Show, ob Star Wars-Manie oder Ausschnitte aus einem Königsdrama – in einer Szenencollage geht das alles zusammen. Die phantasiebegabte Figur Anna Eule erfindet in einer Ecke des Schulklos ihre eigene Version der Hamlet-Geschichte, mit Parallelen zu dem, was Jugendliche heute bewegt. Auch dem jungen Prinzen Hamlet sind Herzschmerz und die Suche nach sich selbst vertraut.
Die Aufführung erforderte einen häufigen Wechsel der Rollen und Kostüme und wenn männliche Rollen nicht geschlechterspezifisch besetzt werden konnten, weil, wie sich öfter zeigt, Jungens Theaterspielen offenbar uncool finden, münzten weibliche Akteure dies noch in einen Vorteil um und machten einen doppelten Spaß aus den einzelnen Szenen.
Autor: Dorothee Möller-Barbian
