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04. Dezember 2016 17:49 Uhr

Hohe Auszeichnung für Rheinfelderin

Staufermedaille für Irmtraud Tarr

Als erste Bürgerin von Rheinfelden ist Professor Irmtraud Tarr mit der Staufermedaille des Landes Baden-Württemberg ausgezeichnet worden. Bürgermeisterin Diana Stöcker überreichte am Freitag die hohe Auszeichnung.

  1. Bei einem Festakt im Haus Salmegg überreichte Bürgermeisterin Diana Stöcker (links) die Staufermedaille des Landes an die Rheinfelder Organistin, Autorin, Psychotherapeutin und Universitäts-Professorin Irmtraud Tarr. Foto: Roswitha Frey

  2. Hohe Auszeichnung für Irmtraud Tarr: die Staufermedaille Foto: Roswitha Frey

  3. Musikalisch umrahmte Carl-Martin Buttgereit den Festakt. Foto: Roswitha Frey

  4. Konrad Schily hielt die Laudatio auf Irmtraud Tarr. Foto: Roswitha Frey

RHEINFELDEN. Als erste Bürgerin von Rheinfelden ist Professor Irmtraud Tarr mit der Staufermedaille des Landes Baden-Württemberg ausgezeichnet worden. In festlichem Rahmen im Dietschy-Saal des Hauses Salmegg überreichte Bürgermeisterin Diana Stöcker am Freitag die hohe Auszeichnung an die international renommierte Konzertorganistin, Psychotherapeutin, Autorin und Universitäts-Professorin aus Eichsel, die einen Lehrstuhl am Mozarteum Salzburg innehat.

Irmtraud Tarr erhielt die selten verliehene Staufermedaille "als Dank und Anerkennung für besondere Verdienste um unser Land Baden-Württemberg", wie es in der von Ministerpräsident Winfried Kretschmann unterzeichneten Urkunde heißt. Gewürdigt werden damit "Verdienste um das Gemeinwohl, die über die eigentlichen beruflichen Pflichten hinaus im Rahmen eines ehrenamtlichen, gesellschaftlichen und bürgerschaftlichen Engagements erbracht worden sind", so Bürgermeisterin Diana Stöcker. Sie bezeichnete Tarr als Wegbegleiterin von Menschen, mit großer empathischer Nähe, die auf das Gefühl aus der Mitte des Körpers vertraue und gleichzeitig scharf aus dem Verstand heraus analysiere.

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Tarr sei ein intellektueller Mensch, der wissenschaftlich, künstlerisch und literarisch tätig sei, ausgewiesene Kompetenzen erworben habe und kritisch Position beziehe. Stöcker nannte Tarr eine "Wanderin zwischen den Welten" – den Welten ihrer Schützlinge und Klienten, die sie im Ehrenamt und als Psychotherapeutin begleite, und den Welten ihrer Studenten aus dem Bereich Theater, Tanz und Musik. Und sie sei eine außerordentlich begabte Musikerin, die ihre Orgel mit allen Sinnen und ganzem Körpereinsatz spiele. Seit vielen Jahren sei das Silvesterkonzert mit Irmtraud Tarr und ihrem Ehemann Edward H. Tarr in Rheinfelden eine feste Größe. 2003 hat die Stadt Tarr mit der Verdienstmedaille in Silber geehrt.

Als "eine Meisterin im Menschenverstehen" würdigte Konrad Schily, Facharzt für Neurologie und Psychiatrie und Gründer und langjähriger Präsident der Universität Witten/Herdecke, die Geehrte. "Diese Frau hat so ein erfolgreiches Leben", hob Schily das Wirken der 1950 in Lörrach geborenen Irmtraud Tarr hervor, die in den 1980er Jahren mit ihrem Mann nach Rheinfelden gezogen ist. Der Laudator rühmte Tarrs Welterfahrenheit, ihre Meisterschaft an der Orgel, ihre Konzerttätigkeit nicht nur in ganz Europa und die 34 Bücher, die sie herausgebracht hat. "Und sie hat immer Zeit für andere", zitierte Schily Tarrs Ehemann. Dass sich Irmtraud Tarr um andere kümmere, die in Not sind und Hilfe brauchen, diese Hinwendung und die zupackenden Hilfeleistungen über lange Zeiträume, das alles erfülle die Sinngebung der Staufermedaille. Auch Tarrs Bücher über die Kraft der Beachtung, über das Lampenfieber, über das Scheitern oder "Lebe deine Melodie" seien Bücher, die vom Leben sprechen, helfen und Rat geben.

Tarr habe nicht nur Sonnentage erlebt, sondern auch Schweres durchgemacht, angenommen und bewältigt. Zudem sei sie als Künstlerin ausgesprochen kreativ und originell: "Sie macht nicht nur Kunst, sie spielt nicht nur toll Orgel, sie performt". Auch lasse sie die Studierenden und Prüflinge auf die Bühne, miteinander Kunst produzieren und eröffne ihnen Räume der Beachtung.

Wie sie sich fühle nach so viel Lob? "Ausgezeichnet!", lachte Irmtraud Tarr. In ihrer sehr persönlichen Dankesrede dankte sie Alt-Oberbürgermeister Eberhard Niethammer, der den Grundbaustein für dies alles gelegt habe und bei jedem Silvesterkonzert in Eichsel dabei war, seinem Nachfolger Klaus Eberhardt und Bürgermeisterin Diana Stöcker, die "für diese Stadt und die Kultur ein Segen ist", und Laudator Schily, der ein Bild mit allen ihren Farben gemalt habe: "Ohne eine einbindende Kultur ist man als Musiker nichts".

Tiefe Dankbarkeit gelte ihren Eltern. Sie stamme aus einer schreibenden Familie, dort liege die Wurzel ihres Schreibens. Aber auch in den Fragen ihrer Patienten, die sie zu ihren Büchern inspiriert hätten. Tarr erinnerte an die Anfänge ihrer Organisten-Laufbahn, an ihre erste Organistenstelle in einem kleinen Dorf, an Konzertereignisse in Spanien, wo sie als erste Deutsche eingeladen wurde, am Nationalfeiertag zu spielen und die Erstaufnahme an einer historischen Orgel in Barcelona zu machen.

"In mir sind viele Stimmen", sagte sie über große Komponisten wie Bach ebenso wie große Philosophen, die sie prägen. Und irgendwann habe sie ihren eigenen Ton gefunden, so Tarr. Zur Überraschung setzte sie sich an den Flügel und ermunterte die Gäste, ihr Lieblingslied, "Der Mond ist aufgegangen", zu singen.

Musikalisch umrahmt wurde der Festakt von dem Pianisten Carl-Martin Buttgereit, Fachbereichsleiter Klavier an der Musikschule, mit poetisch-romantischen Stücken von Mendelssohn und Brahms und der "Serenade of the Doll" von Debussy, bevor sich ein Apéro anschloss.

Autor: Roswitha Frey