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21. Januar 2012
Stechls Standgericht
Far Breton: Vom Calvados verwöhnt
Die Bretagne ist bekannt für ihre famose Tarte au Pommes. Eine süße Sünde ist aber auch der Pflaumenkuchen Far Breton wert - kein luftiges Backwerk, aber geschmacklich überzeugend.
Westlich von Paris gibt es nach Ansicht eines bekannten Europapolitikers der CDU nur noch ein paar Kühe und dann den Atlantik. Diese, um es zurückhaltend auszudrücken, doch etwas generalisierende Sicht der Dinge bedarf, wenn schon keiner Korrektur, so doch zumindest einer Ergänzung. Eigene Recherchen haben vor kurzem ergeben: Im äußersten Nordwesten Frankreichs lebt nach wie vor der wackere Volksstamm der Bretonen. Außerdem gibt es noch Streuobstwiesen mit alten, knorrigen Apfelbäumen, und das ohne Ende.
Ansonsten glänzt der Landstrich nicht mit Obstreichtum. Was dazu führt, dass dem Bretagne-Urlauber in Konditoreien und zum Nachtisch im Restaurant als lokale Spezialität in erster Linie die famose Tarte au Pommes angeboten wird, ein hauchdünner und durch kräftige Hitzezufuhr an der Oberseite immer leicht karamellisierter Apfelkuchen. Zur Abwechslung gibt es den Far Breton.
Der Far Breton ist ein sehr wohlschmeckender und im Handumdrehen zusammengerührter Kuchen mit getrockneten Pflaumen. Von seiner Konsistenz her erinnert er an einen festen Pudding, optisch ähnelt er einem etwas in sich zusammengesackten Käsekuchen. Dies nur als Vorwarnung für all jene, die Kuchen nur dann mögen, wenn sie mit Backpulver zu luftigen Gebirgen aufgeblasen werden. Da der Teig ziemlich dünnflüssig ist, sollte man keine Springform verwenden, da diese ja nie hundertprozentig dicht sind. Eine feuerfeste Form aus Glas, Porzellan oder Steingut eignet sich besser. Bei den Trockenpflaumen nehmen wir nicht die harten, durchgetrockneten Exemplare, sondern die noch halbweiche Variante. Die Pflaumen werden entsteint. Der Kuchen gewinnt an zusätzlicher geschmacklicher Statur, wenn wir den Pflaumen vorab ein halbstündiges Bad in etwas Hochprozentigem gönnen. Calvados, Rum oder Cognac machen sich hier immer gut.
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Die Backform wird ausgebuttert und dann dünn mit Mehl bestäubt.
Zum Teig: Das Mehl, den Zucker, den Vanillezucker und eine Prise Salz in eine Schüssel schütten, die Milch dazugeben und alles mit dem Schneebesen vollkommen glatt und klumpenfrei verrühren. Dann die Eier dazu geben und gut vermengen. Zum Schluss kommt der Zitronensaft dazu. Nun werden die Pflaumen gleichmäßig nebeneinander auf dem Boden der Backform verteilt und dann mit dem Teig übergossen. Der Teig sollte die Pflaumen gut einen Finger dick bedecken. Diese Fuhre kommt in den auf 200 Grad vorgeheizten Backofen. Nach 45 Minuten ist der Kuchen fertig. Oben sollte er schön gebräunt sein, bei Bedarf zum Schluss also noch etwas Oberhitze dazu schalten. Den Kuchen herausnehmen, abkühlen lassen und mit Puderzucker bestäuben.
Alternativ zu Pflaumen kann man den Far Breton auch mit Rosinen zubereiten. Das ganz ursprüngliche, wohl eher dem Mangel verpflichtete Originalrezept enthält weder das eine noch das andere, sondern besteht nur aus dem Teig. Diese Variante ist mir aber etwas zu schwer und allzu rustikal.
Einkaufszettel
(für eine Backform von 28 cm Durchmesser):
Teig: 250 Gramm Mehl, 150 Gramm Zucker, ein Päckchen Vanillezucker (besser: zwei Teelöffel eines selbst angesetzten Vanillezuckers), eine Prise Salz, ein Liter Milch, vier Eier, ein Esslöffel Zitronensaft.
200 Gramm getrocknete Pflaumen (Gewicht ohne Steine), Calvados, Rum oder Cognac zum Einweichen. Butter und Mehl für die Form. Puderzucker zum Bestäuben.
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Autor: Hans-Albert Stechl


