Aus Platznot auf die Matte

Alexandra Wehrle

Von Alexandra Wehrle

Do, 09. März 2017

Stegen

50 Jahre Sport, Spaß und Leidenschaft: Vor allem mit den Ringern macht der SV Eschbach von sich reden / Ehrungen beim Jubiläum.

STEGEN. Eigentlich sollte es Fußball sein, am Ende wurde es Ringen. Die sportliche Ausrichtung des Sportvereins Eschbach bei der Gründung 1967 war nicht ganz einfach. Weil es keine ebene Fläche für einen Fußballplatz gab, brachte Siegfried Heitzmann das Ringen ins Spiel – mit Erfolg. Rund 110 geladene Gäste feierten in der Halle nun das Jubiläum unter dem Motto "50 Jahre Sport, Spaß und Leidenschaft". Heitzmann wurde zum Ehrenvorsitzenden ernannt.

Entspannt war die Atmosphäre in der Halle, und festlich. Es gab viel zu lachen und zu schmunzeln, viele Erinnerungen kamen auf. Die Küche sorgte mit leckerem Essen fürs leibliche Wohl. An den großen, schummrig beleuchteten Tischen wurden schöne Gespräche geführt – wenn nicht gerade wieder etwas auf der Bühne geboten war. Vorsitzender Matthias Martin und Stellvertreter Michael Wunderlich hatten dort oben alle Hände voll zu tun, mit erzählen, danken und ehren. Bürgermeisterin Fränzi Kleeb und Ortsvorsteherin Sonja Ernst hoben das "großartige ehrenamtliche Engagement" und besonders die Jugendarbeit des SV hervor. Durch die Sportart Ringen und die Erfolge der Sportler sei der Verein weithin bekannt geworden, sagte Kleeb. Martin Knosp überbrachte die Glückwünsche des Südbadischen Ringerverbandes.

Für ihre langjährigen Verdienste wurden Michael Rombach, Josef Dold, Harald Andris, Bernd Ketterer und Michael Wunderlich mit der Vereinsnadel am Kranz geehrt. Sie alle haben den SV Eschbach mit ihrem Engagement und ihren sportlichen Erfolgen vorangebracht. "Ringervater" Siegfried Heitzmann wurde zum Ehrenvorsitzenden ernannt, Willi Hummel und Annemarie Martin zu Ehrenmitgliedern des Vorstands. Heitzmann war überrascht: "Ich bin sprachlos. Aber ein paar Worte möchte ich trotzdem sagen." Er könnte so viele Geschichten erzählen, beschränke sich aber auf die von einer Fahrt im Ford Transit mit Lehrer Norbert Graf zu einem Wettkampf nach Elzach. Als das Auto plötzlich im Wald stand, mussten es die jungen Burschen mit Muskelkraft wenden. "Wir haben viele schöne Stunden mit Lehrer Graf unterwegs verbracht." Heitzmann könne ja ein Buch schreiben, meinte Matthias Martin.

Die Eckdaten dazu wären schon vorhanden: Christoph Graf, Sohn besagten Lehrers und Chronist des SV, bettete die Vereinsgeschichte in die Ortsgeschichte ein. Die Bauern- und Hirtenkinder hatten vor mehr als 50 Jahren Bewegung genug, viele waren vom Sportunterricht in der Schule befreit. Doch die Behörden fanden, es müsse Sport getrieben werden in Eschbach. Erste Bemühungen blieben erfolglos. Aber als aufgrund der Bautätigkeit im Ort ab den 1960er Jahren die Zahl der Menschen mit Zeit für Freizeitbeschäftigungen wuchs und 1966 die Schule und die erste Halle fertig waren, war die Zeit des SV gekommen.

Am 23. Februar 1967 kamen 31 Personen zur Gründungsversammlung in den "Löwen", Initiator war Oberlehrer Norbert Graf. 17 von den Gründern traten als Aktive bei, 14 als Passive. Erster Vorsitzender wurde Franz Schwitzer. "Er hat viel bewegt am Anfang und die Kameradschaft aufgebaut", so Christoph Graf in seinem Vortrag. Dank Siegfried Heitzmann wurde der SV ein Ringerverein. Später kamen weitere Sportarten dazu. Annemarie Martin begründete die gut besuchte Frauengymnastik, die heute "Inform 2000" heißt. 1985 wurde die Karategruppe aus Stegen in den Verein integriert. Und Kamil Feucht hat die neue beliebte Sportart "Parkour" eingeführt. Über 180 Kinder und Jugendliche nutzen sein Angebot. Neben dem Sport wird die Geselligkeit gepflegt, und die Theatergruppe tritt jährlich mit zwei Stücken auf. Die gut 550 SV-Mitglieder kommen aus dem ganzen Dreisamtal.

Im Ringen hat der Verein von Anbeginn an Erfolge eingeheimst und Deutsche Meister oder Juniorenmeister hervorgebracht. Im letzten Jahr stieg er in die zweite Bundesliga auf. Dennoch entschieden die Verantwortlichen am Jahresende, den SV von der Liga abzumelden – die Kosten waren zu hoch. Sportliche Talente verlassen deswegen den Verein, etwa Nick Scherer, dürfen aber bei bestimmten Meisterschaften noch für ihn antreten. Vorsitzender Martin stellte die derzeit erfolgreichsten Ringer kurz vor, neben Nick Scherer dessen Zwillingsbruder Tim sowie Daniel Läufer.

Eigens für den Jubiläumsabend hatten sich die Vereinsveteranen zu einem Ringerchor zusammengetan. Ihr Auftritt mit großer Stimmgewalt und fast schon akrobatischen Einlagen animierte zu großem Applaus und Gelächter. Sogar eine SV-Eschbach-Hymne brachten sie mit. Es war nach Mitternacht, als der offizielle Teil zu Ende war und an der Bar und mit Musik von DJ Robby weitergefeiert werden konnte. Nun freuen sich die Beteiligten aufs große Jubiläumswochenende im Sommer. Die Vorbereitungen laufen.

Info: Die Geschichte des Vereins, die Chronist Christoph Graf zusammengetragen hat, ist demnächst in einer Festschrift nachzulesen. Das Jubiläumswochenende steigt am 14. bis 16. Juli.