Nachbarschaftsstreit

Polizist schoss wohl mehrmals auf Randalierer in Stegen

mad, Moritz Neufeld

Von Markus Donner & Moritz Neufeld

Fr, 13. Juli 2018 um 13:45 Uhr

Stegen

In Wild-West-Manier hat ein 33-Jähriger seine Mitbewohner in einem Mehrfamilienhaus in Stegen bedroht. Einer Frau hielt er die Pistole an den Kopf. Erst die Polizei konnte den Mann stoppen – mit Waffengewalt.

Die Nachbarschaftsstreitigkeiten gipfelten am Donnerstagabend nach Darstellung der Polizei darin, dass der Mann im Treppenhaus umher irrte und dabei eine Nachbarin mit einer Schusswaffe bedrohte. Diese hielt er einer Nachbarin sogar an die Schläfe mit der Aufforderung, in die Wohnung zurückzukehren. Erst später stellte sich heraus, dass es sich um eine Schreckschusswaffe handelte, wie die Polizei mitteilt. Diese Waffe richtete er auch gegen die verständigten Beamten.

Einer der Polizisten feuerte daraufhin mehrmals aus seiner Dienstwaffe Schüsse ab. Der Randalierer wurde im Oberschenkel getroffen, ehe es zur Festnahme kam. Bei dem Gewalttätigen handelt es sich um einen Bewohner, der der Polizei offenbar bekannt ist. Er wurde zur Behandlung seiner Schussverletzung in eine Klinik gebracht, Lebensgefahr besteht laut Polizei nicht.

Die Situation in dem Mehrfamilienhaus in Stegen eskalierte, nachdem der Bewohner schreiend durch das Treppenhaus gelaufen war und gegen Wohnungstüren gepoltert habe. Wie die Ermittlungen inzwischen ergeben haben, ist es im schon wiederholt zu Ruhestörungen in dem Wohnhaus gekommen, die nun in einem Polizeieinsatz mit Schusswaffengebrauch gipfelten.
Wann dürfen Polizisten schießen?

Laut Polizeigesetz (§54) dürfen Polizisten schießen, um unmittelbar drohende Verbrechen oder Vergehen zu verhindern, die mit Schusswaffen oder Sprengstoffen ausgeführt werden. Wenn eine Person flüchten will, dürfen Polizisten sie mit einem Schuss aufhalten – aber nur, wenn sie nach einem Verbrechen oder einer Tat mit Schuss- oder Sprengwaffengebrauch flüchtet oder die Gefahr besteht, dass sie eine solche Tat begehen könnte. Auch bei dringendem Verbrechensverdacht oder wenn eine Person unerlaubt aus Haft oder Sicherheitsverwahrung entkommen will, dürfen Beamte auf einen Flüchtenden schießen. Tödliche Schüsse darf ein Polizist oder eine Polizistin nur abgeben, wenn in einer Situation unmittelbare Gefahr für Leib und Leben besteht und der Todesschuss das einzige verbleibende Mittel zur Verteidigung ist. Unter bestimmten Umständen dürfen Polizisten auch auf eine Menschenmenge schießen: Wenn aus der Menge heraus Gewalttaten begangen werden sollen und alle Zwangsmaßnahmen keinen Erfolg versprechen.

De facto schießen Polizisten aber meist gar nicht auf Menschen – sondern auf Tiere: Die aktuellsten Zahlen stammen aus dem Jahr 2016 und kommen von der deutschen Hochschule der Polizei. In 52 Fällen schoss die deutsche Polizei im Jahr 2016 auf Menschen. Dabei starben elf Personen, weitere 28 wurden verletzt. In ganzen 12.656 Fällen schossen Polizisten, um gefährliche, kranke oder verletzte Tiere zu töten.