Auf Klangteppichen in den Orient entschweben

Roswitha Frey

Von Roswitha Frey

Mi, 05. September 2018

Steinen

PORTRÄT: Die Flötistin und Performerin Kathrin Beddig entführt ihr Publikum mit eigenen Kompositionen in fremde Welten.

STEINEN-ENDENBURG. Eine etwas andere Matinee erlebten die Besucher am Sonntag im Haus am Stalten. Zu Gast im Festsaal der Privatklinik war die Flötistin Kathrin Beddig, die für ihre ungewöhnlichen Auftritte bekannt ist und als "Charakterdarstellerin auf der Flöte" gilt. Die Musikerin denkt sich gerne Programme mit selbst komponierten Stücken aus, die Bilder und Assoziationen im Betrachter wecken. Und genauso war es auch bei diesem Solokonzert, das unter dem geheimnisvollen Titel "Al'Hakawati" in faszinierende orientalische Klangwelten führte. Gekleidet in ein schwarzes Kostüm und ein langes Tuch mit floralem Muster bezauberte Kathrin Beddig an wechselnden Instrumenten wie Block- und Querflöte, arabische Bechertrommel Darbuka und am Klavier mit klingenden Geschichten von blühenden Gärten in der Wüste.

Seit einigen Jahren hat sich die in der Nähe von Karlsruhe lebende Künstlerin und Musikpädagogin darauf spezialisiert, eigene Kompositionen zu spielen, um "eine eigene Sprache" zu finden. So schreibt sie auch ihre Programme zu wechselnden Themen selbst. Zuletzt hat sie etwas über Karl May gemacht, der sich Winnetou, Old Shatterhand und Kara Ben Nemsi ausgedacht hat. Im Zuge der Recherchen über den sächsischen Schriftsteller stieß sie auf das syrische Wort "Al'Hakawati", das Geschichtenerzähler bedeutet. Vom Klang und der Bedeutung dieses Wortes ließ sich die Flötistin zu Kompositionen und Geschichten inspirieren. Kathrin Beddig hat Flöte studiert und viel Alte Musik gemacht, aber auch Klassik und Romantik gespielt. Doch sie wollte darüber hinaus eigene Konzepte entwickeln, die bei der Klangfindung den Gefühlen, Temperamenten und Klang-Farben nachspüren.

Bei der Matinee war es das Gefühl von Sehnsucht, das die orientalisch inspirierte Musik mit ihren langen Melodien und schönen Rhythmen durchzieht. Aus dem weiten Begriff Orient entwickelte die an der Antike interessierte Flötistin immer neue Ideen, forschte in der Landesbibliothek, stieß auf die "Hängenden Gärten von Babylon" als weiteren Bezugspunkt für ihr Programm. Diese rätselhaften, sagenumwobenen Gärten regten die Musikerin und Komponistin zu Klangstimmungen und Klangbildern an.

Ihr Solo ist wie eine Reise aufgebaut, in der sie zwischen den Stücken immer wieder erzählend das Wort ergreift. Am Anfang spielt sie auf Blockflöten Sätze, die nach alter Musik klingen. Um die Zuhörer immer weiter in das orientalische Kolorit, in die orientalische Welt eintauchen zu lassen, wechselt die Musikerin zur Querflöte, ihrem Hauptinstrument, aber auch zur Bechertrommel, die arabisches Flair hineinbringt. Auch an den Flügel setzt sich Kathrin Beddig, um glockenspielartige Klänge zu erzeugen. Alles soll eher schlicht und nicht überladen klingen, Raum zum Nachsinnen, zum Atmen lassen. "Der Zuhörer soll auch zur Ruhe kommen", sagt die Künstlerin.

Zwischen den eher ruhigen Passagen bringt Kathrin Beddig aber auch Schwungvolles, Tänzerisches ein. Sie geht von populären Rhythmen aus, verbindet diese mit alten Strukturen und reizvollen koloristischen Farben. Durch das wechselnde Instrumentarium wird die Soloperformance abwechslungs- und klangfarbenreich gestaltet, als wären mehrere Musiker am Werk. Für Kathrin Beddig ist das Haus am Stalten "ein ganz besonderer Ort", an dem ihre Musik besonders schön ihre Wirkung entfaltet.