Der Traumjob im Klärwerk

Lea Rollbühler und Robert Bergmann

Von Lea Rollbühler & Robert Bergmann

Fr, 08. Dezember 2017

Steinen

Karina Sutter lernt einen ungewöhnlichen Beruf beim Abwasserverband – und ist glücklich damit.

STEINEN. 23 Jahre jung ist Karina Sutter. Die Schopfheimerin ist Auszubildende als Fachkraft für Abwassertechnik im dritten Lehrjahr beim Verbandsklärwerk in Steinen. Eine ungewöhnliche Berufswahl mag der ein oder andere denken. Doch Karina ist Klärwerkerin mit ganzem Herzen, eine die sich momentan gar nicht vorstellen kann, noch irgendetwas anderes zu machen. Und sie weiß dafür einige gute Gründe zu nennen.

Mit einem strahlenden Lächeln begrüßt Karina Sutter ihren Besuch. Draußen wirbeln die Schneeflocken über die Klärbecken, die Turbinen und vor dem Faulgasbehälter. Sutter trägt – wie alle Mitarbeiter einen Blaumann und feste Schuhe. Dazu kommen – typisches Karina-Outfit – eine schwarze Mütze, ziemlich große Ohrringe und ein Unterarm-Tattoo. Selbstbewusst ist diese junge Frau mit dem gewinnenden Lächeln und der klaren Ansage, das ist vom ersten Moment an zu spüren.

"Hauptsächlich besteht

mein Leben aus Arbeiten, Schlafen und Hunden"

Karina Sutter, Klärwerkerin
Dass sie begeistert ist von ihrem durchaus ungewöhnlichen Job, nimmt man ihr sofort ab. Und dass sie ihren eigenen Weg – unabhängig von irgendwelchen Berufs- oder Rollenklischees gehen will, daran lässt sie keine Sekunde einen Zweifel. Die Arbeit im Klärwerk war ursprünglich nicht Karinas erste Wahl, als sie nach zehn Jahren am Schopfheimer Theodor-Heuss-Gymnasium 17-jährig beschloss, die Schule zu schmeißen. Zunächst begann sie eine Ausbildung als Biologielaborantin bei der Firma Roche in Basel – tägliche Tierversuche waren da inbegriffen.

Doch nach zwei Jahren brach sie die Ausbildung ab, mochte nicht weiter mit Tieren experimentieren und diese auch noch quälen. "Außerdem war mir die Laborarbeit irgendwann zu eintönig", sagte Karina Sutter. In einer Riesenfirma wie Roche sei es ihr außerdem zu unpersönlich zugegangen. Den Traumjob fand sie schließlich nach einer zweijährigen Auszeit, die sie "der Liebe wegen", wie sie sagt, vom Wiesental nahm und in Halle an der Saale mit diversen Aushilfsjobs verbrachte. Im Internet suchte Sutter nach Möglichkeiten, wie sie ihre diversen Fähigkeiten in einer einzigen Ausbildung ausleben könnte. Und fand diese zum eigenen Erstaunen im Beruf der Abwassertechnikerin. Sie schickte eine E-Mail an Jörn Klettke, dem Leiter der Verbandskläranlage – der Rest ist Geschichte.

Wer Karina aufmerksam zuhört, für den wird das muffelnde Toilettenabwasser, das dem Außenstehenden beim Stichwort "Klärwerk" als Erstes in den Kopf kommen mag, ziemlich schnell zur Nebensache. Oberstes Ziel eines Klärwerks sei der Gewässerschutz, sagt Sutter mit Nachdruck. Es gehe darum, mit aufwendigen Prozessen und viel Technik belastetes Wasser wieder sauber und unbedenklich für die Umgebung aufzubereiten. Das sei Umweltschutz im besten Sinne. Und sie lässt in ihrem lebendigen kleinen Vortrag natürlich die vielen Fische nicht unerwähnt, die sich in den Nachklärbecken der Verbandskläranlage tummeln. "Unser Wasser ist am Schluss besser als das der Wiese", erzählt sie mit leuchtenden Augen.

Im Steinener Betrieb, einer mittelgroßen Kläranlage mit 14 Mitarbeitern läuft der Hase allerdings deutlich anders als im Chemielabor, das wurde Karina schon nach kurzer Zeit klar. Ihr Wissen über Biologie und Chemie ist nach wie vor gefragt, zugleich aber musste sie in den vergangenen Jahren auch lernen mit einem Drehschlüssel umzugehen, sich in die Feinheiten der Elektrotechnik einarbeiten und sich in dunkle Kanäle vorwagen. Die Routine schleicht sich da so schnell nicht ein: "Kein Tag vergeht wie der andere", sagt Karina Sutter.

Die Anlage ist klein genug um als künftige Fachkraft für Abwassertechnik in jedem Teilbereich – der Schlosserei, dem Labor, der Elektro und Verfahrenstechnik – gefordert zu sein. "Alles ist miteinander vernetzt", erklärt Sutter. Und unpersönliches Arbeiten gehört nun auch schon lange – genauer seit den ersten Probetagen beim Verbandsklärwerk – der Vergangenheit an. "Ich habe mich sofort mit allen gut verstanden", erinnert sich Karina. "Das familiäre Betriebsklima ist genau mein Ding". Die Kollegen hätten nach wie vor große Freude daran, ihr jeden Tag etwas Neues beizubringen. Von den gestandenen Männern will sie dabei nicht geschont werden, nur weil diese ihr in einem oder anderen Fall mal körperlich überlegen sind.

Wie es ab dem kommenden Jahr weiter geht, wenn die Prüfung geschafft ist? Im Klärwerk Steinen möchte Karina Sutter auch nach der Ausbildung bleiben. Wenn es weiter so läuft wie bisher, wird Sutter die Gesellenprüfung wohl mit lauter Einsen im Zeugnis abschließen. "Ich habe von Anfang an gesagt, mich werdet ihr nicht mehr los!", habe sie ihren Kollegen "angedroht", erzählt sie grinsend.
In ihrer Freizeit kocht Karina Sutter gerne vegan oder auch vegetarisch und geht regelmäßig gemeinsam mit ihrem Ausbilder joggen. Außerdem betreibt sie Kraftsport, liebt Hunde und mag es zu wandern. Karina grinst: "Hauptsächlich besteht mein Leben aus: Arbeiten, schlafen und Hunden". Wichtig sei es, mit sich zufrieden zu sein. Zu einem guten Leben gehören für sie Offenheit, Klarheit, Geradlinigkeit und Ehrlichkeit. Und eben ihr Traumjob im Klärwerk.