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04. Februar 2012

Ein Hund für alle Fälle

Hundetrainerin Ute Möckel bildet Vierbeiner zum "Servicehund" aus / Talentierte Haushaltshilfen.

  1. beim Schuh ausziehen. Foto: Winter

  2. … beim Schrank öffnen und Foto: Winter

  3. Multitalent: Servicehündin Mamibis beim Ausräumen der Waschmaschine Foto: Winter

STEINEN-HÄGELBERG. Im Sommer 2011 startete Ute Möckel mit einer Hundeschule der besonderen Art. Möckel hat sich auf die Ausbildung von Servicehunden für Behinderte spezialisiert. Wer Möckels kleine Schule im eigenen Heim "Vier Beine, vier Räder" besucht, kann erleben, dass Hunde sich nicht nur zur Begleitung von Blinden oder zum Aufspüren von Drogen bestens erziehen lassen, sondern auch beim Ausräumen einer Waschmaschine beste Dienste leisten.

Die 52-jährige gebürtige Berlinerin Ute Möckel, die selbst seit Kindertagen gehbehindert ist und mit ihrem Mann in Hägelberg wohnt, bildet in ihrer Schule seit Sommer 2011 Hunde zu so genannten Servicehunden aus. Dabei wird der Hund nicht nur darin geschult, wie er zusammen mit einem behinderten Menschen lebt. Unter ihren Fittichen lernt der Vierbeiner, eine richtige "Haushaltshilfe" zu sein und Herrchen oder Frauchen im täglichen Leben zu unterstützen.
Als der Besuch bei Ute Möckel klingelt, geht kurz danach die Tür auf. Dahinter steht jedoch nicht – wie erwartet – die Gastgeberin: Mamibis, eine schwarz-weiß gezeichnete Hunde-Dame, schaut den Gast einladend an. Gemeinsam geht es in die Küche. Dort bittet die Hausbewohnerin Mamibis probehalber darum, die Schranktüre zu öffnen. Mamibis gehorcht den kurzen und knappen Befehlen aufs Wort. "Öffne die Schublade", ruft Möckel. An einem Hölzchen, das am Griff befestigt ist, zieht die Hündin mit dem Maul die gewünschte Schublade auf und legt einen Behälterdeckel hinein. Zwischendurch ist ein Leckerli fällig. "Das wird dann natürlich vom Futter abgezogen, Mamibis verdient sich ihr Essen selbst", erklärt die Trainerin schmunzelnd. Ute Möckel hat vor der Eröffnung ihrer Hundeschule "Vier Beine und vier Räder" eine Ausbildung als professionelle Hundetrainerin abgeschlossen Das Problemverhalten von Hunden, die Erziehung von Welpen und Junghunden und die körperliche und geistige Fitness von alten und kranken Hunden haben sie dabei besonders beschäftigt.

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Nicht jeder Hund kann zum Servicehund ausgebildet werden, weiß Möckel. Dazu gehöre schon ein gewisses Talent. "Es muss in jedem Fall ein ruhiger Hund sein". Ganz billig ist die Haushaltshilfe auf vier Beinen auch nicht zu haben. Ein fertig ausgebildeter Servicehund kostet mindestens 26 000 Euro. Dem Besitzer wird dafür ein individueller Ausbildungsplan erstellt, nach dem der Hund in rund eineinhalb Jahren trainiert wird.

Wie es bestenfalls laufen kann, zeigt Hundeschul-Absolventin Mamibis, die Ute Möckel vor vier Jahren aus dem Tierheim in Hauingen geholt hat. Die damals zweijährige Straßenhündin aus Spanien, die heute noch gerne ihr Fressen klaut, ist einfach großartig. Faszinierend ist es, dabei zuzuschauen, wenn Mamibis nach dem Befehl: "Hol den Korb" durch den Flur tapst, links um die Ecke in den Kellerraum geht und von dort einen Wäschekorb durch den Flur zieht. Das alles im Rückwärtsgang!! Den Korb hat ihr Frauchen auf einem Blumenroller befestigt, eine Schnur daran mit einem Flummi, den Mamibis im Maul hat. Vor der Waschmaschine macht das Tier halt und auf den Befehl "Hol die Wäsche" "Leg die Wäsche in den Korb" macht sie das Gewünschte.

Eine große Hilfe ist Mamibis auch beim Ausziehen der Stiefel: Sie zieht am Reißverschluss und fasst den Schuh an der Ferse, um ihn auszuziehen. Auch beim Strümpfe ausziehen geht sie äußerst sanft vor – eine Beißhemmung sorgt für den sicheren Ablauf. Es gibt viele Möglichkeiten für behinderte Menschen, sich von einem Hund den Alltag erleichtern zu lassen. Beim Einkaufen trägt Mamibis den Korb und muss allerlei Ablenkungen ignorieren – nur auf die Befehle der Besitzer oder Besitzerin darf sie reagieren.

Weitere Infos: Ute Möckels Homepage: http://www.vier-beine-vier-raeder.de Telefon: 07627/924944

Autor: Vera Winter