Frischer Klang aus alten Noten

Roswitha Frey

Von Roswitha Frey

Di, 10. Januar 2017

Steinen

Landesjugend-Barockorchester Baden-Württemberg spielt mit Elan und federnder Beschwingtheit / Solisten zeigen ihr Können.

STEINEN. Frisch und zupackend klang es, als das Landesjugend-Barockorchester Baden-Württemberg an Dreikönig in der Petruskirche Steinen spielte. Es war ein besonderes Hörerlebnis für die vielen Zuhörer, wie inspirierend und farbenreich die jungen Musikerinnen und Musiker auf historischen Instrumenten Barockwerke von Rameau, Bach und Telemann aufführten.

Nach einer intensiven Proben- und Arbeitsphase präsentierten die 19 Orchestermitglieder und Solisten ein Barockspiel in sprechendem Klang, tänzerischem Schwung und dynamischer Verve. Für den Gründer und künstlerischen Leiter des Jugend-Barockorchesters, Gerd-Uwe Klein, war das Gastspiel eine Art Heimspiel. Ist er doch in Steinen aufgewachsen und hat in seiner Heimatkirche, der Petruskirche, schon früh begonnen, Alte Musik zu spielen, wie er dem Publikum erzählte. Der renommierte Geiger und Streicher-Pädagoge kommt aus der Tradition der Alten Musik. Die besondere Stilistik, Technik, rhetorische Klangsprache und authentische Wiedergabe der Barockmusik vermittelt er mit großer Leidenschaft und Überzeugungskraft auch den hochbegabten Schülern und Studenten aus ganz Baden-Württemberg. Unter Anleitung von Originalklang-Spezialisten vom Freiburger Barockorchester haben sie dieses Programm erarbeitet.

Und sie zeigten dem begeisterten Publikum, worauf es beim stilkundigen Musizieren in historisch informierter Aufführungspraxis ankommt: auf sprechenden Klang, auf rhetorische Klangrede, auf gekonnte Phrasierung, auf besondere Gestaltung mit dem Bogen, auf Affekte, ausdrucksvolles Verzieren und dynamische Akzentuierung. Dies alles brachten die jungen Streicher und Bläser in einem kräftig entstaubten, frischen Musiziergestus zur Wirkung.

Vor jedem Stück wird das Instrument gestimmt

Schon allein der Klang der barocken Streich- und Blasinstrumente sorgte für eine andere Hörerfahrung, zumal das Jugend-Barockorchester in der für französische Barockmusik typischen Stimmtonhöhe von 392 Hz musizierte – worauf Gerd-Uwe Klein in seiner informativen Einführung das Publikum hinwies. Dass die Instrumente historischer Bauart höchst empfindlich zu handhaben sind, merkte man schon am ausgiebigen Stimmen vor jedem Stück. Das jugendliche Ensemble spielte – wie zur Barockzeit üblich – großteils im Stehen und ohne Dirigent. Schon in der Tanzsuite des französischen Barockmeisters Jean-Philippe Rameau spielte das Jugendbarockorchester rhythmisch agil, voller tänzerischem Elan und federnder Beschwingtheit auf. Im Zusammenspiel von Streichern, Oboe und Flöten wurden die graziösen höfischen Tanzsätze schön nuanciert herausgearbeitet.

Im vierten Brandenburgischen Konzert von Bach traten Konzertmeisterin Julika Lorenz an der Solovioline sowie Johanna Boehm und Thomas Dombrowski an den Blockflöten solistisch bravourös hervor. Die junge Geigerin meisterte ihre virtuosen Solopassagen griff- und bogentechnisch beeindruckend, und die beiden Flötisten gestalteten ihre Parts höchst ausdrucksvoll und geschmackvoll ausgeschmückt und duettierten im Andante aufs Schönste.

Eine Meisterleistung gelang der aus Rheinfelden stammenden Johanna Boehm, die diesen schwierigen Bach auf einer Ersatzflöte spielte, weil ihre ursprünglich zur Verfügung gestellte Flöte einen Riss bekommen hatte. Erfrischend vital klang dieser Bach in den virtuosen Solostimmen von Violine und Flöten im angeregten Wechselspiel mit dem dynamischen Streicher-Tutti. Sehr farbig und lebendig gespielt, mit sorgfältiger Phrasierung, erklang die Ouvertüre g-Moll von Telemann. In dieser Orchestersuite entfalteten die jugendlichen Musikerinnen und Musiker differenziert eine bunte Folge verschiedenster Tanzsätze und Charakterstücke, von der gravitätischen Ouvertüre bis zu den exotischeren Tänzen und Sätzen im Stil galanter barocker Unterhaltungsmusik.

Zum Schluss stand das zweite Brandenburgische Konzert von Bach an, das solistisch ungewöhnlich besetzt ist mit Trompete, Oboe, Blockflöte und Violine. Selbst gestandene Trompetenvirtuosen trauen sich kaum an den in extrem hoher Lage gehaltenen Trompetenpart. Pavel Janecek, der an der Musikhochschule Trossingen studiert, wagte es und brillierte auf der historischen Trompete in diesem höchst schwierigen und herausfordernden Part. Ebenso glänzten der Oboist Antoine Cottinet, der Flötist Thomas Dombrowski sowie Hannah Armbruster, Cosima Schulze und Lukas Roller, die abwechselnd in den drei Sätzen den Solo-Violinpart übernahmen, im virtuos schwungvollen Wechselspiel mit den Streicher-Tutti. Mit zwei Telemann-Sätzen als Zugaben klang dieses Gastspiel aus, bei dem das Jugend-Barockorchester mit unverbrauchter Spielfreude und Verve für sich einnahm.