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28. Januar 2012
"Ich werde genauso enthusiastisch sein"
BZ-INTERVIEW mit Dorothee Fleck, die demnächst zu ihrer zweiten Weltumradlung aufbrechen will / Im Februar geht es erneut Richtung Osten.
STEINEN. Für Aufsehen sorgte in den Jahren 2007 bis 2010 Dorothee Fleck aus Steinen. Die damals 45-Jahre alte IT-Frau mit Wurzeln im Schwäbischen kündigte kurzerhand ihren gutdotierten Job und ging für mehr als zwei Jahre mit dem Fahrrad auf Weltreise. Inzwischen, nach eineinhalb Jahren Sesshaftigkeit in der alten Heimat, hat Dorothee Fleck das Reisefieber wieder gepackt. Die Vorbereitungen für eine zweite Rad-Weltreise sind abgeschlossen. BZ-Redakteur Robert Bergmann hat mit ihr gesprochen.
BZ: Nach einem vergleichsweise kurzen Zwischenstopp im Dreiländereck wollen Sie in den kommenden Wochen erneut auf eine weltweite Fahrradtour gehen. Was ist denn diesmal geplant?Fleck: Fast das Gleiche, aber anders (lacht). Ich möchte am Anfang wieder in Richtung Osten fahren, plane diesmal aber eine südlichere Route durch Russland. Damals ging es nördlich vom Schwarzen Meer nach China, diesmal soll es südlich davon, also auf der Seidenstraße, ins Reich der Mitte gehen.
BZ: Und dann?
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Fleck: Danach habe ich mir noch ein paar Varianten offengelassen. Ich habe eine Einladung nach Australien, die ich sehr gerne annehmen würde, aber über China wird das ein wenig kompliziert mit Down Under.
BZ: Wird das Ganze also diesmal eher eine Schwerpunktreise Asien/Australien und keine Umrundung des Globus, wie bei Ihrem ersten Trip?
Fleck: Nein, nein, danach soll es schon weitergehen. Ich möchte erneut immer Richtung Osten fahren und dann im Westen wieder auftauchen. Nach Australien weiß ich derzeit nur noch nicht so genau, ob ich dann in Kanada weitermache oder mich erneut an eine Tour durch Südamerika wagen soll. Aber bis dahin ist es ja noch ein wenig Zeit.
BZ: Afrika haben Sie bislang ausgespart. Und auch die Vereinigten Staaten kamen auf der Route nicht vor. Wäre es nicht reizvoll, sich mal an etwas Neues zu wagen?
Fleck: Dass ich damals nicht durch die USA gefahren bin, hat vor allem mit der eigenartigen Visapolitik dort zu tun. Das Aus- und Einreisen ist in den Vereinigten Staaten sehr schwierig, wenn man sich nicht an die Drei-Monatsfrist halten kann oder will. Und Afrika wollte ich eigentlich immer mal auf einer Extra-Tour durchqueren. Obwohl, wenn ich so überlege: Östlich von Südamerika liegt der schwarze Kontinent. Ich kann ja nochmals drüber nachdenken (lacht).
BZ: Welchen Zeitraum stellen Sie sich denn in etwa vor für Ihre Weltumradlung Nummer zwei?
Fleck: Ich habe mir bislang noch keinen richtigen Zeitrahmen gesetzt, schätze aber, dass ich am Ende wieder an die zwei Jahre unterwegs gewesen sein werde.
BZ: Als Sie 2007 alleine und als Frau mit dem Fahrrad aufbrachen und 2010 nach über 60 000 gefahrenen Radkilometern zurück kehrten, war das schon eine ziemliche Sensation. Lassen sich solche Gefühle überhaupt noch toppen?
Fleck: Also ich habe überhaupt keine Angst vor der Wiederholung, denn es sind immer wieder völlig neue Erlebnisse, die da draußen warten. Ich bin mir zum Beispiel ziemlich sicher, dass die Strecke durch den südlichen Teil der ehemaligen Sowjetunion mit Tadschikistan und Usbekistan ein absolutes Highlight sein wird. Die Ecke kenne ich nämlich noch überhaupt nicht.
BZ: Werden Sie abgeklärter und weniger aufgeregt sein, wenn es im Februar wieder auf die Straße geht?
Fleck: Ich werde wohl genauso enthusiastisch sein wie vor fünf Jahren, gehe aber in jedem Fall deutlich lockerer an die Sache. Damals habe ich im Vorfeld immer überlegt, was alles auf der Reise schiefgehen könnte. Heute weiß ich zum Beispiel, dass man immer irgendwie an ein Visum kommt. Das entspannt mich in der Vorbereitung ungeheuer.
BZ: Wie wollen Sie sich das anstehende Abenteuer finanzieren?
Fleck: Ich lebe immer noch hauptsächlich von den Ersparnissen aus meiner früheren beruflichen Tätigkeit. Und außerdem benötigt man auf Fahrradtouren in der Regel nur wenig Geld: Man braucht kein Benzin und muss, wenn man mit dem Zelt unterwegs ist, auch nur wenig Geld für Übernachtungen einplanen. Die Lebensmittel sind außerhalb von Europa sowieso recht günstig.
BZ: Ende 2010, als Sie stolz und glücklich von Ihrem ersten Globus-Trip zurückkehrten haben Sie sich mächtig gefreut, wieder im Dreiländereck zu sein. Jetzt könnte man meinen, sie hätten hier nur einen Zwischenstopp eingelegt...
Fleck: Mir war schon nach der letzten Reise klar, dass ich hier noch nicht ganz sesshaft werden würde. Es gab dann verschiedene Gründe, weshalb ich mich hier dann tatsächlich nicht auf eine längere Perspektive, etwa in beruflicher Hinsicht, einlassen konnte. Andererseits sind eineinhalb Jahre schon mehr als ein Zwischenstopp, wie ich ihn beispielsweise in Melbourne eingelegt habe.
BZ: Wenn Sie in zwei, drei Jahren von der Reise zurück kehren, werden Sie sich dann vielleicht doch einmal in ein ganz normales Leben integrieren?
Fleck: Also dran gedacht, dann endlich mal sesshaft zu werden, habe ich schon. Ich ja will noch ein Buch oder auch zwei über meine beiden Weltreisen schreiben und Vorträge halten. Außerdem plane ich das Coaching von anderen Radreisenden. Eine entsprechende Ausbildung habe ich ja gerade hinter mir. Ob das dann auch alles so klappt, steht natürlich auf einem anderen Blatt Papier. Das Fahrradfahren werde ich sowieso nicht komplett aufgeben können, eine halbjährige Tour muss immer mal drin sein. Sollte es also nicht so recht klappen mit dem Abschied vom Nomadentum auf zwei Rädern soll mir das genauso recht sein.
ZUR PERSON: DOROTHEE FLECK
Die 49-jährige Computerspezialistin Dorothee Fleck stammt aus der Nähe von Nürtingen (Landkreis Esslingen), lebt aber seit geraumer Zeit im Wiesental. Die begeisterte Radfahrerin hängte im Jahr 2007 ihren gut dotierten Job bei einem Schweizer Pharmaunternehmen an den Nagel und ging auf Fahrrad-Welttour, die sie in 888 Tagen einmal rund um den Globus führte. Bei ihrer Rückkehr im Jahr 2010 standen über 60 000 geradelte Kilometer auf dem Tacho. Flecks Blog im Internet: dorofleck.wordpress.com.
Autor: rbr
Autor: rbr


