Wenn Sie sich diesen Artikel vorlesen lassen wollen benutzen Sie den Accesskey + v, zum beenden können Sie den Accesskey + z benutzen.
15. August 2011
"Unser Dorf ist wunderschön"
Dankeschön und viele Geschenke beim Spieldorf-Abschiedsfest.
-
T-Shirts für alle!! Eine textile Erinnerung an Schwartenhausen und an 20 Jahre Spieldorf durften alle Bewohner am Freitag mit nach Hause nehmen. Foto: Privat/Bergmann
-
Papageienlied zum Abschied: 200 Kinder sangen mit Inbrunst. Foto: Robert Bergmann
-
Traurige Mienen: Viele Eltern besuchten gemeinsam mit ihren Kindern das finale Fest der Schwartenhausener. Foto: Robert Bergmann
STEINEN. "Enke denke minki, a bums dose dinki", krähen über 200 Kinder aus voller Kehle. Sie singen voller Inbrunst das Papageienlied beim Abschlussfest des Spieldorfs Steinen, als wollten sie vergessen machen, dass es nun ein Ende hat mit Schwartenhausen. Doch die zwei Wochen Spiel, Spaß und Freiheit sind rum– zurück ins echte Leben heißt die Devise. Das geht auch manchem der Betreuer und den vielen, auf der Bechtelwiese versammelten Eltern ganz schön nahe.
"Unser Dorf ist wunderschön geworden", schwärmt Kinder- Jugendpfleger Helmut Kolibaba ins Megaphon. Und erntet Zustimmung bei den vor ihm sitzenden Kindern, die hellgrünen Liederbücher noch in der Hand. Kolibaba bedankt sich bei den zahlreichen Unterstützern, dieses 20. Spieldorfs. Die Liste ist lang, sie zeigt welchen Rückhalt die Spieldorf-Aktion des Kinder- & Jugendbüros in der Gemeinde inzwischen erfährt. Da hat die AWO 300 Euro für die T-Shirts gespendet, die die Kinder zum Abschied bekommen. Das neue Zelt stammt von der Firma Rotzler, der VW-Transporter von der Sparkasse. Und selbst die Würste sind an diesem Tag von der Metzgerei Gebhardt gespendet. Kolibaba bedankt sich auch bei jenen Arbeitgebern, die jungen Mitarbeitern den –gesetzlich eigentlich vorgesehenen – Sonderurlaub auch tatsächlich gewährt haben, damit diese ihr Betreuer-Ehrenamt auch ausüben können. Nicht alle Firmen seien so korrekt.Werbung
Ein herrlicher Sommertag ist noch einmal dieser Freitag. Auf den Wiesen drängt sich ein eindrucksvoller Fahrzeugpark, die Eltern stürmen den Dorfplatz. Und wer erstmals vorbeischaut, staunt über die großartige Infrastruktur des Spieldorfs mit Bank, Postamt, Gasthaus und einem Kirchturm, an dem die Zeit stehen geblieben ist. In einer leichten Brise dreht sich das Windrad. "Die Energiewende ist schon in Schwartenhausen angekommen", sagt Steinens Bürgermeister König in seiner Ansprache. Zum Fest ist er nicht mit leeren Händen gekommen. Das Helferteam darf sich über Pizzagutscheine freuen, den Besitzern der Wiesen, auf denen Schwartenhausen steht, dankt König ebenfalls. Dass privater Grund und Boden für die Spieldorf-Aktion seit zwei Jahrzehnten zur Verfügung steht sei nicht selbstverständlich, sagt König. Und selbstverständlich sei es auch keinesfalls, dass eine Gemeinde wie Steinen den Eltern "zwei Wochen verbindliche Ferienplanung anbietet".
Während die Mütter und Väter sich unter die orangenen Sonnenschirme flüchten, und den Hock bei kühlen Getränken und Würschtle genießen, schwärmen die Kinder schon wieder aus in ihrem Dorf. Da wird das letzte Jubelgeld verprasst und gegen Saft und Suppe ausgetauscht. Da wird an einem Tisch Roulette gespielt, als gebe es kein Morgen. Und Assad steht derweil mit zwei anderen Helfern in der prallen Sonne um eine Pizza nach der anderen zu produzieren und in den beiden selbst gebauten Lehmöfen zu backen.
Spät in der Nacht sieht man so manchen jungen Schwartenhausener, wie er sich im Gras sitzend vergebens dagegen sperrt, nach Hause fahren zu müssen. Wer könnte es nicht verstehen? Wie grausam muss es doch für ein Spieldorfkind sein, ein endloses Jahr warten zu müssen, um endlich wieder am Höllbach das Papageienlied anstimmen zu dürfen.
Autor: Robert Bergmann


