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03. August 2012 00:03 Uhr
Weinmesse Colmar
Steve Lukather: Toto lebt von tiefer Freundschaft
Hits wie "Hold the Line", "Rosanna" und "Africa" haben Toto zu Stars gemacht. Ein Interwiew mit Steve Lukather, der mit seiner Band beim Festival der Weinmesse in Colmar auftritt.
1976 in Los Angeles von einer Riege gefragter Sessionmusiker gegründet, die schon an der High School zusammengespielt hatten, wurden Toto zu einer weltweit bekannten Band. Ihr Gitarrist war Steve Lukather. Eine ganze Reihe von Alben und Personalwechseln, kreativen Pausen und Wiedervereinigungen später sind sie erneut unterwegs. Am kommenden Montag treten sie im Konzertprogramm der Weinmesse Colmar auf. Zuvor sprach Alfred Rogoll mit Lukather (54).
BZ: Steve Lukather, 2008 waren Sie das letzte Gründungsmitglied bei Toto. Sie lösten die Band dann auf, warum?
Steve Lukather: Das war nicht mehr meine Band. Die Jungs, mit denen ich groß geworden war, waren weg, der nächste Sänger war fällig, Bassist Mike Porcaro erkrankte gerade an ALS. Und ich war unglücklich mit mir selbst.
BZ: Als die Band dann 2009 in die Music Hall Of Fame aufgenommen wurde, trafen Sie Ihre Mitgründer David Paich und Steve Porcaro wieder...
Lukather: David Paich sprach mich an, er wollte etwas für Mike Porcaro tun. Ich sagte ja, wollte aber Steve Porcaro und Joseph Williams dabeihaben. Wir machten eine Menge Geld für Mike und hatten eine gute Zeit. Da kamen wir auf die Idee, uns zur Sommerzeit zu unserem Vergnügen wieder zu treffen, zu spielen, aber keine Alben mehr und das ganze übliche Zeug zu machen. So macht das Spaß. Und es ist verrückt, wie viele auch junge Leute zu den Shows strömen.
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Lukather: Die Beatles 1964 in der Ed Sullivan Show. Wie eine Landung von Aliens auf der Erde. Das berührte mich tief in meiner Seele. Meine Mutter, sie war erst 20, als ich geboren wurde, hörte viel Top 40 Radio und besonders auch gern Beatles. Und nun, so viele Jahre später, komme ich gerade von einer Tour mit Beatle Ringo Starr. Unglaublich. Mein ganzes Leben dazwischen könnte ein Augenzwinkern gewesen sein.
BZ: Ihr Musikerleben fing früh an...
Lukather: Mit neun oder zehn Jahren begann ich, in Bands zu spielen. Mit elf Jahren verdiente ich erstes Geld. Toto kamen dann im Wesentlichen aus der High School. Ich traf Steve Porcaro mit 15, spielte mit ihm und seinen Brüdern, dann traf ich David Paich. Seitdem ist unsere High-School-Band unterwegs.
BZ: Wie fand sich der Toto-Sound?
Lukather: Das war nichts, was wir je diskutiert hätten. Es entstand aus völlig verschiedenen Backgrounds wie Jazz und Klassik, und ich war der Heavy-Rock-Guy. Wir sperrten uns im Proberaum ein und fingen an zu spielen. Ohne uns darüber Gedanken zu machen.
BZ: Welche Musik hörten Sie in den früheren Tagen Ihrer Karriere?
Lukather: Alles, was rauskam. Das konnte Jazz von Miles Davis, Nu Metal von Slipknot und Motown Soul sein.
BZ: Wie finden Sie die heutige Musik?
Lukather: Eine Menge Müll aus dem Computer. Natürlich gibt es noch große Künstler, doch was im Radio serviert wird, das klingt doch alles gleich. Und was an Events mit viel Elektronik geboten wird, das ist mehr Event als Musik. Heute können viele Leute gar nicht 45 Minuten konzentriert zuhören – anders als wir früher. Wir leben in Zeiten von Wegwerf-Popstars und blöden TV-Shows. Ich übe täglich Stunden, aber für so etwas wollen Leute nicht berühmt werden.
BZ: Wie geht die Geschichte von Ihnen und Toto weiter?
Lukather: Wir touren im August durch Europa, im September durch die USA. Im Januar erscheint mein neues Solo-Album, während neue Toto-Werke momentan an juristischen Gegebenheiten scheitern würden. Nächstes Jahr touren wir mit Toto weltweit anlässlich unserer Erstveröffentlichung vor 35 Jahren.
BZ: Wie steht es um das Innenleben der Band?
Lukather: Wir sind durch Höhen und Tiefen gegangen. Mitglieder, vor allem Sänger, gingen und kamen. Doch der Kern der Band empfindet, wie Kinder, tiefe Freundschaft. Bis heute.
– Colmar, Konzert mit Wishbone Ash und Thin Lizzy, Mo, 6. August, 19 Uhr, Info: BZ-Kartenservice 0761/496 8888.
Autor: Alfred Rogoll



