Stilfrage: Tue Gutes und schweige

Elisabeth Bonneau

Von Elisabeth Bonneau

Sa, 07. Juli 2018

Stilfrage

Bei runden Geburtstagen ist es üblich geworden, um eine Spende für ein soziales Projekt anstelle eines Geschenks zu bitten. Wir beobachten, dass das Geld häufig nicht in die – wie angekündigt – dafür bereitgestellte Box gelegt, sondern in Glückwunschkarten überreicht wird. Was empfehlen Sie uns als Gästen: die anonyme Zuwendung oder den Umschlag mit der Spende?

Soziologen sagen: Der Mensch schenkt, um selbst beschenkt zu werden – mit Dingen oder "nur" mit Dankbarkeit. Soziologen sagen auch: Der Schenkende hebt mit dem, was und wie er es überreicht, den Status des Beschenkten: "Meine Wertschätzung für dich!" Und sie sagen auch: Der Schenker hebt sich selber aufs Podest. "Wie großzügig und einfallsreich ich doch bin!"

Deshalb sehen Gäste es gern, wenn ihre Präsente vor ihren Augen – und denen anderer Gäste – ausgepackt werden. Anonyme Spenden befriedigen diese – meist uneingestandenen – Bedürfnisse nicht. Und wenn wir schon beim Schenken nie ganz selbstlos sind – dann sollte sich die Kreativität, der gute Geschmack, der persönliche Bezug wenigstens in der Gestaltung der Karte manifestieren. Und die Großzügigkeit im sichtbaren Betrag.

Es ist sogar üblich, dass ein Jubilar das Spendenkonto des endgültigen Empfängers benennt und die Geber ihren Obolus direkt überweisen. So genießen sie selbst einen Steuervorteil, was sie meist motiviert, den Spendenbetrag zu erhöhen. Was der Sache am dienlichsten ist und den Jubilar von dem Verdacht frei macht, bei der Überweisung der von ihm gesammelten Spenden selbst einen Steuervorteil ergattern zu wollen.

Das ist schön und sehr vernünftig. Sie können nun von sich aus dem End-Empfänger einen Betrag überweisen und das dem Jubilar mitteilen. Legen Sie aber bitte keine Kopie der Überweisung in eine Karte. Verschweigen sie ihm den – großzügig bemessenen – Betrag. So viel Selbstlosigkeit muss sein.
Die Autorin ist Kommunikationstrainerin
und lebt in Freiburg.