Zur Navigation Zum Artikel

Wenn Sie sich diesen Artikel vorlesen lassen wollen benutzen Sie den Accesskey + v, zum beenden können Sie den Accesskey + z benutzen.

10. August 2012

Stille Helferin mit viel Ausdauer

Doppeljubiläum beim evangelischen Hilfsverein in Wehr.

  1. Erna Lörracher leitet den evangelischen Hilfsverein seit 20 Jahren. Der Verein besteht mittlerweile seit 100 Jahren. Foto: Hansjörg Bader

WEHR. Der evangelische Hilfsverein in Wehr kann dieses Jahr ein doppeltes Jubiläum feiern: Die sozial und karitativ ausgerichtete Organisation besteht seit 100 Jahren. Seit 20 Jahren wird sie von Erna Lörracher geleitet.

Lörracher war lange Zeit auch Schriftführerin. 50 Mitglieder zählt der Verein derzeit. Den Vorstand bilden neben Lörracher Pfarrer Martin Rathgeber (Vizevorsitzender kraft Amtes), Andrea Marte (Rechnerin) und Waltraud Klott (Schriftführerin).

Wann der Verein genau gegründet wurde, darüber gibt es nur vage Aufzeichnungen. Im August 1912 veröffentlicht die damalige Lokalzeitung Wehrataler eine Notiz des Säckinger Tagblattes, darin wird von 149 Mitgliedern berichtet, die sich seit Gründung des Hilfsvereines vor einem halben Jahr diesem angeschlossen hätten. 39 Kranke seien in ihren Wohnungen gepflegt, 981 Stunden aufgebracht und 123 Arbeitsstunden dabei zusammengekommen. Um all dies bewältigen zu können, musste für einige Zeit eine zweite Diakonissin angestellt werden. Ein solcher Verein sei für die Kirchengemeinde absolut notwendig gewesen, heißt es in der Pressemeldung aus dem Jahr 1912.

Werbung


Mit öffentlich gemachten Berichten hielt sich der Verein in den folgenden Jahrzehnten spürbar zurück, wohl auch beim Schreiben von Protokollen. Er wirkte stets im Stillen, ohne Aufhebens. Erst 1950 mit Pfarrer Hans-Georg Meerwein wurde es lebendiger um den Verein. Von damals gibt es Aufzeichnungen und Tätigkeitsberichte. Dort ist zu lesen, dass wohlhabende und betuchte Wehrerinnen evangelischen Glaubens mit großem Engagement und persönlichen Opfern den Verein führten und unterstützten. Sie suchten die Nähe zu den in Wehr tätigen katholischen Hausschwestern und halfen ihnen bei der Finanzierung eines Autos. So konnte viel mehr mobilere und gemeinsame Hilfe geleistet werden.

Aufgaben haben sich gewandelt

Der Verein selbst stand Minderbemittelten und Obdachlosen bei, sorgte sich um gestresste Mütter und organisierte Fahrten für sie, damit sie wenigstens für einige Stunden dem Alltagstrott und den Familienaufgaben entfliehen konnten. Öfter ist in der Presse von gemeinsamen Fahrten des Hilfsvereins und dem Frauenverein des Roten Kreuzes zu lesen. Auch wurden zu Weihnachten Päckchen an Arme verteilt.

Heutzutage sieht das Aufgabenspektrum etwas anders aus, aber Hilfe leistet der Verein nach wie vor. Er verteilt in beschränktem Umfang Lebensmittelgutscheine an Bedürftige und Nichtsesshafte, hilft Familien in Not und solchen, die nicht das nötige Geld für die obligatorische Konfirmandenfreizeit ihrer Kinder aufbringen können. Am Buß- und Bettag sind Senioren zu Gast. Früher kamen sie immer im Advent. Der Termin wurde vorverlegt, weil der Bußtag als gesetzlicher Feiertag gestrichen wurde, die Wehrer ihn aber in Erinnerung behalten möchten. Der Verein leistet meistens nur kleinere Hilfen. "Bei 50 Mitgliedern und einem Jahresbeitrag von 10 Euro können wir nicht alle Hilfsgesuche berücksichtigen, wir versuchen aber alles gerecht zu gestalten", sagt Erna Lörracher.

Die 76-Jährige gehört dem Hilfsverein seit mehr als einem halben Jahrhundert an. Vor 20 Jahren übernahm sie den Vorsitz. Lörracher erfüllt noch zwei weitere Ämter innerhalb der Kirchengemeinde: Sie ist Schriftführerin des Kirchenchores und Kirchendienerin.

Autor: Hansjörg Bader


0 Kommentare

Damit Sie Artikel auf badische-zeitung.de kommentieren können, müssen Sie sich bitte einmalig bei Meine BZ registrieren. Bitte beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.



Weitere Artikel: Wehr