Stimmen, stimmen, immer wieder stimmen

Sarah Nöltner

Von Sarah Nöltner

Mo, 08. Januar 2018

Klassik

Das Landesjugendbarockorchester konzertierte nach seiner Freiburger Weihnachtsarbeitsphase.

Mutige Jugendliche, die sich bewusst aufs darmsaitige Stimmungsglatteis einlassen und auf historischen Instrumenten versuchen, sich dem Originalklang der Barockmusik anzunähern, konzertierten in der übervollen Freiburger Friedenskirche, nachdem sie am Tag vorher in der Michaelskirche in Grenzach-Whylen aufgetreten und am gestrigen Sonntag zu Gast in Waldshut waren. Die Ergebnisse der Weihnachtsarbeitsphase des Landesjugendbarockorchesters sind beachtlich, auch wenn das Ensemble sich nach dem für Jugendorchester üblichen Generationenwechsel noch finden muss. Seit 2015 haben begabte jugendliche Instrumentalisten aus Baden-Württemberg die Möglichkeit, sich unter Anleitung der Spezialisten des Freiburger Barockorchesters mit der historisch informierten Aufführungspraxis auseinander zu setzen.

Stimmen, stimmen und immer wieder stimmen, die Darmsaiten der Streichinstrumente sind anspruchsvoll, sie reagieren unverzüglich auf Schwankungen der Luftfeuchtigkeit und der Temperatur. Nicht nur zwischen den Werken, sondern auch zwischen den Sätzen musste Gerd-Uwe Klein, der Leiter des Ensembles, die Instrumente der jungen Musiker nachstimmen. Dem gegenüber wirkte das sonst in dieser Hinsicht oft mimosenhafte Cembalo fast schon stoisch. Die es umgebenden Streichinstrumente waren in diesem Konzert diejenigen, die eine extra Pflege benötigten.

So war es auch nicht verwunderlich, dass die Intonation der Musiker und Musikerinnen nicht immer ganz rein war, zumal das vibratofreie Spiel keine Möglichkeit lässt, kleine Griffunsauberkeiten zu kaschieren. Umso beachtlicher war der sichere Umgang der jungen Instrumentalisten mit den historischen Bögen, mit denen sie eine Fülle von Affekten auszudrücken verstanden. Aparte Wechsel zwischen energischem Rubato, in die Tiefe gehendem Legato und fliegendem Spiccato machten die Sinfonia op 2 Nr. 4 von Michael Ernst Heinsius lebendig. Das wechselseitige Zuspiel der ersten und der zweiten Violinen gestalteten die Jugendlichen plastisch.

Bei Antonio Vivaldis Violinkonzert Op. 9 Nr. 5 traten Esther Danckaert und Lara Stegen als Solistinnen hervor. Auch ihnen spielte die fehlende Stimmstabilität intonatorische Streiche. Dennoch war das Klangspektrum, das sie ihren Instrumenten ganz ohne Vibrato entlockten, beeindruckend. Die aus Rheinfelden stammende Blockflötistin Johanna Boehm begeisterte als Solistin mit ihrem differenzierten Spiel bei Telemanns Ouvertüren-Suite TWV 55:a2. Fein artikuliert, technisch souverän und musikalisch ausdrucksstark: Johanna Boehm hat ihren eigenen Zugang zu Telemanns Musik gefunden, und sie verstand es, ihr Publikum daran teilhaben zu lassen. Es beeindruckte insgesamt, mit welcher Offenheit, mit welchem Mut und Souveränität sich die jungen Musiker und Musikerinnen den stimmungsbedingten Tücken der historischen Instrumente stellten.