STIMMEN

Yvonne Weik

Von Yvonne Weik

Do, 20. November 2014

Freiburg

Die besten Sprüche der Stadiondebatte

Braucht Freiburg ein neues Fußballstadion am Wolfswinkel oder nicht? Am Dienstag drehte sich im Gemeinderat alles um diese Grundsatzfrage. Vor der Abstimmung wurde diskutiert und argumentiert. Ein Überblick:

OB Dieter Salomon verspricht um 16.31 Uhr: "Ich fasse mich kurz." Was der OB da noch nicht weiß: Debatte und Abstimmung werden insgesamt fast vier Stunden dauern.

Salomon zum SC: "Ich kenne Linke und Rechte, Alte und Junge, Dicke und Dünne. Sie alle Fiebern mit dem SC mit. Der SC ist Leidenschaft pur. Wir sollten alles dafür tun, dass das so bleibt."

Maria Viethen (Die Grünen) kritisiert die Gegner: "Wenn man sich die schrille Diskussion im Stadtteil Mooswald anhört, könnte man denken, wir wollen ein Kohlekraftwerk oder eine Chemiefabrik bauen. Liebe Leute, es geht um ein Fußballstadion."

Wendelin von Kageneck (CDU) bringt’s auf den Punkt: "Der SC ist fast ein Stück Kultur."

Renate Buchen (SPD) zum Schwarzwaldstadion: "Der Alt-Standort ist an seinem Ende angekommen. Da beißt die Maus keinen Faden ab!"

Fraktionskollege Stefan Schillinger sagt zu den geschätzten 38 Millionen Euro für die Infrastruktur: "Es soll ja Großprojekte gegeben haben, die ein bisschen teurer geworden sind, als man gedacht hat."

OB Salomon fasst die SPD-Redebeiträge von Buchen und Schillinger süffisant zusammen: "Die Zeiten, dass der Fußball ein Männersport war, sind lange vorbei: Die SPD-Frauen stimmen zu, die Männer sind dagegen."

Michael Moos (Unabhängige Liste) hält die Kosten für kein gutes Argument: "Dann müssen Sie in ein paar Wochen auch gegen die 30 Millionen Euro fürs Augustinermuseum stimmen."

Lothar Schuchmann (Unabhängige Liste) will den SC nicht zwingend in der Stadt halten: "Ich bin sicher, es hätte in den Umlandgemeinden Standorte gegeben. Man hat es nicht intensiv weiter versucht."

Sergio Schmidt (Junges Freiburg – die Partei – Grüne Alternative Freiburg, JPG) sorgt mit dem ersten Satz seiner Rede für Gelächter: "Ich werde auch nichts Neues sagen können, das tut mir Leid für die Leute da oben. Aber es ist ja üblich, dass man trotzdem etwas sagt."


Wolf-Dieter Winkler (FL/FF): "Uns befällt ein Unwohlsein bei den Millionensummen. Die Kostenschätzung ist zum Vorteil des SC geschönt."

Während der Rede schüttelt Salomon öfters den Kopf, danach sagt er zu Winkler: "Das war jetzt massiv. Da stellt sich mir die Frage, ob Sie das ernst meinen." Später legt der OB nach: "Was man nicht machen kann, Herr Winkler: So wenig Ahnung von den Dingen zu haben und alle anderen für Vollidioten zu halten."

Winkler verteidigt seine Fraktion: "Wir tun nicht so, als seinen wir gescheiter. Wir legen die Finger in die Wunde."

Johannes Gröger (Freie Wähler) kritisiert den Ratskollegen ebenfalls: "Das war jetzt nichts, Herr Winkler. Sie sind mit einer Ignoranz über Tatsachen hinweggegangen. Sie haben Ihren Wortbeitrag auf falschen Grundlagen aufgebaut – damit ist er nichts wert."

Bertold Bock (CDU) sagt’s mit den Worten des Freiburger Alt-OB: "Der OB Böhme hätte auf Badisch gesagt: Wenn du’s Maul gehalten hättesch, hätt’ keiner g’merkt, dass du nix weisch."

Patrick Evers (FDP) erläutert die Standortfrage fast schon philosophisch: "Es gibt nicht absolute Sicherheit, dass der Standort Wolfswinkel der einzig denkbar und einzig seligmachende ist. Aber nach allem, was wir heute wissen, könnte er der geeignetste Standort sein."

Baubürgermeister Martin Haag ärgert sich: "Wenn ich höre, dass viele von Ihnen gar nichts dazu sagen, wie es ohne ein neues Stadion aussieht, dann wird mir Angst und Bange."


Coinneach McCabe (JPG) kritisiert das neue Stadionkonzept: "Es sollte mehr Stehplätze geben. Das wird sonst ein Luxusprojekt."

Karl-Heinz Krawczyk (FL/FF) prognostiziert eine Klage: "Glauben Sie nicht an das Märchen fehlender Alternativen, lehnen Sie den Standort ab. Er wird eh’ vor Gericht durchfallen."

Matthias Müller, Leiter des Rechtsamtes der Stadt, weist energisch Vorwürfe zurück, der Standort Wolfswinkel habe ein Lärmproblem: "Die Antwort heißt: 400 Meter." So groß ist der Abstand zum Nachbar-Wohngebiet.

Hauptamtsleiter Adrian Hurst liest bei der namentlichen Abstimmung vor: "Dr. Waldenspuhl". "Haben Sie heimlich Ihre Dissertation gemacht?", fragt Salomon.

Witziger Moment während der Debatte. Maria Viethen stockt plötzlich in ihrem Redebeitrag: "Ob Sie's glauben oder nicht: Ich habe das falsche Dokument ausgedruckt", sagt sie beim Umblättern. "Trotzdem bleibt das bisher Gesagte gültig", antwortet der OB. Im Ratssaal wird laut gelacht.

SC-Präsident Fritz Keller war als Zuhörer bei der Sitzung: "Wichtig wird es sein, die Leute beim Bürgerentscheid vom Sofa hochzukriegen."

OB Dieter Salomon bedankt sich nach fast vier Stunden: "Diese Debatte war sachlich – bis auf die Beiträge von Herrn Winkler und Herrn Krawczyk. Das war Polemik." Das ruft auch ein Besucher laut von der Tribüne hinab. Es gibt Applaus. Salomon dankt auch den geduldigen Zuhörern auf der Tribüne: "Sie waren fair und sportlich. Beehren Sie uns auch bei weiteren Themen!"

Den kompletten Liveticker zum Nachlesen gibt’s im Internet auf mehr.bz/stadionticker