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12. Dezember 2008

Stimmungsbilder aus Paraguay

Gitarrist Julio Cesar Cristaldo

  1. Der 13-jährige Gitarrist Julia Cesar Cristaldo aus Paraguay Foto: PRO

STAUFEN-WETTELBRUNN. Ein furioses Konzert gab der dreizehnjährige Gitarrist Julio Cesar Cristaldo im Rahmen der Staufener Gitarrentage im Bürgerhaus. Wenn es je ein "Wunderkind" gab – für den jungen Musiker aus Paraguay gilt diese Bezeichnung wahrhaftig. Zu der Veranstaltung, die so gut besucht war, dass noch zusätzliche Sitzplätze geschaffen werden mussten, hatte die Gesellschaft Staufen-Paraguay eingeladen.

Julio Cesar Cristaldo bestritt den Löwenanteil des Zwei-Stunden-Programms mit anspruchsvollen 20 Vorträgen – die Zugaben nicht gerechnet. Bereichert wurde das Konzert noch durch den Auftritt des 15-jährigen Klarinettisten Adrian Immen Martinez und des Gitarrenlehrers Ralf Schnackenberg.

Zum Auftakt präsentierte Julio einige Stücke für klassische Gitarre, die im Standardprogramm keines Sologitarristen fehlen dürfen: Spanische Tänze von Gaspar Sanz, eine komplizierte Gavotte von Johann Sebastian Bach, das berühmte Preludio Nr. 1 von Heitor Villa-Lobos. Kompositionen im klassischen Stil von Mauro Giulani – Allegro de la Sonata op. 15 – und Ernesto Mendez – Dos Hermanos – fehlten nicht. Man traute seinen Augen und Ohren kaum, wie das junge Genie diese anspruchsvolle Literatur mit geradezu perfekter Technik und zauberhaftem Gestaltungsausdruck souverän beherrschte. Und das scheinbar mühelos und immer mit einem strahlenden Lächeln.

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Noch mehr aus sich heraus ging Julio Cesar Cristaldo bei den Folklorestücken aus seiner Heimat, kleine Stimmungsbilder, die für die klassische Gitarre arrangiert sind. Komponistennamen wie Barrios, Abente, Guerrero oder Echeveria tauchten in diesem Zyklus auf. Die kleinen Charakterstücke beschreiben auf entzückende musikalische Art typische Szenen aus Cristaldos Heimat: Die ländliche Arbeit, das Fest mit Freunden, romantische Zusammenkünfte zwischen Liebenden, eine verliebte Serenade – aber auch das lustige Gegacker von Hühnern und das schmerzliche Heimweh nach dem eigenen Dorf.

In all diesen Interpretationen, die höchste Ansprüche an die gitarristische Technik und das Interpretationsvermögen stellten, erwies sich der junge Meister als souveräner, in sich ruhender Könner. Der gemeinsame Auftritt mit seinem Freund Adrian Immen Martinez geriet zum herrlichen Duett-Spiel von Gitarre und Klarinette. Eine hinreißenden "Danza espanola" von Granados hatten die beiden jugendlichen Musiker sich für das begeisterte Publikum ausgesucht. Ein Solostück für den jungen Klarinettisten Martinez – Klarinettenkonzert Nr. 3 von Stamitz – durfte natürlich nicht fehlen. Die sauberen Klarinettenklänge wurden am Klavier begleitet von Dorothea ter Haar.

Ein weiteres Highlight war der gemeinsame Auftritt des jungen Julio Cesar Cristaldo mit dem Gitarristen Ralf Schnackenberger; die "Improvisationen in Flamenco" rissen die Leute förmlich von den Stühlen. Eine der Zugaben bestand darin, dass Julio Cesar das Badener Lied spielte – zum Mitsingen für das Publikum. Eine liebevolle und dankenswerte Geste des jungen musikalischen Genies an die Gastgeber. Info: Am Sonntag, 14. Dezember, 11 Uhr, gibt Julio Cesar Christaldo ein Konzert im Kunstpalais am Schlossplatz in Badenweiler.

Autor: Bianca Flier