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03. April 2009 12:21 Uhr
Nato-Gipfel
Straßburg: Die Sicherheitszone im Zentrum
Die Straßburger Innenstadt wirkt wie ausgestorben, niemand isst Eis im Sonnenschein, keiner bummelt die Schaufenster entlang. Während des Nato-Gipfels haben nur diejenigen mit Genehmigung Zutritt zum Zentrum– auch BZ-Redakteurin Annemarie Rösch.
STRASSBURG. So wird man Straßburg nicht so schnell wiedersehen: Die Place Broglie, mitten im Zentrum der Stadt, ist fast wie ausgestorben. Das Cafe an der Ecke, das am Vortag noch von Menschen bevölkert war, ist zu. Am Kiosk davor stehen nur zwei Journalisten mit Kameras und Stativen. Sie trinken einen Kaffee. Wie alle, die am Platz auf die Straßenbahn warten, tragen sie eine Kette in den Farben der Nato: blau, hellblau und weiß. Nur wer eine solche Kette trägt, darf am heutigen Freitag in weite Teile der Innenstadt Straßburgs.
KAUM EIN MENSCH IST ZU SEHEN
Mit Gittern sind weite Teile des Zentrums abgesperrt. Überall stehen Polizisten, die kontrollieren, ob die Passanten Zutritt zum abgesperrten Bereich haben. Die Uniformierten sollen verhindern, dass Demonstranten in die Stadtbezirke eindringen, wo am frühen Freitagabend die Staats- und Regierungschefs tagen werden. Ereignisse wie am Vorabend, als vermummte Nato-Gegner in Außenbezirken von Straßburg gegen die Polizei vorgingen und Schaufenster einschlugen, sollen sich ganz in der Nähe der hochrangigen Politiker nicht wiederholen. An der Straßenbahnlinie, die zum Kongresszentrum führt, wo die Vertreter der Nato-Staaten tagen werden, stehen immer wieder Polizeiautos. Polizeimotorräder fahren in schnellem Tempo vorbei. Kein Auto. Nirgends. Dann ein paar Polizisten auf Pferden.
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An der Böschung der Ill blühen die ersten Forsythien. Eltern mit ihren Kindern spazieren am Flussufer entlang. Alle Straßburger Schüler haben heute frei. Auch die Universität ist an den Tagen des Gipfels geschlossen. An der Place de la Republique ist kaum ein Mensch zu sehen. Bei schönem Frühlingswetter sitzen dort sonst Studenten auf der Wiese. Die Straße, Plätze und Parks der Innenstadt gehören heute nur den Bewohnern des Viertels und den wenigen Besuchern mit einer Sondergenehmigung.
DIE MEISTEN WERDEN DIE REGIERUNGSCHEFS NICHT ZU GESICHT BEKOMMEN
In der Straßenbahn ist das Sprachengewirr groß: Englisch, Deutsch, Französisch, Spanisch, Türkisch, Arabisch, Indisch ist zu hören. Aus aller Welt sind Journalisten angereist, um über den Gipfel zum 60. Jahrestag der Nato-Gründung zu berichten.4000 sollen es insgesamt sein. Die Journalisten aus Ländern mit autoritären Regierungen tragen Anzüge, die Europäer pflegen eher den lässigen Look. Vor dem Medienzentrum in den Messehallen stehen Übertragungswagen. Die Journalisten müssen ihre Taschen kontrollieren lassen. Als es Panne beim Durchleuchten des Gepäcks gibt und die Sicherheitsleute um Geduld bitten, werden die ersten nervös: "Das gibt's doch nicht", meckert ein deutscher Journalist. Viele wollen schon gleich eine Geschichte über das Großereignis an ihre Heimatredaktionen schicken. Die meisten Journalisten werden allerdings erst gar nicht in die Nähe der Staats- und Regierungschefs kommen. Der innerste Zirkel ist auch für sie tabu. Im Medienzentrum hängen Großleinwände. Dort ist zu sehen, wie Frankreichs Staatspräsident Nicolas Sarkozy gerade seinen amerikanischen Amtskollegen Barack Obama empfängt.
Doch nicht allein der Gipfel scheint die Journalisten aus aller Welt zu bewegen. Ein Mann mit slawischem Akzent brüllt in sein Handy: "Hier reden alle über den Freiburger Oberbürgermeister." Die deutsche Ökohauptstadt hat offenbar auch im Fernen Russland Ruhm erlangt.
Autor: Annemarie Rösch
