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12. August 2017

Wo Straßengestaltung ein Kinderspiel ist

BLICK INS ELSASS: Die Rue du Jeu-des-Enfants wurde verkehrsberuhigt, unter Einbeziehung der Anwohner neu gestaltet – und hat nach zwei Monaten schon Kultstatus.

  1. Keine Hupkonzerte mehr, dafür viel Atmosphäre: Die Rue du Jeu-des-Enfants hat gewonnen. Foto: TELI

STRASSBURG (teli). Es ist nur ein Katzensprung von der Ortenau ins Elsass und in die quirlige Europastadt Straßburg. Was sich jenseits des Rheins tut, beleuchtet immer samstags unser "Blick ins Elsass". Diesmal unter anderem mit neuem aus der Barszene.

Hubkonzerte Adé

Wo sich früher häufig Hubkonzerte genervter Autofahrer entwickelten, ist inzwischen ein Ort entstanden, der nach zwei Monaten schon fast Kultstatus hat: Die Rue du Jeu-des-Enfants in unmittelbarer Nähe zum Place Homme de Fer ist nicht nur einfach zur Fußgängerzone erklärt, sondern gemeinsam mit Einzelhändlern, Restaurantbetreibern und Anwohnern in einem sogenannten Co-Working-Prozess umgestaltet worden. Hölzerne Terrassen sind entstanden, die aber nicht nur dem Kommerz dienen, sondern auch für Aufenthaltsqualität sorgen sollen. Die Podeste ragen unterschiedlich weit in den Straßenraum, Pflanzen in Töpfen und Bottichen sorgen für eine besondere Atmosphäre. Und weil die Stadt kein Geld für die Erneuerung des Straßenbelags hatte, haben die Anwohner gemeinsam zu Farbe und Pinsel gegriffen und bunte Pflastersteine aufgemalt. Street Art haben sie zusammen zum Motto für ihre Straße erklärt, davon gibt es, von der Straßenbemalung einmal abgesehen, noch nicht viel, aber das soll noch werden. Die Rue du Jeu-des-Enfants ist nicht fertig und soll es auch nicht werden. Sie soll sich als Ort ständig verändern und weiterentwickeln – und jedes Jahr im Juni in ihrer jeweils aktuellen Form wieder eingeweiht werden. Die Straßburger haben nicht lange gebraucht, um sich an die Veränderungen zu gewöhnen und die neuen Terrassen für sich zu entdecken. Damit die Bars und Restaurants den Verkehr als Lärmquelle nicht einfach ablösen, wurde eine gemeinsame Charta erarbeitet. Sollte sich das zusammen entwickelte Konzept bewähren, könnte es als Blaupause für die Umgestaltung weiterer Straßen in der Straßburger Innenstadt dienen.

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Happy Hour ohne kaffee?

Kein Kaffee nach 17 Uhr? In Straßburg haben sich Besucher von Cafés und Bars sowohl bei der Präfektur als auch bei Verbraucherorganisationen darüber beschwert, dass sie am späten Nachmittag oder frühen Abend keinen Kaffee mehr serviert bekommen. Die Betreiber der Bistros – meist mit Außenbewirtung – rufen zu bestimmten Zeiten lieber eine Happy Hour aus, also einen Zeitraum, in dem alkoholische und nicht alkoholische Cocktails zu einem speziellen Preis angeboten werden. Weil diese Kunden dazu häufig noch Kleinigkeiten zu essen bestellen, sind sie lieber gesehen als Gäste, die – aus Sicht der Gastronomen – kaffeetrinkender Weise Plätze blockieren. Erlaubt ist ein solches Vorgehen jedoch nur dann, wenn es entweder gut sichtbar auf einer Tafel oder auf der Karte beschrieben steht, damit der Kunde sofort darüber im Bilde ist, was er zu welchen Zeiten bestellen kann und was nicht. Ansonsten ist die Weigerung, Kaffee zu servieren sogar strafbar und kann ein Bußgeld bis zu 1500 Euro nach sich ziehen.

Stabile BesucherZahlen

Was den Tourismus angeht, hat der Sommer in Straßburg vielversprechend begonnen: Die Besucherzahlen sind mindestens stabil geblieben, teilweise auch leicht angestiegen. Für Juni und Juli melden die Hoteliers ein Plus von einem bis drei Prozent in der Auslastung. Allerdings: Gebucht werden vorzugsweise Zimmer in günstigen Kategorien; viele Reisende entscheiden sich erst in letzter Minute für eine Übernachtung in der Europastadt. Obwohl das Wetter in beiden Monaten recht sommerlich war verzeichneten die zehn Straßburger Museen einen Besucherzuwachs von neun Prozent – das war sonst eher in sehr verregneten Sommern der Fall. 23 Prozent mehr Touristen als im gleichen Zeitraum des Vorjahres haben den Minizug genutzt, mit dem das Münsterquartier und das Altstadtviertel La Petite France erkundet werden kann. Ermuntert durch die Beliebtheit des Zügleins, das schon mehrfach totgesagt worden war, wird in Straßburg nun über einen zweiten Rundkurs nachgedacht: Der soll durch die Neustadt führen, die erst Anfang Juli zum Weltkulturerbe erklärt wurde. Die Zunahme von Touristen aus Japan und China wird in Straßburg auf die Werbung zurückgeführt, die im fernen Osten gemacht wurde. So wie ein Mini-Weihnachtsmarkt in Tokio veranstaltet wurde, wird nun überlegt, diesen nach Seoul zu exportieren. Angestiegen ist in den vergangenen beiden Monaten auch wieder die Zahl der französischen Besucher in der Europastadt. Durch den TGV bleiben viele von ihnen jedoch nur für einen Tag in Straßburg.

Sommerprogramm

Straßentheater: Farbenprächtig und ausgelassen verspricht das dreitägige Straßentheater-Festival in Straßburg zu werden. Es wurde, wie berichtet, diesen Freitag eröffnet und dauert bis Sonntag. Die Plätze in der Innenstadt werden zu Bühnen – der Eintritt ist immer frei. Das komplette Programm ist im Internet unter http://www.ete.strasbourg.de zu finden.

Freund Fritz (Ami Fritz) feiert seine Hochzeit in diesem Jahr am Montag und Dienstag (der 15. August ist Feiertag im Elsass). Am Montag um 17 Uhr wird der Markt der heimischen Produkte eröffnet, um 18 Uhr werden elsässische Trachten vorgestellt und um 18.45 Uhr zeigt sich das Hochzeitspaar erstmals den Festgästen. Auf den Folkloreabend folgt um 23.30 Uhr das Feuerwerk, danach wird weitergefeiert. Mit einer Messe und einem Fronleichnamszug beginnt um 9.45 Uhr der Dienstag, um 11.30 Uhr wird der Ehevertrag unterzeichnet und um 14 Uhr versammelt sich der Hochzeitszug. Die kirchliche Hochzeit wird um 15.15 Uhr nachgestellt, es folgen Umzug und folkloristische Darbietungen in den Straßen.

Autor: teli