Müllheim

Streit um den Eichenwald: Stadt widerspricht Raubbau-Vorwürfen

BZ, Susanne Ehmann

Von BZ-Redaktion & Susanne Ehmann

Mi, 23. Januar 2019 um 10:32 Uhr

Müllheim

Die Fraktion ALM/Bündnis 90 Die Grünen spricht von einem Orkan der im Müllheimer Stadtwald gewütet habe. Die Stadtverwaltung wehrt sich: Es werde keine Raubbau betrieben.

Mit der Forderung, die aktuellen Holzfällarbeiten im Eichwald umgehend zu stoppen, und dem eindringlichen Zusatz "Eilt sehr!" hat sich die Gemeinderatsfraktion ALM/Die Grünen zu Beginn der Woche an Müllheims Bürgermeisterin Astrid Siemes-Knoblich gewandt.

Entlang des Eselwegs und des Sonnenbücklewegs seien in der vergangenen Woche "die ganzen großen Buchen und Eichen gefällt worden. Teilweise sieht es aus, als ob ein Orkan gewütete hätte", heißt es in dem Brief. Von Wald könne nicht mehr gesprochen werden. Und noch mehr große Bäume seien für die Fällung markiert worden, etwa am Waldrand unterhalb der Grillhütte am Rüttackerweg in Richtung Müllheim. Diese Vorgehensweise müsse umgehend gestoppt werden. Bereits im vergangenen Jahr hatte der Stadtrat die Forstverwaltung aufgefordert, sensibler mit dem Eichwald umzugehen (BZ vom 14. April 2018). Dies, so die Fraktion nun in ihrem offenen Brief, habe aber "offenbar keinerlei Wirkung" gezeigt.

Fraktion fordert eine erneute Debatte im Gemeinderat

Auch wenn der Stadtrat dem Forsteinrichtungswerk vor zwei Jahren zugestimmt hatte, sei dies kein Freibrief so vorzugehen. Zur Erinnerung: Die ALM/Die Grünen-Fraktion hatte den vereinbarten Hiebsatz schon damals als zu hoch angesehen, vier Stadträte hatten gegen das neue Forsteinrichtungswerk gestimmt (BZ vom 11. August 2017). Nun fordert die Fraktion, die Holzfällarbeiten im Eichwald zu beenden und die Pläne des Forstamtes für den Eichwald im Gemeinderat noch einmal neu zu diskutieren. "Dazu müssen konkrete und zuverlässige Informationen und Zahlen vorliegen." Durch den massiven Holzeinschlag gehe der Eichwald als Naherholungsgebiet verloren, heißt es zum Schluss.

Die Stadt Müllheim allerdings sieht in ihrer Stellungnahme zum offenen Brief der ALM/ Die Grünen nach eigenen Worten keine Veranlassung, die Holzfällarbeiten im Eichwald zu stoppen und verwehrt sich "entschieden dagegen, dass in diesem Zusammenhang von Raubbau gesprochen" werde.

Stadt: Dominante Buche muss zurückgedrängt werden

2017 habe der Gemeinderat in öffentlicher Sitzung mit großer Mehrheit die Umsetzung des neuen Forsteinrichtungswerks beschlossen, in dem auch die künftigen Schwerpunkte in der Waldbewirtschaftung festgeschrieben wurden, heißt es von Seiten der Stadt. Vorausgegangen seien dazu intensive Beratungen im Hauptausschuss und Waldbegehungen mit Erläuterungen vor Ort. Dabei habe sich der Gemeinderat ausdrücklich zum Erhalt des Eichwalds und der dafür erforderlichen Maßnahmen sowie einer nachhaltigen Waldbewirtschaftung bekannt. Dieses Ziel beinhalte zwei wesentliche Bausteine: die konsequente Zurückdrängung der dominanten Buche und die Verjüngung der Eichenbestände, wo immer möglich durch Naturverjüngung.

Die Waldbewirtschaftung erfolge dabei immer auch unter Abwägung verschiedener Faktoren: etwa der Berücksichtigung der besonderen Erholungsfunktion, punktueller und nicht flächenhafter Eingriffe, der Schonung von Biotopflächen und der Förderung von Blühpflanzen und des damit einhergehenden Insektenwachstums durch mehr Licht in den Waldflächen.

Wirtschaftliche Nutzung des Altholzes vorgesehen

Man stelle daher fest, so die Stadt, "dass sich die bisher erfolgten Waldbewirtschaftungsmaßnahmen und somit auch der Holzeinschlag im Einklang mit den Festsetzungen der Forsteinrichtung befinden". So würden mit der Durchforstung der Bestände in den Bereichen Eselweg und Sonnenbückleweg größere Buchen mit einem Stammdurchmesser von mehr als 60 Zentimetern herausgenommen, um die Eiche als Lichtbaumart gezielt zu fördern.

Des Weiteren sehe das Forsteinrichtungswerk eine wirtschaftliche Nutzung der Altholzbestände vor, auch als wichtige Voraussetzung für eine erfolgreiche Verjüngung der Eichenbestände. Nach sorgsamer Abwägung sei deshalb eine moderate Erhöhung der Verjüngungsflächen im Eichwald festgelegt worden, erklärt die Stadtverwaltung.