Fasnetrufer versus BNZ

Jetzt ist aber Schluss mit lustig

Joachim Röderer

Von Joachim Röderer

Sa, 12. Januar 2019

Freiburg

Streit unter Freiburger Narren: Die Fasnetrufer haben ihre Auftritte bei Veranstaltungen der Breisgauer Narrenzunft abgesagt.

FREIBURG. Gar nicht so lustig geht es gerade bei den Freiburger Narren zu. Die Zunft der Fasnetrufer und die Dachorganisation Breisgauer Narrenzunft liegen heftig im Clinch. Die Folge: Die Fasnetrufer boykottieren Auftritte bei BNZ-Veranstaltungen wie Kappensitzung und Rathaussturm. Entzündet hat sich der Streit an einer närrischen Ehrung für den neuen Oberbürgermeister. Die Fasnetrufer werfen der BNZ vor, sie habe zu hintertreiben versucht, dass Martin Horn am 2. Februar die Ehrenmütze mit dem Katzenschwanz entgegennimmt. Die BNZ dementiert energisch.

Die Fasnet rückt näher. Und was machen die Freiburger Narren? Sie streiten. Die Zunft der Fasnetrufer hat bei einem Pressegespräch am Freitag verkündet, dass das Tischtuch mit der BNZ, dem Dachverband aller 34 Freiburger Zünfte, zerschnitten ist. Die Fasnetrufer haben ihre Konsequenzen gezogen. Die Akteure der Erznarrenzunft Nummer eins werden dieses Jahr nicht am BNZ-Altennachmittag und am Kappenabend am 16. Februar teilnehmen. Sie sind nicht dabei auf dem Rathausbalkon am Schmutzigen Dunschdig und sie stehen auch nicht für die Moderation des großen Fasnetmendigumzugs zur Verfügung. Bislang haben die Fasnetrufer bei den närrischen Events stets eine tragende Rolle gespielt, bei den BNZ-Kappenabenden gut die Hälfte des Programms gestellt und auch Regie geführt."Es geht um fehlende Wertschätzung, um mangelnden Respekt", erklärt Fasnetrufer-Zunftvogt Alexander Schöpe die Gründe für den Rückzug.

Der Zwist zwischen der BNZ-Spitze und den bekanntermaßen selbstbewussten Fasnetrufern schwelt schon lange. Das Fass zum Überlaufen gebracht haben nun offenbar die Geschehnisse um die geplante Überreichung der berühmten Katzenschwanz-Ehrenmütze an Neu-OB Martin Horn. Das Mützenzeremoniell geht stets beim Zunftabend vor geladenen Gästen über die Bühne. Laudator in diesem Jahr ist der Freiburger Erzbischof Stephan Burger.

Martin Horn hatte früh nach Amtsantritt die Annahme der Mütze zunächst zugesagt. Doch dann seien zwischenzeitlich andere Signale aus dem Rathaus gekommen.

Die Fasnetrufer behaupten: Die BNZ habe den OB just für den Ehrungsabend zu einem Alternativprogramm mit einer großen Tour durch Veranstaltungen in verschiedenen Narrennestern überreden wollen. Martin Horn ist seit dem 11.11. nämlich auch amtierender Narrenpreisträger der BNZ. Längst ist klar, dass Horn nun doch zu den Fasnetrufern kommt. Aber der Ärger ist geblieben. Die Fasnetrufer werfen der BNZ vor, dass es nie zu einer Aussprache wegen dieser angeblichen Abwerbeversuche gekommen sei. "Es ist hanebüchen, dass daraus nun so eine Riesengeschichte wird", sagt Fasnetrufer-Zunftvogt Alexander Schöpe.

Wer mit BNZ-Vertretern redet, bekommt eine komplett andere Version der Geschehnisse serviert. Schon Mitte November hätten die Fasnetrufer ihren BNZ-Boykott verkündet – die Nachricht ging an den großen Mailverteiler, ohne ein vorheriges Gespräch. Und es seien neben der OB-Ehrungsfrage auch noch andere Punkte aufgelistet worden, heißt es. Am kommenden Donnerstag sollte der komplexe Streitfall im rund 90-köpfigen Großen Zunftrat der BNZ verhandelt werden – da sind Vertreter aller 34 Zünfte mit dabei. Doch der Narrenrat der Fasnetrufer will nicht an diesem XL-Krisengipfel teilnehmen, wie Zunftvogt Schöpe am Freitag bekräftigte.

OB Horn: "Die Fasnet ist ein verbindendes Fest"

Dabei habe die BNZ eigens einen externen Moderator engagiert, berichtet Uwe Stasch, Zunftmeister und Sprecher der BNZ. Stasch dementiert auch entschieden, dass es davor keine Gesprächsangebote gegeben habe. Und er fügt hinzu: Bevor die BNZ die Narrenpreis-Ehrung an Martin Horn ausgesprochen hatte, habe man nichts von der ebenfalls geplanten Fasnetrufer-Ehrung gewusst. Die BNZ hätte sich durchaus gewünscht, dass der OB an jenem 2. Februar die Runde durch die Veranstaltungen mit dem BNZ-Narrenvolk dreht. Schließlich sei Horn der Schirmherr für alle Freiburger Zünfte und der Abend hätte gut zu seinem Gemeinsam-Motto gepasst. "Wir freuen uns nun aber auch, dass er die Katzenschwanz-Ehrung bekommt, die eine besondere Auszeichnung der Freiburger Fasnet darstellt", so Stasch.

Der Zunftmeister sieht für das Programm der BNZ-Kappensitzung keine Probleme, auch ohne die Fasnetrufer. Trotzdem: Er würde es begrüßen, wenn sich BNZ und Fasnetrufer zusammensetzen würden. In diese Richtung äußert sich auch Martin Horn. Zum Streit selbst will er nichts sagen, er erklärt aber: "Fasnet soll ein verbindendes Fest sein, bei dem alle zusammen feiern und den Ernst des Lebens weglächeln". Er habe sich über beide Ehrungen sehr gefreut und finde es schade, wenn es deswegen nun zu Konflikten komme.

Es wurde gestern viel telefoniert und es gingen viele WhatsApp hin und her. Als möglicher Schlichter wurde mehrfach der Erste Bürgermeister Ulrich von Kirchbach genannt, der die Fasnet und ihre Macher kennt. Er wäre bereit, sagt Kirchbach, falls es gewünscht werde, im Interesse der Fasnet die Beteiligten zu einem Gespräch einzuladen.