Stromkunden zahlen für Reserve-Meiler

dpa

Von dpa

Mo, 01. Oktober 2018

Wirtschaft

Drei Kohle-Blöcke vom Netz.

BERGHEIM/JÄNSCHWALDE (dpa). In Nordrhein-Westfalen und Brandenburg sind drei Braunkohle-Kraftwerksblöcke abgeschaltet worden. Die Anlagen in den Kraftwerken Niederaußem im rheinischen Revier und Jänschwalde in der Lausitz gehen am heutigen Montag in die Sicherheitsreserve, bevor sie in vier Jahren endgültig stillgelegt werden. Die Betreiber RWE und Leag erhalten dafür eine Vergütung, die von den Stromkunden bezahlt werden muss.

Die schrittweise Abschaltung von insgesamt acht Braunkohleblöcken war 2015 wegen des Klimaschutzes vereinbart worden. Bereits in Sicherheitsbereitschaft sind das Kraftwerk Buschhaus in Niedersachsen sowie zwei Blöcke des RWE-Kraftwerks Frimmersdorf. Nächstes Jahr folgen ein zweiter Block in Jänschwalde und ein Block des RWE-Kraftwerks Neurath. Insgesamt sollen 2700 Megawatt Braunkohle-Kapazität abgeschaltet werden. Der Bundesnetzagentur zufolge waren zuletzt Braunkohlekraftwerke mit einer Gesamtleistung von rund 20 000 Megawatt am Netz.

Stilllegung dient dem Klimaschutz

Die Blöcke sind nicht als Absicherung für kurzfristige Schwankungen bei der Produktion von Ökostrom gedacht, sondern allgemein als Reserve, falls es größere Probleme bei der Stromversorgung in Deutschland geben sollte. In so einem Fall müssen die Blöcke innerhalb von zehn Tagen betriebsbereit sein. Das war bislang aber noch nie der Fall; laut Bundesnetzagentur ist bisher keiner der bereits abgeschalteten Blöcke aktiviert worden.

Durch die Stilllegung der acht Braunkohleblöcke soll im Jahr 2020 in Deutschland der Ausstoß von 12,5 Millionen Tonnen des Klimagases CO2 vermieden werden. Das Bundeswirtschaftsministerium lässt derzeit berechnen, ob dieses Ziel erreicht wird. Falls nicht, sollen die Stromkonzerne zusätzliche Schritte zur Schadstoffminderung vorschlagen.

Die Sicherheitsbereitschaft ist umstritten. Die Grünen wollen ihre Abschaffung, weil es sich um Millionengeschenke an die Stromkonzerne handele. Im Frühjahr hatte die Bundesregierung angekündigt, dass die Betreiber der Reservekraftwerke für 2017 und 2018 voraussichtlich 234 Millionen Euro erhalten werden.