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19. Januar 2012 13:05 Uhr
Hans-Böckler-Stiftung
Studie: Minijobber arbeiten für Niedriglöhne
Neun von zehn Minijobbern erhalten einen Minilohn , hat eine Studie der Hans-Böckler-Stiftung ergeben. Besonders schlecht bezahlt werden offenbar die Empfänger von Hartz-IV, die einen Minijob haben.
Die Stundenlöhne der sogenannten Aufstocker sind besonders gering, ist ein Ergebnis der Studie, die Die gewerkschaftsnahe Hans-Böckler-Stiftung am Donnerstag in Berlin vorstellte. Rund 700.000 Minijobber, die zugleich Hartz-IV-Leistungen beziehen, verdienten im Jahr 2009 durchschnittlich 6,08 Euro pro Stunde und damit zwei Euro weniger als andere Minijobber. Die Forscher gehen davon aus, dass die Arbeitgeber die Hartz-IV-Leistungen beim Lohn schon einkalkulieren. Damit profitierten sie von "einem Kombilohn zu Lasten des Fiskus", sagte Alexander Herzog-Stein vom Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Institut der Hans-Böckler-Stiftung (SWI).
Insgesamt arbeiteten nach Angaben der Wissenschaftler im Jahr 2009 rund 88 Prozent der Minijobber zu Niedriglöhnen. Jüngere Daten gab es nicht. In Zahlen: In Westdeutschland erhielten sie 2009 weniger als 9,76 Euro brutto pro Stunde, in Ostdeutschland weniger als 7,03 Euro. Die Forscher bezogen nur Menschen ein, für die der Minijob die Hauptbeschäftigung ist. Schüler, Studenten, Rentner und Beschäftigte, die eine 400-Euro-Stelle neben ihrem regulären Beruf haben, wurden nicht berücksichtigt.
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Die Studien gehen von 7,3 Millionen Minijobbern aus, davon 4,8 Millionen Menschen, die ausschließlich auf 400-Euro-Basis arbeiten, unter ihnen wiederum 3,2 Millionen Frauen. Der Staat fördert Minijobs, indem er weniger Sozialbeiträge verlangt als bei einer regulären Stelle. Gewerbliche Arbeitgeber zahlen eine Pauschale von 30 Prozent für Kranken-, Unfall- und Rentenversicherung sowie Steuern. Privathaushalte, die Minijobber beschäftigen, zahlen die Hälfte. Die Arbeitnehmer haben keine Sozialabgaben. Die schwarz-gelbe Koalition in Berlin will in diesem Jahr die Verdienstgrenze für Minijobber auf 450 Euro erhöhen und sie damit attraktiver machen.
Minijobs seien ein "arbeitsmarktpolitischer Irrweg", urteilte Dorothea Voss vom WSI. Auch für Frauen seien sie nicht so attraktiv wie allgemein angenommen werde. Nur auf 40 Prozent der Minijobberinnen treffe das Bild der abgesicherten Ehefrau zu, die sich eine Teilzeitbeschäftigung suche. Für viele Frauen sei der Minijob hingegen Teil einer Abfolge von schlecht bezahlten, unsicheren Jobs.
Der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) warnte vor den Folgen. Altersarmut sei für Minijobberinnen fast unausweichlich, erklärte die stellvertretende DGB-Vorsitzende Ingrid Sehrbrock. Eine weitere Anhebung der Minijobgrenze sei "völlig falsch". Dadurch würden Niedriglöhne nur ausgeweitet, statt sie einzudämmen. Die arbeitsmarktpolitische Sprecherin der Linksfraktion, Sabine Zimmermann, kritisierte, Minijobs seien ein wesentliches Hindernis für die Gleichberechtigung der Frauen am Arbeitsmarkt.
Den Studien zufolge gelingt nur neun Prozent der Minijobber der Aufstieg in einen regulären Job. Branchen, in denen der Anteil an Minijobbern besonders hoch ist, sind der Handel, die Gebäudereinigung und das Gastgewerbe. Minijobber verdienen im Durchschnitt nur die Hälfte des Lohns ihrer Kollegen in regulären Jobs. Das halten die WSI-Forscher für einen Verstoß gegen das Teilzeit- und Befristungsgesetz. Danach sind Lohnabschläge aufgrund kürzerer Arbeitszeiten nicht erlaubt.
- Wirtschaft: Die Zahl der Aufstocker nimmt zu
Autor: kna
