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03. Dezember 2009 14:36 Uhr

Ausnahmetalent Gerhard Blatter

Die Musik prägt sein Leben

Wer im Musikverein Eberfingen spielt Bariton, Klavier, Keyboard, Klarinette, Posaune, Akkordeon und Saxofon? Das kann nur der Dirigent sein!Beim Jahreskonzert am Samstag kann Gerhard Blatter sein 25-jähriges Dirigentenjubiläum feiern.

  1. Gerhard Blatter: Ausnahmemusiker und Glücksfall für den MV Eberfingen. Foto: Jutta Binner-Schwarz

STÜHLINGEN-EBERFINGEN. Wer im Musikverein Eberfingen spielt Bariton, Klavier, Keyboard, Klarinette, Posaune, Akkordeon und Saxofon? Für Insider ist die Antwort klar, das kann nur der Dirigent sein! Beim Jahreskonzert am morgigen Samstag kann Gerhard Blatter, Vollblutmusiker par excellence, sein 25-jähriges Dirigentenjubiläum feiern. Eine zusätzliche Besonderheit ist die Tatsache, dass das Eigengewächs aus den Reihen des MVE den Taktstock bereits im Alter von 22 Jahren übernahm.

Was mit Blockflötenunterricht in der Grundschule begann, entwickelte sich via Klavierunterricht bei Carl Prestele und intensive Förderung durch den damaligen Dirigenten Stefan Hägele zu einer Erfolgsgeschichte. Gerhard Blatters Eltern erkannten sein musikalisches Talent früh und unterstützten ihn nach Kräften in seinem Hobby. Die Musik liegt wohl in den familiären Genen, denn schon der Großvater mütterlicherseits war im Musikverein aktiv und lange Zeit dessen Vorstand. Auch die eigenen Kinder Sabrina (14) und Marco (13) besitzen beneidenswerter Weise diese Gabe und spielen gerne im Orchester mit. Gerhard Blatter betont: "Ich freue mich sehr darüber, dass unsere ganze Familie im MVE aktiv ist und mich sehr gut unterstützt."

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Nicht nur bei ihm war der Jubel groß, als Ehefrau Heidi nach zehnjähriger Kinderpause 2006 wieder zum Flügelhorn griff. "Am Anfang musste ich schon sehr intensiv üben, auch das Repertoire war schwieriger geworden," verrät sie. Und wo hat der junge Jubilar seine Heidi kennen gelernt? Dumme Frage – natürlich bei der Musik – "wo sonst?" So trägt sie den Zeit- und Energieaufwand, den er für den MVE aufwendet, verständnisvoll mit und hält ihm den Rücken frei. Der Aufwand ist vor den Konzerten besonders immens, aber auch sonst erheblich. Gerhard Blatter gesteht: "Die Musik nimmt durch Proben, Probenvorbereitung, praktische und theoretische Jungendausbildung, Literaturauswahl und vieles mehr sicher meine halbe Freizeit in Anspruch." Vielleicht ist es auch die eigene frühe Förderung, die ihn die Zöglingsausbildung so intensiv wahrnehmen lässt. Bei ihm haben schon rund 120 Musikerinnen und Musiker aus dem Dorf von den ersten Tönen bis zum späteren Feinschliff ihr musikalisches ABC gelernt. Er erklärt seine hohe Motivation unter anderem so: "Eberfingen ist ein sehr kleines Dorf. Die Nachwuchszahlen lassen daher zwangsläufig zu wünschen übrig. Ein guter Nachwuchs ist aber für einen erfolgreichen Fortbestand des Vereines unbedingt notwendig."

Um vor 25 Jahren aus den Händen des Ehrendirigenten Stefan Hägele den Taktstock übernehmen zu können, hatte Blatter zuvor die entsprechenden Dirigentenkurse absolviert. Sein Vorgänger hatte die Ausnahmebegabung des jungen Musikers sofort erkannt und ihn gezielt als Nachfolger aufgebaut. Blatter gefällt die Dirigentenrolle bis heute: "Ohne dabei selbst ein Instrument zu spielen, kann man als Dirigent Musik gestalten und gedruckte Noten nach den eigenen Vorstellungen umsetzen. Ein Dirigent ist vergleichbar mit dem Organisten einer Kirchenorgel." Gleichzeitig genießt Blatter die außerordentlich gute Kameradschaft im Verein und die Zusammenarbeit mit dem engagierten Vorstandsteam. Besonders freut er sich über sehr viele motivierte Musiker, deren musikalische Qualität sich im Laufe der Jahre zum Teil erheblich gesteigert hat. Er erklärt: "Zu Beginn meiner Dirigententätigkeit konnte ich auf nur einen herausragenden Leistungsträger bauen, jetzt sind es sehr viele und auch beim Nachwuchs tauchen immer wieder neue Talente auf."

Natürlich gibt es auch Momente der Enttäuschung, wenn einzelne Musiker wichtige Proben "stemmen" und damit die gemeinsamen musikalischen Anstrengungen und den erwünschten Erfolg gefährden. Vor allem vor den großen Konzerten gilt es, an einem Strang zu ziehen.

Für seinen Jubiläumsauftritt hat Gerhard Blatter 14 Lieblingstitel aus seinen 25 Dirigentenjahren ausgesucht. Grundsätzlich wählt er Stücke aus, die ihm und seinen Musikerinnen und Musikern liegen. Dabei bevorzugt er keinen bestimmten Stil. Er betont: "Ich fühle mich in den meisten Musikrichtungen zuhause. Wer sich hier einschränkt, beraubt sich wertvoller Momente und Erfahrungen." Übrigens: Auch als alter Hase am Dirigentenpult hat der 47-Jährige vor dem morgigen Jahreskonzert noch genauso viel Lampenfieber wie bei seinem ersten 1984. Was ihn aber nicht davon abhält, schon an weitere Herausforderungen zu denken, denn: "Kommt Zeit, kommt Musik!"

Autor: Jutta Binner-Schwarz