Wenn Sie sich diesen Artikel vorlesen lassen wollen benutzen Sie den Accesskey + v, zum beenden können Sie den Accesskey + z benutzen.
08. Dezember 2011 14:51 Uhr
Der Schluchtensteig boomt
Eine schöne Herausforderung
Der "Schluchtensteig"-Boom nahm auch 2011 weiter zu. Das ist kein Wunder, führen seine 119 Kilometer doch auf zertifizierten Pfaden durch schönste Natur. Nicht von ungefähr wurde er zum schönsten Weitwanderweg Deutschlands gekürt.
-
Die Wutachflühen haben Bergwegcharakter. Foto: Binner-Schwarz
-
Die Instandhaltung des Wanderwegs in den Wutachflühen, dem Höhepunkt der ersten Etappe des "Schluchtensteigs", erfordert viel Einsatz! Foto: Binner-Schwarz
-
Diese Wanderer aus Mecklenburg freuten sich auf ihr individuelles „Abenteuer Schluchtensteig“. Foto: Binner-Schwarz
-
Künstlerische Überraschung am Wegesrand! Foto: Binner-Schwarz
-
Die Instandhaltung des Wanderwegs in den Wutachflühen erfordert viel Einsatz! Wegewart Gerhard Kehl freut sich über sein gutes Team. Foto: Binner-Schwarz
-
Karl "Fuzzy" Dößerich ist der gute Geist der Wutachflühen. Foto: Binner-schwarz
-
Gutes Schuhwerk ist eine klare Voraussetzung für die Begehung des Schluchtensteigs! Foto: Binner-schwarz
-
Der "Schluchtensteig" ist zu jeder Jahreszeit schön! Foto: Binner-Schwarz
-
Herbstfreuden am Wegesrand! Foto: Binner-Schwarz
-
Sie sind leider immer wieder Objekt der Begierde: Wanderwegschilder! Foto: Binner-Schwarz
STÜHLINGEN. Der "Schluchtensteig"-Boom nahm auch 2011 weiter zu. Das ist kein Wunder, führen seine 119 Kilometer doch auf zertifizierten Pfaden durch schönste Natur. Nicht von ungefähr wurde er im September von der Fachzeitschrift "Wandermagazin" zum schönsten Weitwanderweg Deutschlands gekürt. Die erste Etappe verläuft von Stühlingen aus an der Wutach entlang durch die Flühen über den Buchberg nach Blumberg.
Erreicht der Wanderer nach neunzehn Kilometern sein Ziel, hat er bereits enge Bekanntschaft mit der rauschenden Wutach gemacht und spektakuläre Ausblicke genossen. Ist er im Frühjahr unterwegs, säumen Tausende von Märzenbechern seinen Weg, im Sommer warten neben Orchideen der leuchtend blaue Steinsame und die Bergflockenblume. Später im Herbst verzaubert die bunte Färbung des Laubes und immer gilt es, seltene Farnarten zu bewundern.Auch an allerlei geschichtsträchtigen Plätzen kommt er vorbei. Ist es zunächst der grenzüberschreitende "Wiizemer Steg", der als Fußgängerbrücke zwei Länder verbindet, grüßt bald darauf die architektonisch interessante Sto-Zentrale.
Werbung
Besonders eifrige Wanderer nehmen vielleicht den kurzen Umweg über die schon 1909 erstmals erbaute "Stühlinger Hütte" des Schwarzwaldvereins in Kauf und erleben so eine ganz andere Sicht auf Wutach und Flühen. Später erzählt der "Lunzistein" von einer Sage und das Hinweisschild "Mannheimer Felsen" erinnert an die finanzielle Unterstützung der Mannheimer Ortsgruppe des Schwarzwaldvereins beim Bau des Wutachsteges im "Weiler", den es zu queren gilt.
Irgendwann taucht am Pfad ein buddhistisches Fabelwesen aus Stein auf, das ein passionierter Bildhauer vor Jahrzehnten an Ort und Stelle vom Felsen in eine Skulptur verwandelte.
Heuer ist besonders spät Ruhe eingekehrt auf den Wanderwegen, schließlich lockte die Herbstsonne bis in den November hinein zum Marschieren. So dauerte auch die Saison für Gerhard Kehl, den Wegewart des Schwarzwaldvereins Stühlingen, und seine Helfer besonders lange. Sie betreuen innerhalb der 174 Kilometer langen Stühlinger Wanderwege auch den "Schluchtensteig", bis dieser auf der Blumberger Gemarkung ankommt.
Zum Glück hat er vor allem Karl "Fuzzy" Dößerich, den guten Geist der Wutachflühen, an seiner Seite. Dieser kontrolliert den überaus viel begangenen, sensiblen Bergweg regelmäßig und sorgt so für die Sicherheit der Wanderer.
Schon ein einfacher Gewitterregen kann ausreichen, um den steilen Wanderweg zur Gefahr werden zu lassen. Durch Rutschungen und abstürzende Bäume werden sofort entsprechende Arbeitseinsätze erforderlich. "Die steilen Passagen und Felswände sind extrem anfällig bei längeren Regenperioden," erklärt Kehl.
Die Erneuerung eines Steges hat er gemeinsam mit Dößerich in Angriff genommen, letzterer hat dafür sogar eigenhändig die benötigten Bretter und Balken gesägt. Größere Maßnahmen werden mit dem Wutachranger Martin Schwenninger besprochen, die Kosten werden aus dem Topf der Arbeitsgemeinschaft Wutach beglichen.
Im Anschluss lud bisher stets Wirtefamilie Duttlinger das Team des Schwarzwaldvereins zum Mittagessen ins Gasthaus "Zur Wutachschlucht" im Weiler ein. Nicht nur diese Wirtsleute freuen sich über die gute Frequentierung des Schluchtensteigs: Zahlreiche Wanderer nutzen die örtliche Gastronomie oder verpflegen sich vor ihrem langen Weg in Stühlingen.
Manchmal überträgt sich die Begeisterung der Touristen allerdings auch auf die Markierungsschilder. Allein im August und September montierten diebische Souvenirjäger fünfzehn Schluchtensteig- und zehn Ostwegzeichen ab. Die nachfolgenden Wanderer schickten sie so bedenkenlos in die Irre.
Ein junges Paar aus Mecklenburg, das sich mit großem Gepäck auf den Weg machte, berichtete Ähnliches vom "Harzer Hexenstieg". Die Beiden waren wie viele andere durch Internetrecherche auf den Weitwanderweg gestoßen und freuten sich auf ihr individuelles "Abenteuer Schluchtensteig".
Längst nicht jeder Wanderer, der durch die Wutachflühen kommt, hat alle sechs Tagesetappen im Visier. Gerhard Kehl weiß: "Nach unseren Erkenntnissen macht etwa ein Drittel den ganzen Weg am Stück, ein Drittel sind Tagestouristen und der Rest sind größere Gruppen, die mit Wanderführern zum Teil auch mehrere Tage unterwegs sind." Findige Reiseunternehmen und Gastronomen sorgen sogar für den Gepäcktransport.
Trotzdem ist der Schluchtensteig alles andere als ein Spaziergang. Karl Dößerich trifft immer wieder überforderte Wanderer an, die sich die Etappen leichter vorgestellt haben. Er sucht gerne das Gespräch mit den Urlaubern und weiß deshalb zu berichten, dass sie aus ganz Deutschland und der Schweiz anreisen.
Immer wieder gibt es Lob für den guten Zustand der Flühenpfade. "Das motiviert unsere Helfer sehr", sagt Wegewart Kehl. "Und manchmal gibt es sogar Überraschungen. Eine Gruppe aus dem Kaiserstuhl spendierte uns bei einem Arbeitseinsatz für den gepflegten Wanderweg spontan eine Flasche Rotwein, die sie eigentlich bei der Rast am Wanderparkplatz selbst trinken wollte."
Autor: Jutta Binner-Schwarz


