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01. Februar 2012
"Kein Atommüll im kleinen Paradies"
Rund 300 Atomgegner demonstrierten in Schaffhausen gegen die Lagerung von radioaktiven Abfällen / Auch viele Deutsche dabei.
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„Kein Atommüll im kleinen Paradies": In Schaffhausen demonstrierten etwa 300 Atomgegner gegen die potenziellen Atommüll-Oberflächenlager in der Region Schaffhausen. Die Demonstranten, darunter viele aus dem deutschen Grenzgebiet, zogen mit Trillerpfeifen durch die Innenstadt zur Kundgebung. Foto: Thomas Güntert
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Klares Nein zum Atom-Müll Foto: Thomas Güntert
SCHAFFHAUSEN. In Schaffhausen fand eine der größten Demonstrationen der letzten Jahre statt. Unter der Parole "Kein Atommüll im kleinen Paradies" demonstrierten etwa 300 Atomgegner gegen die potenziellen Atommüll-Oberflächenlager in der Region Schaffhausen. Die Demonstranten, darunter viele aus dem deutschen Grenzgebiet, zogen mit Trillerpfeifen, Kochtöpfen und allerlei "Lärmutensilien " durch die Innenstadt zur Kundgebung in den Mosergarten. Der Sozialpolitiker Luca Tissi forderte den fundamentalen Widerstand gegen die Pläne aus Bern. Weitere Reden von Stadtrat Urs Tanner und Gabi Buff von der Bürgerinitiative "Klar! Schaffhausen" informierten über die Vorhaben der Nagra (Nationale Genossenschaft für die Lagerung radioaktiver Abfälle).
Die Nagra hat vor kurzem Vorschläge über die möglichen Standorte für Oberflächenanlagen offen gelegt. Für den Betrieb eines geologischen Tiefenlagers braucht es eine Oberflächeninfrastruktur. Dort werden die Abfälle angeliefert und für die Einlagerung vorbereitet. Bis Ende des Jahres wollen sie einen Standort pro Endlagergebiet festlegen. Elf von 20 möglichen Anlagen befinden sich in unmittelbarer Nähe des Kantons Schaffhausen.
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Luca Tissi wies auf die irritierte und verängstigte Bevölkerung hin. "Die Gemeinden werden gegeneinander aufgehetzt". Er kritisierte, dass hochradioaktiver Abfall "verbuddelt" und sich selbst überlassen wird. "Das kann zur ökologischen und wirtschaftlichen Katastrophe führen. "Bevor die Standortfrage für ein Tiefenlager geklärt ist, soll nun über die Deponie-Eingänge diskutiert werden?", fragte er in die Menge. "Wir bauen doch auch keine Toilette, bevor wir nicht wissen, wo das Haus hinkommt", so Luca Tissi. Er drückte dies allerdings in einer nicht druckreifen Umgangssprache aus.
Gabi Buff befürchtet Auswirkungen auf Lebensqualität, Wirtschaft und Tourismus der betroffenen Regionen. Es sei unverantwortlich, atomaren Müll an so dicht besiedelten Standorten vergraben zu wollen.
In der Schweiz stehen drei geologische Standortgebiete für ein Lager für hochaktive Abfälle zur Auswahl. "Zürich Nordost", nur wenige Kilometer vom Jestetter Zipfel, "Nördlich Lägern", gegenüber von Hohentengen, und "Jura Ost" in der Region von Laufenburg. Dazu wurden sechs geologische Standortgebiete für ein Lager für schwach- und mittelaktive Abfälle vorgeschlagen. Fünf Gebiete liegen im nördlichen Mittelland, eines in der Zentralschweiz. Nahezu alle Standorte liegen in unmittelbarer Nähe der deutschen Grenze. Kritiker sehen darin den Vorteil der Nagra, dass sich der Widerstand der Bevölkerung auf mehrere Stellen verteilt. Die Deutschen haben kein Mitbestimmungsrecht in der Auswahl der Standorte.
Urs Tanner forderte, den geplanten Atomausstieg endlich zu realisieren. "Bei einer Energiegewinnung, die in der Schweiz zu 60 Prozent aus Wasser erreicht wird, sollte das doch möglich sein".
Autor: Thomas Güntert


