Schwarzer Block

Nach Krawallen bei G20: Polizei führt bundesweit Razzien durch

dpa, lex

Von dpa & Alexandra Röderer

Di, 05. Dezember 2017 um 07:55 Uhr

Deutschland

Fünf Monate nach den Krawallen beim G20-Gipfel in Hamburg hat die Sonderkommission "Schwarzer Block" Wohnungen in acht Bundesländern durchsucht. Darunter auch in Baden-Württemberg.

Das teilte die Hamburger Polizei mit. Der Einsatz begann um 6 Uhr am Dienstagmorgen. Es sei eine zweistellige Anzahl von Wohnungen der linken Szene durchsucht worden: in Baden-Württemberg, Hamburg, Berlin, Hessen, Nordrhein-Westfalen, Sachsen-Anhalt, Rheinland-Pfalz und Niedersachsen.

"In Baden-Württemberg führten wir Durchsuchungen in Stuttgart durch", sagte Polizeisprecher Ulf Wundrack der Badischen Zeitung. Räume in Freiburg seien nicht von den Razzien betroffen. In Stuttgart war das Gebäude des "Linken Zentrums Lilo Herrmann" Ziel der Ermittler. Zudem seien zwei Wohnobjekte in Dettingern/Erms (Kreis Reutlingen) durchsucht worden.

Durchsuchungen auch in Göttingen

Wie der NDR berichtet, hatte die Polizei 24 Objekte in acht Bundesländern im Visier, darunter private Wohnungen und linke Stadtteilzentren unter anderem in Göttingen. In Hamburg durchsuchten Beamte demnach die Wohnung eines mutmaßlichen Mitglieds der linksextremen Gruppe "Roter Aufbau Hamburg". Das linke Hamburger Kulturzentrum "Rote Flora" war demnach nicht betroffen.

Die Durchsuchungen erfolgten den Polizeiangaben zufolge im Zusammenhang mit Ermittlungen zu Ausschreitungen während eines Polizei-Einsatzes im Hamburger Stadtteil Bahrenfeld am Rande des G20-Gipfels. Es gehe um den Verdacht des schweren Landfriedensbruchs. Von der bundesweiten Razzia erhoffe man sich Beweise für die Ermittlungen zu diesen Vorfällen.

Unterschiedliche Darstellungen

Bundespolizisten gingen damals gegen etwa 200 Demonstranten vor, weil sie nach eigenen Angaben unter anderem mit Steinen und Flaschen beworfen wurden. Medien hatten nach Auswertung eines Einsatzvideos dagegen berichtet, die Beamten seien lediglich mit drei Bengalos beworfen worden.


Um 12 Uhr wollen Polizeipräsident Ralf Martin Meyer und Soko-Leiter Jan Hieber in einer Pressekonferenz Einzelheiten zu der groß angelegten Durchsuchungsaktion bekannt geben.

Kritik an Bürgermeister und Polizei nach G20

Rund um das Gipfeltreffen der Staats- und Regierungschefs der 20 wichtigen Industrie- und Schwellenländer Anfang Juli in Hamburg hatte es trotz des Einsatzes von mehr als 20.000 Polizisten schwere Krawalle gegeben. Randalierer lieferten sich Straßenschlachten mit der Polizei, zündeten Autos an und plünderten Läden. Im Anschluss standen sowohl Bürgermeister Olaf Scholz als auch die Polizei selbst wegen des Einsatzes in der Kritik.

Erst Ende November war ein 28-Jähriger wegen der Randale in Hamburg von einem Gericht zu drei Jahren Haft verurteilt worden – das bisher höchste verhängte Strafmaß in der Sache. Im ersten G-20-Prozess Ende August hatte das Amtsgericht Hamburg einen 21-Jährigen aus den Niederlanden zu zwei Jahren und sieben Monaten Haft verurteilt.