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12. Oktober 2012

Suche nach Formensprache

WALDKIRCHER KULTURWOCHEN: Ausstellung im Scholz-Haus / Kupferrot bis grau-herbstlich.

  1. Leichtes schwer und Schweres leicht erscheinen lassen: Gisela Jäckle und Michaela Höhlein-Dolde. Foto: Bilke

WALDKIRCH. Die Doppelausstellung ohne Titel, die am Sonntag, 11 Uhr, eröffnet wird, präsentiert sich auf den ersten Eindruck kupferrot bis grau herbstlich. Michaela Höhlein-Dolde und Gisela Jäckle laden im Georg-Scholz-Haus – auf unterschiedliche Weise – zur Suche nach Formensprache ein.

"Formen auf ihre Besonderheit zu reduzieren, die Intensität der gedruckten Farbe und der Vorgang des Druckens, das interessiert mich", umschrieb Michaela Höhlein-Dolde ihr Wirken auf der Einladung. In Japan fiel ihr das Nebeneinander von Tradition und modernen Leben auf. Wieder zu Hause angekommen, entstanden zwei großformatige Scherenschnitte. Auf dem einen kontrastieren wenige typische Linien, mit anonymen Menschenschemen in Grau. Auf dem anderen steht in Grün der Umriss einer Kuckucks-Uhr im Kontrast zu grauem Punk als Schlaglicht auf das Nebeneinander von Tradition und Modeerscheinungen hierzulande.

Der Herbst inspirierte sie im Kabinett zu quadratischen Bildern in Kachelgröße, auf denen sie Flächen, deren Umrisse sie aus der vegetativen Welt entnommen hat, in Rot, Rosa und Orange ausfüllte. Dasselbe Liniengefüge hinterlässt einen ganz anderen Eindruck, wenn diese Flächen mit anderen Farben belegt werden und das Bild gedreht wird. Diese mehrfache Lesbarkeit von Formen beschäftigt sie auch beim Sammeln von Tapeten-Fetzen, die sie aus Abbruchhäusern rettet oder beim Verarbeiten und Verfremden von Fotos aus Zeitungen als Vorlagen für Radierungen, Holz- und Linolschnitte, oder beim Gestalten von Skulpturen aus diesem Material. So nähte sie zum Beispiel ein Gerippe in der Form einer Baumsamenkapsel und überzog dieses mit Tapeten-Fragmenten und Tonpapier. Es entstand dabei ein dreidimensionales Trompe-L'oeil (Optische Täuschung) das marmorschwer aussieht, aber leicht ist.

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Schweres leicht und Leichtes schwer erscheinen zu lassen, das schafft auch und besonders Gisela Jäckle, mit den von ihr bevorzugten Materialien Kupferdraht und rotem Travertin. Auf zwei von ihr selbst zusammengeschweißten Stahlsäulen ruhen zwei Travertinkegel, die den Betrachter an unbekannte Flugobjekte erinnert. An anderer Stelle hat sie von drei Kupferrohren Kupferdrahtbüschel so herab hängen lassen, dass sie an wehendes Haar erinnern. In der Installation "Himmelwärts" wirkt liebevoll angehäufter Kupferdraht wie ein Heuhaufen, den Herbstwinde leicht verwehen könnten. Ein Würfel aus geschütztem Kupferdraht, abgestellt auf einer rostigen Eisenplatte, macht die Unterschiede der auch der Chemie nach unterschiedlich edlen Metalle sichtbar. Quadratische Bilder sind auch bei Gisela Jäckle zu finden. Bei ihr dominiert rot, durchsetzt mit Kupferstiftstrichen. "Ich könnte eine Ausstellung auch in Blau machen", beantwortete Gisela Jäckle die Frage, ob sie immer mit Rottönen arbeitet. Für die Herbstausstellung im Georg-Scholz-Haus erschien ihr eine kupfer-dominierte Ausstellung passend und ihr sei gerade danach. Angesprochen auf ihre bisweilen kräftigen Farbkontraste antwortete Michaela Höhlein Dolde: "Manchmal muss es einfach wummen." Beide waren sich einig, dass das Sich-bewegen in einem Farbraum, die Beschränkung der Palette, die Aufmerksamkeit auf Details lenkt.

Die Ausstellung der beiden Frauen ist vom Sonntag, 14. Oktober, bis Sonntag, 25. November, im Georg-Scholz-Haus zu bestaunen. Ein Besuch, der absolut lohnenswert ist. Und zwar nicht nur für Kunstexperten.

Info: Ausstellung geöffnet Donnerstag, Freitag und Samstag 15 bis 18 Uhr, Sonn- und Feiertag 10 bis 13 Uhr. Eröffnung ist am Sonntag, 14. Oktober um 11 Uhr.

Kunstgespräch mit den Künstlerinnen, Moderation: Gertrud Bleifuß , am Montag, 15. Oktober, 20 Uhr

Schreibnacht in der Ausstellung mit Maria Becker und Roland Burkhart am Samstag, 27. Oktober, 20 Uhr .

Finissage : Sonntag, 25. November. 10 Uhr: Lesung der Texte aus der Schreibnacht . 11 Uhr: Finissage mit Femmes vocales, dem Freiburger Frauenchor .

Autor: Ernst Hubert Bilke