Zur Navigation Zum Artikel

Wenn Sie sich diesen Artikel vorlesen lassen wollen benutzen Sie den Accesskey + v, zum beenden können Sie den Accesskey + z benutzen.

03. Dezember 2014 12:13 Uhr

Saporischschja

Irritationen nach Zwischenfall in Akw in der Südost-Ukraine

Im Südosten der Ukraine hat es eine Panne in einem Atomkraftwerk gegeben. Tage später wurde die Öffentlichkeit informiert. Radioaktivität trat wohl nicht aus. Trotzdem löste die Nachricht Irritationen aus.

  1. Wie ist die Lage in Saporischschja? Foto: dpa

Im Südosten der Ukraine hat es laut Regierungschef Arseni Janzenjuk eine Panne in dem Atomkraftwerk Saporoschje gegeben. Er wies den Energieminister am Mittwoch an, die Öffentlichkeit zu informieren, berichtete die Nachrichtenagentur Reuters ohne näheren Angaben. Arseni Jazenjuk hat von Energieminister Wladimir Demtschischin Aufklärung gefordert. Er solle klären, welche Folgen der technische Defekt habe, hieß es. Details sind nicht bekannt.

Jazenjuk wies Demtschischin auch an, mitzuteilen, wann die normale Versorgung wieder aufgenommen wird. Der Strom war ukrainischen Medien zufolge am Dienstag gedrosselt worden. Laut dem Ex-Energieminister Juri Prodan sollte sich die Lage bis diesen Samstag wieder normalisieren.

Die Akw-Leitung hatte von der Abschaltung eines Blocks Ende November berichtet. Erhöhte Radioaktivität sei nicht gemessen worden, hieß es. Die Sprecherin des Kraftwerks Saporischschja sagte der "Welt", der Block Drei wurde am 28. November für Reparaturarbeiten abgeschaltet. Der Grund sei eine Störung in der Elektronik. Die Reparaturarbeiten sollen bis zum 5. Dezember dauern, danach soll der Block wieder in Betrieb gehen. Eine erhöhte Radioaktivität auf dem Gelände des Kraftwerkes gebe es nicht, die Strahlung liege momentan im Bereich zwischen 8 und 12 Mikroröntgen pro Stunde. Was Jazenjuk mit dem Atomunfall meinte, wisse sie nicht.

Werbung


In der Großstadt bei Saporischschja leben 800.000 Menschen. Das Kraftwerk liegt am Fluss Dnepr. Es ist das größte Kernkraftwerk Europas und das fünftgrößte der Welt. Die Nuklearanlage besteht aus sechs Reaktorblöcken.

Warnung vor Sicherheitslücken

Saporoschje gilt als leistungsstärkstes Kernkraftwerk Europas. Es wurde in den 80er-Jahren gebaut und ist seit Beginn der Ukraine-Krise in den Fokus von Umweltschützern gerückt. Sie hatten zuletzt wiederholt vor einem möglichen Nuklearunglück in Saporischschja gewarnt, weil es nur rund 200 Kilometer vom Kampfgebiet entfernt liegt.

Der russische Atomexperte Wladimir Kuznetsow berichtete am 19. März 2014 in einer öffentlichen Anhörung des Deutschen Bundestages von massiven Sicherheitslücken bei ukrainischen und russischen Atommeilern. Die Qualifikation des Personals sei mangelhaft, die Normen für die radioaktive Sicherheit würden immer weiter aufgeweicht und das Problem der Lagerung der abgebrannten Brennstäbe sei bislang ungelöst.

Autor: dpa, sda, lex, ohu