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05. August 2015

Asyl

248 Frauen sicher vor dem IS-Terror

Bis Jahresende werden weitere Traumatisierte aufgenommen.

STUTTGART (dpa). Über ein Sonderkontingent hat das Land Baden-Württemberg bislang 248 traumatisierte Frauen und Kinder aus dem Nordirak und Syrien aufgenommen. Es ist eine humanitäre Aktion, die über den üblichen Zuteilungsschlüssel hinausgeht.

Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) hatte im Oktober vergangenen Jahres angesichts des IS-Terrors – besonders gegen die Jesiden – angekündigt, das Land werde 1000 traumatisierte Frauen und Kinder aufnehmen. Das Programm richtet sich vor allem an sexuell missbrauchte Opfer der Terrormiliz Islamischer Staat (IS). Bis Jahresende sollen insgesamt 650 bis 1000 IS-Opfer aufgenommen werden. Zu den bereits ins Land gekommenen seien weitere 70 identifiziert, sie sollen im September kommen, sagte der Chef der Staatskanzlei, Klaus-Peter Murawski (Grüne), der Deutschen Presse-Agentur in Stuttgart.

Andere Bundesländer hätten mittlerweile auch Interesse an dem Projekt signalisiert, sagte Murawski. "Das Land Niedersachsen will 70 Frauen und Kinder aus unserem Kontingent aufnehmen. Das Land Hessen prüft derzeit noch." Mit einem weiteren Bundesland sei Baden-Württemberg in Vorgesprächen. In Baden-Württemberg werden die Frauen auf Kommunen im ganzen Land verteilt. Allein die Stadt Freiburg nimmt nach Murawskis Angaben rund 200 Frauen auf. Die genauen Orte hält das Land geheim, weil es eine "abstrakte Gefährdung" für die Frauen gebe, sagte Murawski. Der IS beobachte das Projekt.

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Den Frauen gehe es psychisch wie körperlich "richtig schlecht", sagte der Staatskanzleichef. "Das jüngste Vergewaltigungsopfer, das wir aufgenommen haben, ist acht Jahre alt", sagte er. "Und wir haben eine Jugendliche, die mehrfach brutal vergewaltigt worden ist und sich schließlich in ein Feuer gestürzt hat." Neben dem psychischen Trauma habe sie jetzt schwerste Verbrennungen, die von Spezialisten in Baden-Württemberg behandelt würden.

Murawski wies die Vermutungen zurück, Kretschmann habe das Sonderkontingent initiiert, um seine eigene Partei ruhig zu stellen, nachdem er im Bundesrat der Benennung sicherer Herkunftsländer auf dem Balkan zugestimmt hatte. "Kretschmann hat für den Asylkompromiss Zugeständnisse des Bundes bekommen. Die sind dokumentiert und öffentlich bekannt", sagte Murawski. Das humanitäre Engagement sei in einem Gespräch mit dem Zentralrat der Jesiden entstanden. "Der Ministerpräsident war schockiert über die Schicksale. Es scheint aber in der medialen und politischen Welt für manche unvorstellbar zu sein, dass ein Ministerpräsident ausschließlich humanitäre Interessen verfolgt."

Das Land beziffert die Kosten für bis zu 1000 Frauen und Kinder auf 42 Millionen Euro für den Zeitraum von drei Jahren. Hinzu kommen Kosten für die gesundheitliche Behandlung, etwa der Traumata, von maximal 53 Millionen Euro. Nach Murawskis Angaben können die Frauen selbst entscheiden, ob sie zurück in ihre Heimat gehen oder in Deutschland bleiben wollen.

Autor: dpa