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12. September 2009

"Abschalten und nie wieder einschalten"

Schweizer Chemieprofessor sieht für den 30 Jahre alten Reaktor in Fessenheim nur eine Lösung

  1. Wie lange hält der noch? Der Reaktorblock in Fessenheim wird überprüft. Foto: S. Gollrad

WATTWILLER (bnü). "Dann kann es nur eine Konsequenz geben: Abschalten und nie wieder einschalten." So lautete das Fazit des Basler Chemieprofessors Andreas Zuberbühler drei Wochen vor Beginn der dritten Zehnjahresinspektion im Atomkraftwerk Fessenheim. Zuberbühler, der die Schweizer Kantone in der Schweizerisch-französischen Kommission für Atomfragen vertritt, stellte auf der Jahresversammlung des Trinationalen Atomschutzverbandes (Tras) die Schwachstellen des ältesten französischen Atomkraftwerkes dar. Eine Stilllegung des AKW hält er für die notwendige Konsequenz, sollte seine Überprüfung durch die französische Atombehörde ergeben, dass der Reaktorblock im Laufe von 30 Jahren zu spröde geworden ist.

Der Zustand des Reaktordruckgefäßes und der Reaktorummantelung stehen für Zuberbühler im Zentrum, wenn die französische Atombehörde nach einer Prüfung von drei Monaten ihr Votum für einen Weiterbetrieb abgeben muss. Frankreichs Atomkraftwerke wurden zwar grundsätzlich auf eine Laufzeit von 40 Jahren geplant. De facto wird jedoch alle zehn Jahre nach einer Revision für weitere zehn Jahre eine Betriebsgenehmigung erteilt. Nach der zweiten Zehnjahresinspektion habe man damals, wie Zuberbühler erläuterte, einen Temperaturanstieg des Materials festgestellt, ausgelöst durch den ständigen Neutronenbeschuss. Der Temperaturanstieg sollte durch eine andere Anordnung der Brennelemente zumindest verlangsamt werden. "Niemand weiß aber, ob die Modellrechungen von damals richtig waren."

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Einen Weiterbetrieb des AKW Fessenheim versucht der Tras inzwischen mit einer Klage zu stoppen. Seit Dezember 2008 liegt diese dem Verwaltungsgericht Straßburg vor. Bis es – möglicherweise erst nach Jahren – zu einem Urteil komme, sagte der Pariser Tras-Anwalt Arnaud Gossement auf der Versammlung, sei es unter Umständen sogar interessanter, wenn die Electricité den France (EdF) dem Tras auf Anordnung des zuständigen Richters Unterlagen über das Atomkraftwerk aushändigen müsse. Gossements Strategie: "Wir wollen die EdF zu etwas mehr Transparenz zwingen. Das Unternehmen kann sich nicht einfach auf Behauptungen stützen."

Autor: bnü