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09. Februar 2012 10:30 Uhr
Asylbewerberheim
Altglashütten soll 50 Flüchtlinge aufnehmen – zu viel?
Ein Dorf fühlt sich überfordert: Die Debatte um ein Asylbewerberheim in Altglashütten hält an. Zwar sollen nur noch 50 Flüchtlinge im Feldberger Ortsteil unterkommen. Doch auch diese Zahl halten Kritiker für zu hoch.
Fremde sind sie hier eigentlich gewohnt. Menschen kommen nach Altglashütten, um mit den Einwohnern das Leben im Postkartenpanorama auf dem Feldberg zu teilen. Rund um die kleine weiße Kirche aus dem 18. Jahrhundert in der Mitte des Dorfes stehen die Hotels und Pensionen bereit. Der Ort ist beliebt bei Touristen, lebt gut vom Fremdenverkehr.
Aber die Fremden, die jetzt kommen sollen, sind keine Touristen. Und sie werden keine Erholung suchen, sondern Zuflucht. In dem 360-Seelen Dorf will das Landratsamt 50 Asylbewerber unterbringen. Der Kreis Breisgau-Hochschwarzwald hat ein Haus in Altglashütten angemietet und da sollen sie alle hinein. Ursprünglich sollten sogar 90 Asylbewerber einquartiert werden.
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Altglashütten ist Teil der Gemeinde Feldberg. Der Bürgermeister Stefan Wirbser hat sich in einem offenen Brief an Ministerpräsident Winfried Kretschmann gewandt und gefordert, "die Zahl der in der Gemeinde Feldberg unterzubringenden Flüchtlinge auf eine verhältnismäßige Größe zu reduzieren". Auch der Landtagsabgeordnete Reinhold Pix von den Grünen, kein politischer Freund Wirbsers, kritisiert das Vorhaben des Landratsamts. Im Gemeinderat meldeten Hoteliers ihren Protest an.
Das Recht auf Asyl ist im Grundgesetz verankert. Aber wenige wollen die Menschen vor ihrer Haustüre haben, die aus ihrer Heimat flüchten, weil sie dort um ihre Freiheit und ihr Leben fürchten.
In seiner zum Teil selbst verschuldeten Notlage greift der Kreis im Hochschwarzwald auf Immobilien wie das Haus am Sommerberg in Altglashüten zurück, obwohl Fachleute an dessen Eignung als Gemeinschaftsunterkunft zweifeln. Denn Altglashütten ist ein Dorf, durch das eine Hauptstraße führt, das Gaststätten, eine Skipiste und einen Fußballplatz – aber den Flüchtlingen sonst wenig mehr zu bieten hat.
Zu dem Haus gehört ein Hof, so groß wie ein Handballfeld, in der Mitte eine einsame Schaukel. Links und rechts stoßen direkt die Grundstücke der Nachbarn an, nach vorne hin ist die Straße. Das verwinkelte Haus verfügt derzeit über 25 Zimmern. Den 50 Bewohnern stünde dort wohl mehr Raum zu Verfügung als anderen Asylbewerbern in Deutschland. Denn jeder, der in der Bundesrepublik Asyl sucht, hat einen Anspruch auf 4,5 Quadratmeter Wohnfläche. Die Asylbewerber bekommen etwa 40 Euro Taschengeld, dazu Gutscheine für Essen und Kleidung im Wert von rund 210 Euro. Einlösen könnten die Asylbewerber aus Altglashütten ihre Lebensmittelgutscheine in Schluchsee. Die Dreiseenbahn fährt einmal pro Stunde dorthin.
"Ich halte das für problematisch", sagt Andreas Linder vom Flüchtlingsrat Baden-Württemberg. "Asylbewerber so geballt und weit weg von der nächsten Stadt unterzubringen, ist der falsche Ansatz. Hier fehlt die soziale Infrastruktur, Integration wird somit schwer. Und die Menschen wissen in so kleinen Dörfern doch nicht, was sie mit sich anstellen sollen." Leider, so Lindner, sei das aber keine Seltenheit: "Landkreise suchen oft nach Gebäuden wie alten Kasernen oder Hotels, statt sich auf dem sozialen Wohnungsmarkt umzuschauen." Denn das sei auch eine Geldfrage. Geld aber sei knapp, heißt es aus dem Landratsamt. Pro Asylbewerber überweist das Land den Kreisen einmalig 10.400 Euro. Davon muss alles bezahlt werden, das Essen, die ärztliche Versorgung und die Unterkunft – einschließlich deren Sanierung und Instandhaltung.
Altglashütten jedenfalls fühlt sich überfordert. "Verstehen Sie mich nicht falsch. Mir kann es eigentlich nicht bunt genug sein. Aber 50 Menschen in diesem Ort in diesem Haus – das wird Probleme geben", sagt Alfred Krissler. Er arbeitet im Freizeit- und Bildungszentrum des Badischen Turnerbunds, das keinen Schneeballwurf entfernt von Haus Sommerberg liegt. Wie ihm geht es vielen Menschen in Altglashütten. Noch steht das ehemalige Kurklinikgebäude leer, erst im Sommer sollen hier Menschen einziehen. Aber die Angst, dass wegen dieser neuen Fremden die anderen nicht mehr kommen, ist bereits da.
Autor: Sebastian Wolfrum
