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31. Dezember 2016

...der Feuerwehrfrau, Friseurin und Facebookerin Marie Trappen aus Müllheim

AM GERÄTEHAUS MIT...: "Ich mag den Adrenalinkick"

  1. So posiert Marie Trappen im Netz. Foto: Privat

Vielleicht ist es Zufall, vielleicht ist es Absicht: Das Café, das Marie Trappen für das Interview vorschlägt, liegt direkt neben dem Gerätehaus der Feuerwehr in der Müllheimer Altstadt. Die 34-jährige Friseurin ist in der Brandbekämpferszene eine Art Star, rund 36 000 Menschen haben bisher bei ihrer Facebookseite "Feuerwehrfrauen" auf "Gefällt mir" geklickt. Im Netz veröffentlicht die zweifache Mutter Fotos und Videos, die Maschinistinnen, Atemschutzgeräteträgerinnen und Zugführerinnen in Aktion zeigen. Bei Latte Macchiato und Apfelschorle erzählt sie Patrik Müller kurz vor dem Jahreswechsel, wie sie dazu kam – und sagt, dass viele Feuerwehrleute in Südbaden gar nicht wissen, dass die Feuerwehrfrauen-Seite von einer Müllheimerin gegründet wurde.

BZ: Frau Trappen, wie feiert eine Feuerwehrfrau Silvester?
Trappen: Ich habe das noch nicht durchgeplant, aber ich könnte mir gut vorstellen, gemeinsam mit meinen Kameraden
im Gerätehaus zu feiern. Die Feuerwehr ist wie eine Familie, man wächst zusammen – das ist auch praktisch, wenn es wirklich brennen sollte.

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BZ: Es gibt Leute, die bezeichnen die Feuerwehr gerne mal als Feierwehr.
Trappen: Das ist Unsinn. Klar: Wir können feiern. Jeder kann feiern. Aber dazu brauchen wir keinen Alkohol.
BZ: Sie sind blond, zweifache Mutter und arbeiten als Friseurin. Die Klischee-Feuerwehrfrau sind Sie ja nicht gerade.
Trappen: Im Einsatz ist es egal, ob ich blonde Haare habe oder nur 1,58 Meter groß bin, dann bin ich einfach nur Feuerwehrfrau. Ich habe die Ausbildung, ich habe die Lehrgänge gemacht – ich weiß, wie ich ein Feuer lösche und jemanden aus dem Auto schneide. Mal abgesehen davon: Ich glaube, dass es die typische Klischee-Feuerwehrfrau gar nicht gibt.
BZ: Wie sind Sie dazu gekommen?
Trappen: Den ersten Kontakt hatte ich als Kind. Wir wohnten damals in Kirchzarten, ich war acht, neun Jahre alt. Im Haus gegenüber hat es gebrannt, die Feuerwehr rückte an. Meine Mutter musste mich festhalten, damit ich nicht vor die Haustür renne. Ich fand das total faszinierend: Überall war Blaulicht, auf dem Boden lagen die Schläuche, die Atemschutzgeräteträger sind ins Haus rein. Ich durfte durchs Fenster zugucken.
BZ: Was reizt Sie daran?
Trappen: Ich mag den Adrenalinkick: Ich weiß nie, was passiert ist, wohin ich muss, wer Hilfe braucht. Ich erlebe jedes Mal etwas anderes, stoße an meine Grenzen und merke, dass ich über diese hinausgehen kann – das gibt eine unheimliche Stärke. Ich mag es auch, anderen zu helfen. Und ich war schon als Kind gerne draußen unterwegs und habe Abenteuer erlebt.
BZ: Sie sind aber recht spät eingetreten.
Trappen: In den Dörfern, in denen ich früher gewohnt habe, hat sich mir die Frage nie gestellt, es gab einfach keine Frauen in der Wehr. Im Jahr 2011 hat die Feuerwehr in Zunzingen ein Fest veranstaltet, weil sie Mitglieder gesucht hat. Ich bin mit meiner besten Freundin hin und habe gesagt: Füllen wir doch mal ein Beitrittsformular aus. Sie ist noch dabei – und sie ist auch Friseurin. Wir machen viel auf Social-Media-Plattformen zusammen, um anderen Frauen zu zeigen, dass sie auch zur Feuerwehr gehen können.
BZ: Wie entstand Ihr Facebook-Projekt?
Trappen: Ich habe früher neue Produkte getestet, darüber gebloggt und ein Forum ins Leben gerufen, bei dem sich Testerinnen austauschen konnten. Es lief gut, ist aber ein bisschen eingebrochen, als ich mich von meinem Mann getrennt habe. Ich war selbstständig, habe zwei Kinder, ich hatte die Zeit nicht. Die Feuerwehrfrauen sind später als privates Projekt entstanden: Ich habe ein Bild von mir in Einsatzkleidern auf meinen Blog hochgeladen und meine Erlebnisse aus der Feuerwehr dazu geschrieben – das zog viele Menschen an.
BZ: Wer klickt bei Ihnen "Gefällt mir"?
Trappen: Ich muss zugeben, dass das Feuerwehrfrauen-Projekt auch bei vielen Männern Anklang gefunden hat – die liken aber nicht nur die Fotos, oft muss ich auch unsachliche Kommentare löschen oder Benutzer sperren. Einige Männer verstehen nicht, dass das keine Datingseite ist. Ich will zeigen, dass jede Frau eine Feuerwehrfrau werden kann. Jede kann über sich hinauswachsen, sie muss nur den Willen und den Mut aufbringen. Mich haben schon viele angeschrieben und erzählt, dass sie über die Seite zur Feuerwehr gekommen sind.
BZ: Was sagen Ihre Kinder zu Ihrem Ehrenamt?
Trappen: Die finden das cool. Mein Sohn war früher mal in der Jugendfeuerwehr, meine elfjährige Tochter ist jetzt eingetreten – und eifert mir nach.
BZ: Wir trinken gerade Kaffee. Was passiert, wenn es jetzt brennt in Müllheim?
Trappen: Ich habe einen Funkmelder in meiner Tasche. Ohne den gehe ich nicht aus dem Haus. Der gibt im Alarmfall einen grellen Ton von sich und zeigt mir an, was uns im Einsatz erwarten könnte. Wir haben ein Alarm-System, das die Belastung auf alle gleichmäßig verteilt. Sollte mein Funkmelder jetzt los gehen, renne ich sofort rüber ins Gerätehaus – ich würde Sie dann auch hier sitzen lassen.

Autor: pam