Atomaufsicht sieht Mängel bei der Sicherheit

sda, fs

Von sda & Franz Schmider

Sa, 09. Februar 2019

Südwest

Kritik an Betreiber von Leibstadt.

LEIBSTADT (sda/fs). Im Atomkraftwerk Leibstadt im Schweizer Kanton Aargau ist es aufgrund eines Bedienfehlers zu einer höheren Strahlenbelastung innerhalb des Kraftwerksgebäudes gekommen. Der Vorfall ereignete sich während der Revisionsarbeiten am 20. September, nun hat ihn die Atomaufsichtsbehörde Ensi bekannt gemacht und den Betreiber kritisiert. Die Vorgaben, die aus früheren Fehleranalysen vor allem mit Blick auf menschliches Fehlverhalten abgeleitet worden waren, zeigten keine Wirkung.

Es geht dabei um die unsachgemäße Zwischenlagerung des Wasserabscheiders, der Tropfen aus dem aufsteigenden Dampf entfernt. Dieser Abscheider wurde für die Revisionsarbeiten ausgebaut und in einem Wasserbecken zwischengelagert. Dabei war er nach Angaben des Betreibers nicht komplett mit Wasser bedeckt, sodass die Strahlenbelastung von 0,06 Millisievert (mSv) pro Stunde auf 2 mSv pro Stunde anstieg. Die Dosisgrenzwerte für das strahlenexponierte Personal (Grenzwert: 20 mSv pro Jahr) wurden nicht überschritten, es sei auch keine Radioaktivität in die Umgebung gelangt.

Die Kritik des Ensi betrifft auch weniger das Ereignis selbst als das "Auftreten mehrfacher menschlicher Fehler im gesamten Arbeitsprozess" des grenznahen Kraftwerks. Dabei sei von eigenen betrieblichen Vorgaben und Standards abgewichen worden, man habe die Qualitätssicherung seiner Arbeiten "teilweise versäumt". Immer wieder sei es in Leibstadt zu Vorfällen aufgrund menschlichen Fehlverhaltens gekommen. Die Sicherheitskultur müsse "nachhaltig verbessert" werden, fordert die Atomaufsicht.

Bereits Ende Januar hatte das Ensi den Kraftwerksbetreiber mit ungewohnt deutlichen Worten kritisiert. Ein inzwischen freigestellter Mitarbeiter hatte entgegen behördlicher Vorgaben und betrieblicher Instruktionen seit 2016 Protokolle der Dosisleistungsgeräte manipuliert. Das Ensi kündigte an, man werde die Häufung von Vorkommnissen im Bereich Mensch und Organisation nicht tolerieren. Die Waldshuter SPD-Bundestagsabgeordnete und Staatssekretärin im Umweltministerium, Rita Schwarzelühr-Sutter verlangte vom Ensi, dass "endlich nachhaltig wirksame Maßnahmen ergriffen werden". Sie werde das Thema bei einem nächsten Gespräch im Umweltministerium in Bern ansprechen.