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11. März 2012 18:09 Uhr

Baden-Württemberg

Atomkraftgegner demonstrieren am Fukushima-Jahrestag

Trauerbänder, Papierkraniche und Schweigemarsch: Ein Jahr nach der Atomkatastrophe in Japan sind in Freiburg, Fessenheim und Neckarwestheim mehrere tausend Menschen auf die Straße gegangen.

Bereits am Samstag hatten mehrere hundert Demonstranten aus Deutschland, Frankreich und der Schweiz die sofortige Schließung des ältesten französischen Atomkraftwerks Fessenheim (Fotos) im Elsass verlangt. Nach französischen Polizeiangaben versammelten sich etwa 700 Menschen in der Nähe des ältesten französischen Atommeilers dicht an der Grenze zu Deutschland. Nach Angaben der Veranstalter beteiligten sich zwischen 2000 und 3000 Menschen an dem Marsch bis zum Kraftwerk.

Die Atomkraftgegner fordern seit Jahren die Schließung Fessenheims. Die Anlage aus dem Jahr 1977 liegt in der Erdbebenzone des Rheingrabens. Sie ist nach Meinung der Gegner veraltet und pannenanfällig.

In Freiburg gingen knapp 500 Atomkraftgegner auf die Straße. Sie bildeten eine Menschenkette zwischen Bertoldsbrunnen und Siegesdenkmal (Fotos). Zu einer Aktion im Schweizer Kanton Bern an der Grenze reisten am Sonntag auch viele Menschen aus Südbaden anreisen. Das dortige Atomkraftwerk vor dem Mühleberg ist das älteste in Europa.

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Rund 60 Atomgegner waren am Sonntag dem Aufruf des Solarforums Hochschwarzwald zu einer Mahnwache auf den Roten Platz nach Titisee gefolgt, um am Jahrestag der Atomkatastrophe im Kernkraftwerk Fukushima/Ostjapan für einen raschen Ausstieg aus der Atomenergie zu demonstrieren.

Protest in Neckarwestheim

Am Jahrestag der Atomkatastrophe im japanischen Fukushima haben tausende Atomkraftgegner rund um das Kernkraftwerk Neckarwestheim für einen schnellen Atomausstieg demonstriert. Viele von ihnen trugen Fahnen mit der roten Sonne und der Aufschrift "Atomkraft – Nein danke" sowie Transparente, auf denen Forderungen nach einer sofortigen Abschaltung der Atomkraftwerke zu lesen waren. Die Umweltschutzorganisation BUND, die zu dem Protest am Sonntag aufgerufen hatte, zählte rund 5000 Teilnehmer, die Polizei 1000.

Auf ihrem Weg vom Bahnhof in Kirchheim am Neckar aus gedachten die Demonstranten zunächst der Opfer in Japan mit einem Schweigemarsch, schwarze Bänder wehten am Straßenrand. Sie legten zudem mehrere hundert gefaltete Papierkraniche nieder, Symbol der japanischen Antiatomkraftbewegung.

Kritik an der Bundesregierung

Bei einer Kundgebung vor dem Kernkraftwerk bekräftigten die Redner die Forderung der Anti-Atomkraft-Bewegung. "Wir müssen die Verwendung dieser Technologie stoppen und den Weg der Energiewende konsequenter gehen", sagte Brigitte Dahlbender, BUND-Landesvorsitzende. Sie forderte von der Landesregierung vor allem bei der Energieeffizienz und Einsparung mehr zu tun und rasch ein Konzept für eine erfolgreiche Energiewende vorzulegen.

Kritik an der Bundesregierung übte Valentin Hollain von der Europäischen Vereinigung für Erneuerbare Energien Eurosolar. Die Bundesregierung bremse den Ausbau erneuerbarer Energiequellen systematisch aus, sagte Hollain.

Demos auch in Bern

Der in Deutschland lebende japanische Physiker Koji Mochizuki berichtete über die aktuelle Situation in Fukushima und die Veränderung in der japanischen Gesellschaft. "Es zeigt sich, dass die Bürgerinnen und Bürger in Japan immer kritischer zur Atomenergie stehen." Herbert Würth, der für die lokalen Bürgerinitiativen sprach, erinnerte daran, dass im Radius von 20 Kilometern um Neckarwestheim mit rund 850.000 Einwohnern zehn Mal so viele Menschen leben wie in der Region Fukushima. Den Weiterbetrieb des Meilers Neckarwestheim sowie von acht weiteren in ganz Deutschland für die kommende Dekade bezeichnete er als "politischen Kniefall vor den Energiekonzernen".

Bundesweit haben am Sonntag mehrere zehntausend Menschen unter dem Motto "Fukushima mahnt: Atomanlagen jetzt abschalten!" demonstriert (Fotos). Kundgebungen gab es neben Neckarwestheim an fünf weiteren Standorten, unter anderem in der Region um die Atommülllager Asse und Schacht Konrad.

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Autor: dpa/BZ