... dem Freiburger Extremläufer Hendrik Fenz, der an einem Staffellauf gegen Rüstungsexporte teilnimmt

AUF EINE RUNDE MIT ...: "Wir wollen ein Zeichen setzen"

David Weigend

Von David Weigend

Sa, 19. Mai 2018

Südwest

Wie so oft ist auch an diesem kühlen Maivormittag die Lorettostraße in Freiburg verstopft. Eltern lassen ihre Schulkinder mitten auf der Fahrbahn aussteigen und tragen ihnen bei blinkendem Warnlicht die Brotdose nach. Wiehremer Lebensart im Jahr 2018. Hendrik Fenz beobachtet das Treiben aus heiterer Distanz. Er zieht sich dünne Handschuhe über und beginnt die Trainingsrunde mit einem giftigen Anstieg auf den Lorettoberg. Am 22. Mai wird er bei "Frieden geht" starten. David Weigend sprach mit ihm über die Aktion und ist mit ihm gelaufen.

BZ: Herr Fenz, was hat es mit "Frieden geht" auf sich?
Fenz: Wir wollen ein Zeichen gegen Rüstungsexporte setzen. Ursprünglich war geplant, eine Menschenkette zu bilden – von Oberndorf, dem Firmensitz des Waffenherstellers Heckler & Koch, nach Berlin. Das war über die Entfernung von 1100 Kilometern nicht machbar. Also kam der Staffellauf als mobile Variante ins Spiel. Das Ganze dauert zwei Wochen, die Etappen haben unterschiedliche Längen. Mal acht Kilometer, mal 41, da ist für jeden was dabei. Auch Radler können sich anmelden. Bei der Staffelübergabe in den Dörfern und Städten soll es Aktionen und Kundgebungen geben.

BZ: Laufen Sie die gesamte Strecke?
Fenz: Nein. Ich war 2017 schon bei einem Deutschlandlauf von Sylt auf die Zugspitze dabei, würde mir die Distanz also zutrauen, schaffe es aber terminlich nicht. Ich will am zweiten Tag eine Halbmarathondistanz, also 21,1 Kilometer, zwischen St. Märgen und Freiburg zurücklegen und am dritten Tag einen Marathon von Achern nach Malsch laufen.

Fenz hat über einen verschlungenen Pfad zwischen all den Villen ein unbekanntes Stück Schlierbergdschungel erreicht. Diesen lässt er hinter sich und nimmt durch den Wald die letzten Höhenmeter bis zum Predigerplatz. Dort vespern nicht nur Kinder eines Waldkindergartens im Kreis, dort ist auch eine schöne Bank. Fenz lässt den Blick gen Vogesen schweifen, der Puls geht runter.

BZ: Würden Sie sich als Friedensaktivist bezeichnen?
Fenz: Nicht unbedingt. Allerdings finde ich das Engagement gegen Waffenexporte angemessen. Ich war zwischen 2013 und 2015 im Rahmen eines Forschungsprojekts im Nordirak unterwegs, als der "Islamische Staat" dort große Territorien besetzt hatte. Die Bundesregierung unterstützte den Kampf gegen den IS mit Flugabwehrraketen, Mörsern und schwerem Geschütz. Der IS ist größtenteils vertrieben worden. In wessen Händen sich die Waffen jedoch heute befinden, ist völlig unübersichtlich. Und es gibt in Kurdistan viele andere Konfliktherde, die man mit Waffen austragen kann. Das ist der Knackpunkt an der Geschichte.

Weiter geht’s. Querfeldein abwärts, Richtung Merzhausen und dann rechts in die Alte Straße hinein.

BZ: Sie sind Mitglied der Läufergruppe "Mon Devoir". Was hat es damit auf sich?
Fenz: Diesen Freiburger Verein gibt es seit 2007, er finanziert eine Schule in einem Slum in Togo. Die Mindestgebühr von 30 Euro reicht einem Kind als jährliches Schulgeld. Mit "Mon Devoir" waren wir etwa Ende April beim Müllheimer Halbmarathon am Start. Meine Zeit weiß ich nicht mehr, das ist nebensächlich.

BZ: Pro Woche rennen Sie im Schnitt 80 Kilometer. Sind Sie süchtig danach?
Fenz: Es fällt mir schwer, das zu beantworten. Es macht mir auf jeden Fall Spaß. Ich kann es, es liegt mir einfach. Schnell bin ich nicht, aber ich kann sehr lange laufen, mein Körper verzeiht mir das. Auch mein Kopf packt diese Distanzen. Natürlich braucht es auch eine Familie, die akzeptiert, dass ich mal eine Woche weg bin. Das ist nicht immer leicht. Und man muss diese Auszeiten mit dem Beruf vereinbaren können.

Am Dorfbach im Vauban wird es etwas ländlicher, Schafe trotten Fenz entgegen. Nachdem er die Bahngleise unterquert hat, kommt ein Gebäude in Sicht, das zum grünen Vorzeigequartier einen Gegensatz darstellt: Der Firmensitz der Northrop Grumman Litef GmbH, ein Unternehmen, das Rüstungsgüter fertigt.

Fenz:
Ich glaube, viele Vauban-Bewohner wissen gar nicht, dass in ihrer direkten Nachbarschaft Militärelektronik hergestellt wird, mit der repressive Regime in aller Welt Kriege führen.
BZ: Haben Sie auch ein Problem mit der Bundeswehr?
Fenz: Ich leite auch Seminare an der Bundeswehr-Uni in München und bringe Soldaten Konfliktmanagement bei, insbesondere im islamischen Raum. Die Soldaten sind Anfang 20 und sehen die Frage, was mit Waffen in Krisengebieten langfristig passiert, durchaus kritisch. Das sind aufgeschlossene und engagierte Leute. Insofern kann ich der Bundeswehr auch positive Aspekte abgewinnen.

Hendrik Fenz, 56, verheiratet und dreifacher Vater, wuchs in Berlin auf, studierte Turkologie sowie Ethnologie und habilitierte 2006. Seit 2012 ist er als Mediator und Coach in Freiburg tätig. Der Staffellauf "Frieden geht" über 1100 Kilometer passiert ab dem 21. Mai Rüstungsfirmen. Los geht es in Oberndorf am Standort von Heckler & Koch. Am 22. Mai macht der Lauf in Freiburg halt. Enden wird der Lauf am 2. Juni in Berlin. Bislang haben sich 900 Läufer angemeldet. Schirmherr ist auch Fritz Keller, Präsident des SC Freiburg.
Weitere Infos im Internet unter http://www.frieden-geht.de