Fessenheim

Aufregung über Kunstdünger in 13 Kilometer Entfernung zum Akw

Bärbel Nückles

Von Bärbel Nückles

Mi, 27. Juni 2018 um 20:25 Uhr

Südwest

In der Überwachungs- und Informationskommission zum Akw Fessenheim wurde über vermeintliche Risiken diskutiert. Eines sorgte dabei für besonders viel Aufregung.

HIRTZFELDEN. Das Risiko spielt immer mit. Denn es gilt: Ohne angemessene Einschätzung von Schwachstellen kein adäquater Schutz. Diese – laut geäußerten – Überlegungen des Chefs der Straßburger Atomaufsicht (ASN), Pierre Bois, in Bezug auf das Akw Fessenheim trafen auf eine aufgeheizte Stimmung bei der Sitzung der Überwachungs- und Informationskommission (Clis) Fessenheim, die diesmal öffentlich in der Merkzweckhalle von Hirtzfelden, dem Nachbardorf Fessenheims, abgehalten wurde. Viele im Saal hielten das Akw offensichtlich schon immer für ein unkalkulierbares Risiko und taten dies mit Zwischenrufen kund. Dabei befindet sich das Akw, wie es Bois ausdrückte, "auf der Zielgeraden zur Abschaltung".

Bois versicherte mehrfach, dass sich jeder Austausch mit dem Akw-Betreiber Edf in den vergangenen Monaten ausschließlich um das Prozedere bis zur endgültigen Stilllegung und die Planung des Rückbaus gedreht habe. "Eine weitere Laufzeitverlängerung steht nicht zur Debatte", lautete sein Mantra.

Auch die Zweifel an der Stabilität des Hochwasserdamms neben dem Akw scheinen nun vom Tisch. Nach dem Atomunfall in Fukushima drängte das Freiburger Regierungspräsidium auf eine erneute Prüfung. Ein Ingenieurbüro aus Weimar hat eine elektrische Widerstandsmessung vorgenommen. Deren Ergebnis wurde am Dienstag vorgestellt: Das Innere des Deichs aus Kies und Sand ist homogen, zwei unklare Stellen bleiben. Diese würden nachuntersucht, versprach Clis-Präsident Michel Habig.

Was aber, wenn es andere Risiken gibt, die bislang keiner gesehen hat? In der Sitzung meldete sich ein Mann zu Wort, der fragte, ob nicht der Kunstdünger in den Silos einer landwirtschaftlichen Genossenschaft, 13 Kilometer südlich des Akw Fessenheim, explodieren könne. Steht damit die Sicherheit des Akw in Frage? In der Sitzung sorgte der Mann, der seinen Namen nicht öffentlich machen will, für erheblichen Aufruhr. Richtig ist, dass sich aus Ammoniumnitrat, Bestandteil gängiger Düngemittel, auch Sprengstoff herstellen lässt. Und es gab in der Vergangenheit immer wieder Explosionen, an denen die Substanz beteiligt war. Ammoniumnitrat wird deshalb nur in Mischungen eingesetzt, denen nicht reagierende Substanzen wie Kalk beigemengt sind. Michael Reininger, Sprecher des Deutschen Raiffeisenverbandes, sagt, eine Explosion sei bei handelsüblichem Dünger ausgeschlossen. Selbst Brandgefahr bestehe nur bei Missachtung der Sicherheitsbestimmungen.

Eben dies will der besorgte Mann, zuständig für Risikogutachten in einer französischen Versicherung, bei Besuchen auf dem Genossenschaftsgelände beobachtet haben. Davon habe er die Behörden unterrichtet. Die Umweltbehörde habe daraufhin eine Kontrolle durchgeführt und nur kleinere Verstöße festgestellt, sagte Pierre Bois.